Bei GameStar Tech widmen wir uns gelegentlich auch wissenschaftlichen Themen, die nichts mit Technik zu tun haben. In diesem Fall geht es im weitesten Sinne um Wirtschaftswissenschaft.
Genauer gesagt steht die Frage im Mittelpunkt, ob es sinnvoll ist, einzelne Feiertage abzuschaffen.
Dieses Thema wird seit einiger Zeit in Deutschland diskutiert, unter anderem aufgrund eines entsprechenden Vorschlags des Präsidenten der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) Peter Adrian, wie der Spiegel berichtet.
Unsere spanische Schwesternseite Xataka.com hat sich dem Thema in einem aktuellen Beitrag ebenfalls gewidmet. Im Mittelpunkt steht dabei zunächst die gewisse Diskrepanz zwischen einem Klischee über Deutschland und den durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden bei uns.
22:40
Von Anno bis WoW: Spieletipps für die Feiertage
Beginn und Kern des spanischen Artikels
- Der Titel des Artikels greift das Klischee auf, dass die Deutschen besonders fleißig seien. Er lautet übersetzt:
Deutschland glaubt, für seine Produktivitätsprobleme die deutscheste Lösung gefunden zu haben, die es gibt: mehr arbeiten
. - Bereits kurz danach wird thematisiert, dass die durchschnittliche Arbeitszeit hierzulande aktuell im europäischen Vergleich sehr niedrig liegt. Dort heißt es:
Im Jahr 2023 arbeiteten die Deutschen 1.343 Stunden pro Jahr. Das sind laut OECD 391 Stunden weniger als die Italiener
.
Trotz der zugespitzten Einleitung behandelt der Artikel die verschiedenen Ideen und Vorschläge, um die Wirtschaftsleistung in Deutschland zu erhöhen, durchaus ausgewogen.
Neben der möglichen Streichung von Feiertagen kommen auch Themen wie die Vier-Tage-Woche und andere Ansätze zur Sprache, etwa mehr Frauen in Vollzeit zu bringen und ausländischen Fachkräften die Einwanderung zu erleichtern, um einen entsprechenden Mangel auszugleichen.
Vergleich mit anderen Ländern
Sowohl zu den Arbeitsstunden als auch zu der Anzahl an Feiertagen nennt Xataka vergleichende Zahlen zwischen Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Arbeitsstunden pro Jahr
- Die Angaben dazu basieren auf Daten der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development).
- Im Jahr 2023 steht Deutschland hier bei 1.342 Stunden und dadurch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern auf dem letzten Platz. Zum Vergleich: zwanzig Jahre zuvor lag diese Zahl noch bei 1.443 Stunden, was damals den viertletzten Platz bedeutete.
Durchschnittliche Anzahl an Feiertagen
- In Deutschland gibt es neun bundesweite Feiertage, wobei durch regionale Feiertage je nach Bundesland bis zu 13 Feiertage im Jahr anfallen.
- Im Vergleich ist die Zahl an bundesweiten Feiertagen damit bei uns eher niedrig, wie die folgende Tabelle beispielhaft zeigt:
| Land | Gesetzliche Feiertage (bundesweit) |
|---|---|
| Belgien | 17 |
| Lettland | 17 |
| Österreich | 13 |
| Spanien | 12 |
| Frankreich | 11 |
| Dänemark | 10 |
| Deutschland | 9 |
| Niederlande | 8 |
| Irland | 8 |
| Großbritannien | 8 |
Tabelle erstellt mit Google Gemini
Für die geleisteten Arbeitsstunden im Jahr spielen aber viele weitere Faktoren eine wichtige Rolle, etwa die typische Arbeitszeit in Vollzeitbeschäftigung oder die durchschnittliche Anzahl der Urlaubs- und Krankheitstage.
Aktuelle Studie: Kein positiver Effekt durch Feiertagsstreichung
Es handelt sich also um ein sehr komplexes Thema mit verschiedenen Sichtweisen und Daten, wie auch eine aktuelle Studie zu den möglichen Auswirkungen der Streichung eines Feiertags zeigt.
- Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung sieht demnach keine empirischen Belege dafür, dass weniger Feiertage das Wachstum stärken.
- Dazu wurden sechs Fälle aus der Vergangenheit untersucht, in denen es zur Streichung oder Neueinführung von Feiertagen kam. In der Hälfte dieser Fälle kam es sogar zu einer Verbesserung der Wirtschaft, wenn kein Arbeitstag gestrichen wurde beziehungsweise ein neuer hinzukam.
- Der wissenschaftliche Direktor des IMK Dr. Sebastian Dullien sagt daher:
Die Gleichung: Wenn Feiertage wegfallen, steigt das Wachstum, geht offensichtlich nicht auf. Denn sie ist zu simpel und wird einer modernen Arbeitsgesellschaft nicht gerecht
.
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Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft hatten dagegen zuvor prognostiziert, dass ein zusätzlicher Arbeitstag das Bruttoinlandsprodukt um 5 bis 8,6 Milliarden Euro steigern könnte.
Es ist indes nicht davon auszugehen, dass die Studie des IMK die aktuelle Diskussion über die Streichung eines (oder sogar mehrerer) Feiertage hierzulande beenden wird.
