Überall im Internet sehe (und höre) ich mittlerweile fast nur noch KI. Posts auf Instagram? KI. Spotify-Charts? KI. Vorschläge auf YouTube? KI!
Jetzt steckt mir auch noch Disney einen Stock in die Speichen. In seinem Jahresbericht hat das Unternehmen verkündet, dass demnächst jeder »GenKI generierten Kurzform-Content« (»gen-AI short-form user-generated content« oder »UGC«) auf den hauseigenen Streaming-Dienst Disney Plus hochladen können wird.
Mittlerweile habe ich den Kanal sowas von voll.
Für wen ist das eigentlich gedacht?
Die Frage schoss mir als Erstes ins Hirn. Hollywood Reporter zitiert Disney-CEO Bob Iger dazu wie folgt:
Eine weitere Sache, auf die wir uns sehr freuen und die uns die KI ermöglichen wird, ist, den Nutzern von Disney Plus ein viel intensiveres Erlebnis zu bieten, einschließlich der Möglichkeit, selbst Inhalte zu erstellen und von anderen erstellte Inhalte – meist in Kurzform – zu konsumieren.
Engagement also, das oftmals beschworene »intensivere Erlebnis«. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mein Erlebnis wird nicht intensiver, wenn Disney Plus mit KI-Inhalten vollgepflastert wäre. Ich buche ein Abo wegen Serien wie Alien: Earth, Star Wars-Filmen oder alten Klassikern, aber nicht wegen eines Die Eiskönigin-Kurzfilms, den jemand von der KI hat erstellen lassen.
Wenn ich KI-generierte Inhalte sehe, dann habe ich meistens dieselben Gedanken:
- Es sieht alles gleich aus.
- KI fühlt sich seelenlos an.
- Das Wissen, dass für die Trainingsdaten massenweise Urheberrecht gebrochen wurde.
- Ich will lieber Inhalte von Menschen sehen.
Und ich bin nicht der Einzige. Im Falle der Shooters Arc Raiders, bei dem Stimmen mit KI generiert wurden, fällt der Backlash nicht gerade milde aus.
12:43
Riesen-Erfolg trotz 40€ & mächtiger Konkurrenz! ARC Raiders schafft das Unmögliche!
Zunächst hatte Disney Midjourney wegen Urheberrechtsverletzung verklagt, mittlerweile sieht es so aus, dass sie der dunklen Seite lieber beitreten, anstatt sie zu bekämpfen.
Entwertung der eigenen Marken
Die Frage, ob die KI-Blase platzen wird, hat meine Kollegin Uschi in einem Artikel versucht, zu beantworten. Einer der Gründe ist das Verramschen von Inhalten.
Wie bereits erwähnt: Weil Disney KI wohl nicht besiegen kann, reiht sich das Unternehmen ein. Das sorgt für eine massive Entwertung der eigenen Marken.
- Wenn jeder Kurzvideos zu Toy Story erstellen kann, wer braucht dann noch auf den fünften Teil warten?
- Wenn Disney will, dass ich Star Wars-Filmchen per KI generiere, so wie unzählige andere, was macht Star Wars dann noch besonders?
Und ich spreche hier nicht von einem Studio, das ein, zwei erfolgreiche Marken unter seinem Dach hat. Disney ist einer der größten Konzerne der Welt. Jeder wird offiziell KI-Slop erstellen können von:
- Disney-Klassikern (Micky Maus, Die Eiskönigin, König der Löwen)
- Pixar (Toy Story, Cars, Alles steht Kopf)
- Marvel (Avengers, Spider-Man, X-Men)
- Lucasfilm (Star Wars, Indiana Jones)
- 20th Century Fox (Simpsons, Alien, Predator)
56:01
GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?
Passend zum Thema:
- Vertrauen wir KI zu sehr? Die aktuellen Zahlen von Wikipedia sollten wir ernst nehmen
- Der Erfinder des Internets ist sicher: Nein, KI wird das Netz nicht zerstören
Für mich beweist dieser Schritt von Disney – neben dem Verramschen der eigenen Marken – vor allem zwei Dinge:
- Es geht nicht darum, den Leuten gute Inhalte für ihr Geld zu bieten, sondern Engagementzahlen hochzutreiben. Zumindest auf Social Media funktioniert das, wenn Bots auf KI-Slop reagieren (Dead-Internet-Theorie lässt grüßen).
- Der Zirkelschluss aus künstlicher Nachfrage ist real. Das ist einer der Gründe, den Uschi in ihrem Artikel zum möglichen Platzen der KI-Blase anführt. Disney bedient keine echte Nachfrage nach mehr Star Wars oder mehr KI-Inhalten, sondern möchte auch einen Fuß in der Tür haben.
Ich sehe mich mein Disney-Plus-Konto nicht reaktivieren. KI-Content ist nicht für mich. Wir können noch mal sprechen, wenn die zweite Staffel von Alien: Earth erscheint, denn menschliche Qualität wird sich schlussendlich durchsetzen. Davon bin ich überzeugt.
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