Die KI-Blase: Seit der Einführung von ChatGPT 2022 scheint es keinen Zeitpunkt gegeben zu haben, zu dem in den Medien so viel und leidenschaftlich über die Frage spekuliert wird, ob der KI-Hype eine Blase ist, die zu platzen droht.
Trotz des »Goldrauschs«, der Nvidia zu einem der wertvollsten Unternehmen der Welt machte, mehren sich die Zweifel, ob die überbordenden Erwartungen an und Investitionen in KI eigentlich nachhaltig sind. Immer mehr Kolumnisten schreiben von der drohenden Blase.
Warum jetzt? Wir haben die drei wichtigsten Gründe für euch zusammengefasst, warum der KI-Hype auf eine Blase hindeutet.
Drei Gründe für die Spekulationen um die KI-Blase
Defintion
Eine Blase beschreibt ein wirtschaftliches Phänomen, bei dem sich ein Vermögenswerts – wie etwa Aktien oder Immobilien – rasant von seinem tatsächlichen Wert entfernt.
Diese Entwicklung lässt sich an mehreren Faktoren erkennen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt:
Das Platzen der Blase: Sobald das Vertrauen der Anleger schwindet oder es einen negativen Auslöser gibt, verkaufen viele gleichzeitig. Dieser Massenverkauf führt zu einem schnellen und drastischen Preisverfall. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung es formuliert: Irgendjemand zahlt immer die Zeche
.
Überbewertung und Spekulation: Der Preis eines Gutes steigt schnell an, angetrieben von spekulativer Nachfrage und der Erwartung, dass der Preis immer weiter zulegen wird.
Fehlende fundamentale Grundlage: Das Wachstum basiert nicht auf tatsächlichen Einnahmen, Gewinnen oder nachweisbaren Produktivitätssteigerungen, sondern auf purem Hype und überzogenem Optimismus. Die Deutsche Bank warnt laut TechSpot, dass das aktuelle Wachstum in der KI-Branche nicht von der Technologie selbst herrührt, sondern vom Bau neuer Rechenzentren durch menschliche Arbeitskräfte.
Irrationales Anlegerverhalten: Die sogenannte »Fear of Missing Out« (FOMO) treibt Anleger dazu, zu immer höheren Preisen zu kaufen. Dieses irrationale Verhalten schürt die Preisspirale zusätzlich. Sogar Sam Altman, der CEO von OpenAI, räumte laut TechSpot ein, dass sich KI-Investoren irrational verhalten und einige von ihnen unweigerlich erhebliche Geldsummen verlieren werden.
1. Der KI-Hype als Strohhalm für die US-Wirtschaft
Ende September mehrten sich die Meldungen, dass das Wachstum der US-Wirtschaft aktuell besorgniserregend stark auf Investitionen im KI-Bereich beruhe. Einen Anfang machte George Saravelos von der Deutschen Bank, der warnte: Die KI-Maschinen retten buchstäblich die US-Wirtschaft – das sei jedoch eine Entwicklung, die langfristig nicht aufrechtzuerhalten sei.
Auch Harvard-Ökonom Jason Furman untermauert die Analyse auf X (vormals Twitter): 92 Prozent des Wachstums des US-Bruttoinlandsproduktes im ersten Halbjahr 2025 hängen an Investitionen in KI-Infrastruktur. Das zeigt, wie konzentriert das Wachstum ist.
Gleichzeitig verweist etwa Eva-Maria Weiß bei Heise auf die extreme Diskrepanz zwischen den Investitionen und den tatsächlich erwarteten Gewinnen: KI-Unternehmen wie OpenAI seien extrem hoch bewertet, dabei werde frühestens 2029 mit Gewinnen gerechnet. Hinzu kommt: Es ist noch völlig unklar, welches Produkt OpenAI überhaupt verkaufen möchte.
Hier sieht nicht nur Erich Moechel auf Golem »verblüffende« Parallelen zur Dotcom-Blase: Ende der 1990er zahlten Investoren Unternehmen astronomische Preise für Unternehmen ohne ein etabliertes Geschäftsmodell – lediglich die verheißungsvolle .com-Endung reichte aus.
56:01
GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?
2. Ein Zirkelschluss aus künstlicher Nachfrage im Silicon Valley
Im Zentrum der massiven Investitionen stehen einige große Tech-Konzerne: OpenAI, Amazon, Meta und auch der Chip-Hersteller Nvidia, das durch den KI-Boom derzeit wertvollste Unternehmen der Welt: Sie erzeugen untereinander eine künstliche Nachfrage.
Der Deutschlandfunk beschreibt dieses Verhältnis als einen Ringtausch
, ein konkretes Beispiel:
- Nvidia investiert 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI.
- Damit baut OpenAI neue Rechenzentren.
- In denen kommen dann wiederum die GPUs von Nvidia zum Einsatz.
Solche »Zirkelschlüsse« seien laut Philipp Steevens von Heise häufig im »Ökosystem der generativen KI«: Yahoo Finance berichtet, dass 40 Prozent des aktuellen Umsatzes von Nvidia von Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley wie Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet kämen.
Thomas Riedel verweist in seinem Beitrag auf Absatzwirtschaft darauf, wie fragil dieses Verhältnis ist: Anfang des Jahres trat mit dem chinesischen DeepSeek ein externer Player auf den Plan, mit der Annahme, für einen Bruchteil der Kosten ein ähnliches Ergebnis zu erzielen wie die US-amerikanischen Konkurrenten.
Auch wenn die tatsächlichen Kosten für DeepSeek am Ende höher lagen, war die unmittelbare Folge: Ein Kurseinbruch der Nvidia-Aktie um 17 Prozent.
3. Die Entwertung der Inhalte
Bei all den gegenseitigen Investitionen bleibt aber eine Frage auf der Strecke: Was sind das eigentlich für Produkte, die der KI-Hype hervorbringt? OpenAIs letzte große Veröffentlichung ist der Video-Generator Sora 2. Der ist in der EU noch nicht verfügbar.
Dennoch befeuert er ein Phänomen, das im Internet bereits einen Namen bekommen hat. Den AI Slop
. Das bezeichnet minderwertige KI-generierte Videos, die das Internet fluten. Riedel stellt in seiner Analyse fest:
Die „Dead-Internet-Theorie“ ist aktueller denn je.
Die Dead-Internet-Theorie geht davon aus, dass ein immer größer werdender Teil des Internets aus Inhalten von Bots und KI bestehe. Das kann gerade für die KI selbst fatal werden: Immerhin sind Bild- und Textgeneratoren auf echtes Material angewiesen, auf dessen Grundlage sie dann trainiert werden können.
Riedel interpretiert die Tatsache, dass Sam Altman künftig auch Erotik-Inhalte auf ChatGPT anbieten möchte, schon als Verzweiflungstat
, um im Gespräch zu bleiben.
Fazit: Viele reden über den Crash, aber nicht alle erwarten ihn
Zusätzlich befeuert wird die Diskussion über die KI-Blase mittlerweile auch von den CEOs selbst:
- Sam Altman hatte Mitte August in einem Interview mit The Verge das Wort
Blase
selbst in den Mund genommen: In einer Blase seien kluge Leuteüber-aufgeregt
(overexcited
) bezogen auf einen wahren Kern. Seiner Ansicht nach ist das aktuell der Fall, gleichzeitig seien aber auch die KI-Fortschritte die mitunter wichtigsten Entwicklungen. - Und auch Mark Zuckerberg hält es laut Fortune
definitiv für eine Möglichkeit
, dass ein »Kollaps« passieren könnte. Für ihn wäre das aber vor allem auch eine Gelegenheit, Ressourcen und KI-Talente günstig aufzukaufen.
Die Gesamtschau zeigt vor allem eine große Diskrepanz zwischen Erwartungen und den realen aktuellen Ergebnissen. Auch wenn sich immer mehr Publikationen sicher sind: der KI-Hype ist eine Blase. Wann und ob diese platzen wird, da wollen sich die wenigsten festlegen.
Finanzdienstleister Goldman Sachs gibt entgegen der vielen Meldungen Entwarnung: Der schnelle Preisanstieg der Wertpapiere sei gerade dadurch, dass sie – anders als etwa zur Dotcom-Blase – fundamental durch Tech-Riesen gestützt seien und nicht nur auf blinden Spekulationen basierten. Eine Korrektur der Aktien sei aber durchaus zu erwarten.
Jenseits der aktuellen wirtschaftlichen Lage scheint nun – ziemlich genau drei Jahre nach der Veröffentlichung von ChatGPT – eine Zeit der Reflexion einzusetzen. Es geht um die Frage, wie es derzeit um das steht, was wir inzwischen als Künstliche Intelligenz
bezeichnen. Es ist eine Zeit des Abwägens zwischen Erwartungen und realen Ergebnissen.



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