Der Erfinder des Internets ist sicher: Nein, KI wird das Netz nicht zerstören

Sir Tim Berners-Lee teilt seine optimistischen, aber auch besorgniserregenden Gedanken an die Zukunft des Netzes.

Sir Tim Berners-Lee gilt Urvater des Internets. (Bildquelle: Cern) Sir Tim Berners-Lee gilt Urvater des Internets. (Bildquelle: Cern)

In den frühen 90er-Jahren entwickelte Sir Tim Berners-Lee Meilensteine wie HTML, HTTP, URL sowie den ersten Browser und gilt deshalb als Urvater des Internets. In einem Podcast hat er jetzt darüber gesprochen, wie das Netz durch KI verändert wird.

KI wird das Internet nicht zerstören, aber verändern

Künstliche Intelligenz ist eines der wichtigsten Themen der vergangenen Jahre und verändert das Leben vieler Menschen schon jetzt auf unzählige Arten. Auch das Internet hat sich schon gewandelt, etwa durch KI-Zusammenfassungen oder generierte Bilder und Videos.

KI-Agenten, die autonom Aufgaben im Internet erledigen und miteinander interagieren, gelten als der nächste große Schritt. Das wirft natürlich die Frage auf, ob das Netz irgendwann nur noch aus KI-Agenten, Bots und unechten Bildern und Videos besteht.

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Sir Tim Berners-Lee hat sich in der Vergangenheit schon öfter kritisch zur Entwicklung des Internets geäußert. Jetzt war der britische Informatiker und Physiker im Decoder-Podcast von The Verge zu Gast und hat dort ausführlich über seine Meinung zu KI gesprochen.

Dabei bestätigt er, dass das Netz sich mittlerweile weit von seiner ursprünglichen Vision entfernt habe. Er blickt dennoch optimistisch in die Zukunft. KI sieht er als transformative Technologie, die das Internet nicht zerstören, aber in vielen Fällen verändern wird.

Die Rolle als Informationsplattform würde das Netz dabei immer weniger einnehmen, als Anwendungsplattform befinde es sich aber auf einem »All-Time-High«. Das birgt aber auch Risiken, wie Berners-Lee ausführt:

Ich mache mir Sorgen um die Infrastruktur des Internets, wenn es um den gesamten Datenfluss geht, der von Menschen erzeugt wird, die ihr Geld mit Werbung verdienen. Wenn niemand den Links folgt, wenn die Menschen keine Suchmaschinen verwenden, wenn sie ihre Websites nicht wirklich nutzen, dann verlieren wir diesen Strom an Werbeeinnahmen. Das gesamte Modell bricht zusammen.

So muss sich KI ändern: Damit die Technologie den Menschen nutzt und nicht andersherum, braucht es laut Berners-Lee eine KI, die für die Menschen arbeitet und Zugriff auf persönliche Daten hat. Aktuell ist es etwa so, dass Musik-Apps wissen, welche Musik wir mögen, Video-Apps, welche Videos uns gefallen und Online-Händler, welche Produkte wir kaufen.

Eine lokal funktionierende KI, die all diese Informationen hat, aber eben nicht verkauft oder verrät, könnte uns demnach viel besser kennen und deshalb auch besser beraten. Die Kontrolle der Daten müsse aber immer bei den Nutzern liegen.

Dass KI das Netz grundlegend verändern wird, steht laut Berners-Lee fest. Die Frage ist allerdings, auf welche Weise und wer dabei die Kontrolle hat. Das Potenzial der Technologie ist gewaltig und sollte Hoffnung machen.

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