Dolby Vision 2 klingt nach dem größten Schritt seit 10 Jahren: Was ich von den vier großen Neuerungen halte

2014 brachte Dolby Vision HDR und Wide Color Gamut auf unsere Fernseher. Beim Nachfolger erwarte ich (erst mal) deutlich weniger.

Dolby Vision 2 ruft bei mir keinen Jubelsturm hervor. Deshalb warte ich ab und trinke Tee. (Bildquellen: Dolby, Maxe S., GameStar) Dolby Vision 2 ruft bei mir keinen Jubelsturm hervor. Deshalb warte ich ab und trinke Tee. (Bildquellen: Dolby, Maxe S., GameStar)

Wenn es um neue Technik und Technologien geht, dann bin ich meistens vorsichtig. Ja, ich feiere gerne, was gut und sinnvoll ist, wenn ich aber keine Hand angelegt (oder in diesem Fall: Augen) habe, springe ich selten auf einen Hypetrain auf.

So verhält es sich auch mit Dolby Vision 2. Quasi aus dem Nichts hat Dolby seinen neuen und verbesserten Standard angekündigt. Die Pressemitteilung las sich sehr euphorisch (wie es Pressemitteilungen meist tun), aber ich bleibe auf dem Boden.

Ich lobe den Tag nicht vor dem Abend und erkläre euch in diesem Artikel, wieso.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe ist seit 2016 Tech-Redakteur, und Fernseher waren schon immer sein Fachgebiet. LED, OLED, Mini-LED, Micro-LED: Völlig egal, er interessiert sich für alle Displays. Mit TVs kennt er sich also bestens aus und weiß, worauf man beim Kauf achten sollte.

Blick zurück: Was ist eigentlich Dolby Vision?

Dolby Vision ist ein HDR-Format, das Filme, Serien und Spiele mit mehr Helligkeit, tieferen Kontrasten und realistischeren Farben zeigt.

Die Besonderheit: Anstatt statische kommen dynamische Metadaten zum Einsatz. Das heißt, dass die Kontrasterweiterung pro Szene oder sogar pro Bild berechnet wird. Bei statischem HDR gibt es quasi einen Durchschnitt für den entsprechenden gemasterten Titel.

Video starten 3:12 Habe ich die Zukunft gesehen? So sehr wie dieser TV hat mich noch nie ein neuer Fernseher begeistert

Das allein gibt Dolby Vision seine Daseinsberechtigung, aber die Technologie bietet darüber hinaus Vorteile.

  • Inhalte sehen im Schnitt einfach besser aus, da dunkle Filmszenen anders mit HDR gemastert werden als helle.
  • Es ist zukunftssicher, weil Dolby Vision für professionelle Displays mit bis zu 10.000 Nits Spitzenhelligkeit konzipiert wurde. Moderne Flaggschiffe erreichen im Schnitt »nur« 3.000 Nits.
  • Dolby Vision ist skalierbar, je nach Qualität eines Displays. Egal, ob Einsteiger-TV oder Spitzenklasse, das Bild bleibt möglichst nah an der kreativen Vision.

Was macht Dolby Vision 2 neu?

Dolby Laboratories hat vor allem vier Parameter genannt, die ich nachstehend erklären und darauf eingehen werde.

Precision Black

Diese Funktion soll vor allem feine Details in dunkleren Szenen besser hervorheben, ohne dass die Szene an sich darunter leidet. Sprich: Schwarz soll nicht zu grau werden, wir sollen Menschen oder Gegenstände in einem finsteren Raum trotzdem besser sehen können.

Was ich davon halte: Wenn es Dolby Vision 2 schafft, dunkle Szenen noch kontrastreicher zu machen, dann bin ich an Bord. Das ist vermutlich eine der bisher größten Schwierigkeiten: Dunkle Szenen nicht zu dunkel zu machen, sodass man noch etwas erkennt.

Schaut euch diesen Screenshot aus der Serie Donnie Yen’s Sakra an.

Das Bild wurde auf einem OLED-TV im Kino-Modus aufgenommen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Das Bild wurde auf einem OLED-TV im Kino-Modus aufgenommen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Ein solches Bild kontrastreich darzustellen, ist selbst für Oberklasse-TVs schwierig.

  • Dunkel
  • Regen
  • Licht von oben
  • Lichtquellen im Hintergrund
  • Laternen

Wenn Dolby Vision 2 es schafft, hier die Balance zwischen dunkel und hell zu vertiefen, bin ich sofort an Bord.

Precision Black könnte sich meiner Meinung nach als größte Errungenschaft herausstellen.

Bidirektionales Tone-Mapping

Tone-Mapping sorgt dafür, dass Inhalte auf euren TVs noch gut ausschauen, auch wenn die originale Master-Datei – also der Film oder die Serie – viel heller oder besser aussehen.

Bidirektionales Tone-Mapping soll erlauben, die Inhalte noch gezielter an Premium-TVs anzupassen. Das heißt: je besser euer Fernseher, desto granularer die Bildqualität.

Was ich davon halte: Hier bin ich ehrlich gesagt zwiegespalten. Auf der einen Seite ist es von Vorteil, wenn Filme und Serien in der Postproduktion detailreicher eingestellt werden können (auf welche Art auch immer).

Auf der anderen Seite profitieren natürlich nur diejenigen davon, die einen Premium-TV besitzen. Zudem: Was heißt Premium? Gilt das auch für ältere Modelle? Und was heißt das für die Nutzerinnen und Nutzer?

Besser ist besser, aber ohne zusätzliche Informationen ist mir bidirektionales Tone-Mapping zu schwammig, als dass ich hier abschließend etwas dazu sagen kann.

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Light Sense

Dieses Feature versteht sich als eine Verbesserung von Dolby Vision IQ, das den Lichtsensor nutzt, um das Bild an die Umgebungsbeleuchtung anzupassen. Light Sense soll das in Kombination mit den Daten aus den Referenzinformationen noch besser machen.

Was ich davon halte: Ich bin ein Freund des Lichtsensors am TV. Wer kein dediziertes Heimkino hat oder gnadenlos immer die Rollläden herunterlässt, möchte nicht jedes Mal das Preset wechseln. Da ganz einfach die Hintergrundbeleuchtung anpassen zu lassen, ist clever.

Ja, manche Lichtsensoren sind besser als andere und ja, wenn Dolby Vision 2 hier diffiziler arbeitet, ist das gut. »Ein bisschen besser« holt mich allerdings nicht hinterm Ofen vor. Ich vermisse die Innovation.

Authentic Motion

Dolby bezeichnete diese Funktion als das »weltweit erste kreative Tool zur Bewegungssteuerung«. Anstatt einer pauschalen Zwischenbildberechnung, können Filmemacher nun Szene für Szene festlegen, wie die Bewegungsdarstellung erfolgen soll.

Was ich davon halte: nichts.

Okay, ich erkläre es euch. Ich bin der Meinung, dass wir die 24 Bilder pro Sekunde in Filmen und Serien endlich hinter uns lassen müssen. Vorstöße gab es da immer wieder, etwa mit den Hobbit-Filmen oder Gemini Man mit Will Smith, welche beide mit mehr FPS gedreht wurden.

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Egal, ob Zwischenbildberechnung oder Authentic Motion: Beides versucht, die Symptome eines Problems zu kaschieren, dessen Ursache viel tiefer liegt. Ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass Leute noch viel mehr irritiert sind, wenn sich die FPS pro Szene in einem Film ändern.

Die 24 Bilder pro Sekunde müssen bei der Wurzel gepackt werden. Da hilft es nicht, eine veraltete Technologie schön zu schminken.

Fazit

Als Dolby Vision seinerzeit vorgestellt wurde, war ich noch nicht in diesem Beruf tätig. Daher kann ich nicht sagen, ob die Ankündigung damals Wischiwaschi klang oder nicht. Ich kann es mir aber vorstellen, denn Otto Normal dynamische Metadaten zu erklären ist eine Herkulesaufgabe.

Und das gibt mir Hoffnung. Dolby Vision 2 wurde gestern angekündigt. Eines der vier vorgestellten Features klingt auf dem Papier sinnvoll, beim Rest bin ich unentschlossen. Lediglich Authentic Motion ruft bei mir Fragezeichen hervor, aber das Thema behandle ich in einem anderen Artikel.

Solange ich sie nicht gesehen habe, warte ich mit einem Urteil ab – und das kann noch dauern. Die ersten TVs – Hisense ist bereits an Bord – sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 erscheinen.

Ich gehe nicht davon aus, dass Dolby Vision 2 unsere TVs revolutionieren wird, so wie es die Vorgängerin tat. Doch man soll den Tag ja bekanntlich nicht vor dem Abend loben.

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