Die Steam Frame macht vieles richtig – aber an der entscheidenden Stelle enttäuscht sie mich

Valves neue VR-Brille ist enthüllt, und irgendwie bin ich einerseits fasziniert, andererseits aber auch unterwältigt - und das ausgerechnet bei der Hauptdisziplin.

Valves Timing mit der Steam Frame ist eher ungünstig: Große Player wie Meta haben die virtuelle Realität größtenteils aufgegeben, es fehlt vor allem an Software. Valves Timing mit der Steam Frame ist eher ungünstig: Große Player wie Meta haben die virtuelle Realität größtenteils aufgegeben, es fehlt vor allem an Software.

Valve hat dem Rahmen einen Inhalt gegeben: Die technischen Daten der Steam Frame genannten VR-Brille sind aus dem Sack und Valve nimmt Vorbestellungen entgegen. Wir wissen also, womit wir es zu tun haben und womit wir Steam Frame vergleichen können.

Größter Konkurrent, wenn es um Virtual Reality geht, ist wohl die Meta Quest 3. Der Platzhirsch hortet viele Exklusivspiele, ist leistungstechnisch aber ein wenig in die Jahre gekommen – dafür stimmt der Preis. Trotz jüngster Erhöhungen kostet die Meta Quest 3 mit 599 Euro deutlich weniger wie die Steam Frame. Da muss Valve aber schon deutlich mehr bieten, um das zu rechtfertigen, oder?

Was Virtual Reality angeht, ist Steam Frame nur Durchschnitt

Sicher, Valve nutzt einen flotteren Prozessor für Anwendungen, die direkt im Headset laufen. Mehr Speicher, ebenfalls praktisch, beides zusammen ermöglicht bessere Grafik, realistischere Spielwelten und damit mehr Immersion. Ebenso wichtig ist aber die Darstellung direkt vor den Augen: Das optische System entscheidet über Brillanz, Darstellungsqualität und als speziellen VR-Punkt über das Field of View. Dieser sichtbare Bildbereich entscheidet, wie groß die VR-Spielfläche ausfällt und wo schwarze Ränder beginnen.

Leicht, einfach zu nutzen, ergonomisch und generell eine solide VR-Brille. Bei einem Preis von über 1.000 Euro hätte ich aber mehr erwartet. Leicht, einfach zu nutzen, ergonomisch und generell eine solide VR-Brille. Bei einem Preis von über 1.000 Euro hätte ich aber mehr erwartet.

Und genau hier hätte ich mehr von der Steam Frame erwartet: So nutzt Valve LCD, während Sonys PSVR2 oder Pimax im Highendbereich anschaulich zeigen, wie toll OLED aussehen kann. Vielleicht fiel die Entscheidung wegen des zusätzlichen Strombedarfs von OLED - die Laufzeit ist eh schon grenzwertig gering. Beim Field of View gibt es gegenüber der Quest 3 und der Valve Index ebenfalls einen kleinen Rückschritt.

Aber auch die Auflösung lässt den VR-Nerd in mir nicht jubeln, sondern eher die Schultern zucken. Ich verstehe, dass mehr Auflösung wiederum eine höhere Energieaufnahme bedeutet hätte und dass auch die verbaute Grafikhardware an ihre Grenzen stößt. Aber wieder: Schade, dass sich die teure Steam Frame in der Bildqualität nicht so drastisch von der Quest 3 unterscheidet, wie der Preisunterschied vermuten ließe.

Steam Frame ist ein vollwertiger Linux-PC auf dem Kopf

Versteht mich nicht falsch, ich will die Steam Frame gar nicht schlecht reden. Valve hat eine solide VR-Brille erschaffen, die vieles richtig macht. Nur geht mir Valve ausgerechnet beim augenscheinlich wichtigsten Anwendungszweck nicht weit genug: VR.

Der Speicher der Steam Frame kann per Micro-SD erweitert werden - löblich! Der Speicher der Steam Frame kann per Micro-SD erweitert werden - löblich!

Jahre nach der Meta Quest 3 und mit deutlich höherem Preis müsst ihr als VR-Gamer schon sehr überzeugt Inhalte vom PC streamen wollen, um den Stillstand an anderer Stelle zu rechtfertigen. Für Valve spricht allerdings die Tatsache, dass Steam Frame viel sparsamer mit euren Daten umzugehen scheint, als Metas Quest, bei der ein wenig Stalking bereits mit dem niedrigen Preis verrechnet ist.

Steam Frame ist ein vollwertiger Linux-PC mit der Fähigkeit, Windows-Anwendungen abzuspielen. Das ist neu, faszinierend und extrem spannend. Nur als autarke VR-Brille schwächelt das Gerät ein wenig - jedenfalls angesichts des Preises, dem zeitlichen Abstand zur Quest 3 und auch im Vergleich zur Valve Index.

Letztere habe ich jahrelang begeistert genutzt, weil sie VR vorangetrieben hat und das mit Abstand bequemste Headset out-of-the-box war. Bequem ist Steam Frame auch, den Sprung zu einem größeren Field of View oder wenigstens einem farbigen und zeitgemäßen Passthrough für AR-Anwendungen hat Valve leider nicht gewagt.

Und so ganz nebenbei, Valve: Die Index war nicht zuletzt aufgrund des grandiosen Half-Life: Alyx beliebt. Tolles Spiel, keine Frage - aber für Steam Frame nichts neues sondern nur wieder Alyx (und das bauartbedingt sogar in schlechterer Grafik) anbieten, ist kein wirklich geschickter Zug.


Kommentare(2)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.