Projektoren werden für Spielerinnen und Spieler endlich interessant. VRR und ALLM für niedrige Latenzen standen lange Zeit nur auf Wunschlisten.
Genau deshalb sticht der neue XGIMI TITAN Noir Max heraus: Dieser neue Triple-Laser-Projektor kombiniert moderne Gaming-Features mit enormer Helligkeit, kräftigem HDR und überraschend guten Schwarzwerten.
Spoiler: An die Schwarzwerte eines 10.000 Euro teuren JVC-Beamers kommt XGIMIs Wunderkind nicht ganz heran, aber in manchen anderen Kriterien zieht es an ihm vorbei – bei deutlich geringerem Anschaffungspreis.
Transparenzhinweis: XGIMI hat den Titan Noir Max für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Inhalt dieses Artikels und bekam keine Einsicht vor der Veröffentlichung. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Viel Licht, aber keine Wunder
Offiziell verspricht XGIMI bis zu 7000 ISO-Lumen Leuchtkraft. In der Praxis ist dieser Wert eher Marketing als realistischer Alltagsbetrieb. Der dafür nötige Hochleistungsmodus produziert einen unschönen Grünstich, treibt die Lüfter auf Turbinen-Niveau und sollte laut Hersteller nur unter kontrollierten Temperaturen genutzt werden.
Realistischer sind etwa 4500 bis 5000 ISO-Lumen – und selbst das ist noch enorm hell. Möglich ist das nur durch einen brandneuen Steuerungs-Chip von Texas Instruments.
Der TITAN Noir Max eignet sich damit problemlos für große Leinwände bis 300 Zoll oder mäßig beleuchtete Räume. Ein zweifacher optischer Zoom sowie ein großzügiger Lens Shift (130 Prozent vertikal, 50 Prozent horizontal) erleichtern die Installation zusätzlich.
Endlich ein richtiger Gaming-Beamer
Große Stärken spielt der TITAN Noir Max beim Gaming aus. VRR und ALLM sorgen für ein ruhiges Bild ohne störendes Tearing, während die niedrige Eingabelatenz erstaunlich nah an PC-Monitore heranrückt. Er kommt auf 4 Millisekunden bei 4K mit 60 Hertz.
In 1080p sind sogar 240 Hertz bei nur einer Millisekunde Latenz möglich. Die 4K-Darstellung entsteht per schnellem Pixel-Shift und bleibt in der Praxis beeindruckend scharf.
Vor allem moderne HDR-Spiele profitieren massiv. Forza Horizon 6 wirkt auf der riesigen Leinwand spektakulär: Neonlichter im nächtlichen Tokio, nasser Asphalt und Reflexionen entwickeln eine Intensität, die OLED-TVs das Fürchten lehren.
Doom oder Story Games wie 007: First Light profitieren dagegen von der Kombination aus riesigen Bild, dunklen Umgebungen und scharfen Spitzlichtquellen, die eine enorme Atmosphäre entwickelt.
Man sieht es sofort: Der Triple-Laser deckt den Rec.-2020-Farbraum vollständig ab und liefert wunderbar kräftige Farben. Im Spielemodus zwar nicht ganz so kräftig wie in den Film-Modi, aber das ändert nichts an unserem Urteil.
In manchen Bildmodi sind die Farben sogar etwas zu kräftig, um in die versprochene Fehlerabweichung von Delta-Error 0.8 zu passen. Nachkalibrieren kann nicht schaden. Wer von Haus aus mehr Genauigkeit bevorzugt, kann auf zwei vorkalibrierte Filmmodi mit sehr warmem Farbschema zurückgreifen.
Doch unabhängig vom Modus gilt: HDR-Effekte bringen deutlich mehr Punch als bei bisherigen spieletauglichen Beamern.
Starkes HDR, guter Schwarzwert
Im direkten Vergleich mit den bisherigen Gaming-Platzhirschen, dem Valerion Vision Master Pro 2 und seinem »Max«-Bruder, zeigte sich schnell, dass der XGIMI mehr Lichtreserven und stärkere Kontraste besitzt. Kleine Lichtquellen wie Explosionen oder Neonreklamen wirken intensiver und präziser, ohne sofort zu überstrahlen.
In Filmen mit besonders hoher HDR-Helligkeit gilt das umso mehr. In Mad Max: Fury Road (über 9.000 Nit) und selbst bei halbwegs gemäßigten Spitzlichtern wie im neuen 4K-Scan von Ben Hur (2.500 Nit) profitiert das Bild enorm davon.
Wo andere helle Projektoren Spitzlichter häufig zu großen Farbflächen verschmelzen lassen, bleibt der TITAN Noir Max kontrollierter.
Neben der puren Helligkeit liegt das auch am variablen Iris-System, das mithilfe zweier unabhängig arbeitender Blenden fünf feste Stufen sowie einen dynamischen Modus ermöglicht. Bei letzterem wird die Helligkeit kontinuierlich an die jeweilige Szene angepasst und tiefes Schwarz zugleich bewahrt.
Die helle F2-Blendenstufe eignet sich sogar für Tageslichtbetrieb (mit leichten Abstrichen), während F4 abends sichtbar bessere Schwarzwerte und mehr Bildtiefe liefert. F7 hatte wunderbar tiefes Schwarz, war uns aber allgemein einen Tick zu dunkel.
OLED-Niveau erreicht der Projektor freilich nicht – das ist physisch unmöglich. Für einen so hellen Laser-Beamer ist das Ergebnis dennoch beeindruckend.
Dynamisches Tonemapping inklusive. Unterstützt werden alle wichtigen HDR- und Audioformate, darunter Dolby Vision, HDR10+, IMAX Enhanced, DTS und Dolby Atmos.
Augenfreundlich
So viel gebündelte Laserleistung ist nicht ganz ungefährlich. Wer direkt in den Strahl blickt, gefährdet seine Augen. Um Schäden zu vermeiden, setzen viele Laser-Projektoren auf eine automatische Abschaltung per Sensor, die jedoch strikt binär arbeitet: Bild an oder aus.
Das ist im Alltag oft störend, etwa wenn die Katze mal über den Wohnzimmertisch hüpft oder jemand kurz von der Couch aufsteht.
XGIMIs schlauere Lösung ist eine Teilverdeckung. Dabei wird nur der Bereich des Bildes abgeschaltet, der einem menschlichen Kopf entspricht. So bleibt der Rest des Bildes für alle anderen sichtbar, während gleichzeitig kein Risiko für die Augen entsteht. Man kann nicht einmal zufällig in die Laser blicken, sofern diese Funktion im Menü aktiviert wurde. Vorbildlich!
Kleine Schwächen bleiben
Perfekt ist der TITAN Noir Max trotzdem nicht. Die Lüfter bleiben mit rund 34 Dezibel gemäßigt, benötigen aber ausreichend Freiraum ober- und unterhalb des Geräts. Deshalb wird der Beamer auf einem Stand ausgeliefert. In einem Regal stehend wird der leider etwas kleine Lüfter dann doch hörbar. Das macht ihn etwas unflexibel.
Der Stand lässt sich zwar abschrauben, aber das Gerät ist trotzdem nicht mit handelsüblichen Decken-Mounts kompatibel, da sie die Belüftungsschlitze verschießen. XGIMIs eigenes Montagesystem kostet zusätzlich happige 400 US-Dollar.
Das große Netzteil (320 Watt) könnte derweil ein längeres Kabel vertragen. Im Betrieb liegt der Verbrauch bei etwa 190 bis 210 Watt, was für diese Helligkeitsklasse noch im Rahmen bleibt und für einen Laser-Projektor nicht ungewöhnlich ist.
Erwartungsgemäß können typische DLP-Symptome wie der Rainbow-Effekt den Filmgenuss durch farbige Säume ein wenig trüben. XGIMI bietet zwar einen Reduktionsmodus an, dieser erzeugt aktuell jedoch noch ein störendes Pixelrauschen. Software-Updates sollen hier nachbessern.
Apropos: Das Betriebssystem bleibt bewusst minimalistisch – der Beamer ist nicht smart. Zwei USB-Anschlüsse ermöglichen dank mannigfaltiger Codecs lokale Wiedergabe von Videodateien, zusätzlich gibt es Gigabit-LAN und WLAN.
Ohne Smart-OS sind allerdings externe Geräte wie Fire TV oder Apple TV erforderlich, wenn man Netflix, Disney+ und Co. genießen möchte. Dafür stehen drei HDMI-2.1-Ports inklusive eARC zur Verfügung.
Der Preis ist heiß, aber noch könnt ihr ihn »günstig« erwerben
Qualität hat ihren Preis, und der ist beim XGIMI TITAN Noir Max nicht ohne. Noch läuft eine Kickstarter-Kampagne bis zum 9. Juni - da zahlt ihr 2.999 US-Dollar (dank des derzeitigen Dollarkurses 2.500 Euro)
Dazu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer bei der Einfuhr. Zoll und Versand übernimmt der Hersteller. Das ist ein echtes Schnäppchen, denn später sollen im regulären Handel rund 6.000 US-Dollar plus Steuern fällig werden.
Für alle, deren Geldbeutel das nicht hergibt, stehen noch zwei weitere, nicht ganz so strahlkräftige Modelle bereit, die aber weiterhin mit guten Schwarzwerten auftrumpfen. Auch bei diesen lohnt es sich, früh auf die Kickstarter-Kampagne aufzusteigen – sofern großes Interesse besteht.


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