Saugroboter glänzen oft in den ersten Wochen mit makelloser Optik und nahezu nicht vorhandener Wartung. Doch wie sieht es aus, wenn das Gerät schon hunderte Stunden gearbeitet hat, die Filter staubig werden und die Wischmopps nicht mehr die frischesten sind? Das zeigt nur ein Langzeittest.
Ich hatte den Dreame Aqua 10 Ultra Roller Complete nun über drei Monate im Dauereinsatz. In diesem kompakten Fazit möchte ich euch kurz und knackig erklären, was mir nach über zwölf Wochen aufgefallen ist.
So viel vorweg: Das Gerät überzeugt bei der reinen Performance. Es gab jedoch eine böse Überraschung, mit der ich nicht gerechnet habe.
So habe ich getestet
- Die Testdauer beträgt drei Monate mit täglichem Einsatz in Flur und Bad sowie zweimal die Wochen Saugen und Wischen des gesamten Untergeschosses (ca. 55 m² Grundfläche).
- Im Haus leben ein Kind (fünf Jahre) sowie eine Katze, für ausreichend Krümel, Flecken und Haare ist also gesorgt.
- Ich habe wie bei all meinen Saugroboter-Tests Haferflocken, Mehl sowie Katzentrockenfutter und Katzenstreu verstreut.
- Ich habe die Reinigungsleistung auf Fliesen, Linoleum und Teppichen ausprobiert.
Schnellübersicht zum Dreame Aqua 10 Ultra Roller Complete
Was ist das für ein Roboter? Der Dreame Aqua 10 Ultra Roller Complete ist ein aktuelles Flaggschiffmodell des Herstellers mit komplett autonomer Basisstation.
Diese versorgt den Roboter mit frischem Wasser, reinigt und trocknet die Wischrolle und nimmt Staub (in einem Staubbeutel) sowie Schmutzwasser auf.
Neu ist vor allem die Wischrolle, denn Dreame setzte wie die Konkurrenz bei seinen Vorgängermodellen auf rotierende Wischmopps. Die Rolle soll nicht nur gleichmäßiger reinigen, sondern wird auch stetig mit Wasser zwischengereinigt.
Mit 30.000 Pa Saugkraft gehört er zu den stärksten Modellen auf dem Markt.
Er kostet 1.500 Euro UVP, der Preis ist wie bei Saugrobotern üblich aber bereits ordentlich gefallen – je nach Shop ist das Modell für ca. 900 Euro erhältlich.
Performance-Check: Saugen, Wischen, Navigation
Saugleistung: Dank hoher Saugleistung und ausfahrbarer Seitenbürste gibt es hier nichts zu kritisieren. Ecken- und Kantenreinigung sind sehr gut, auch auf Teppichen nimmt der Roboter beinahe restlos Katzenstreu auf.
Wischleistung: Die neue ausfahrbare Rolle sorgt für eine gleichmäßigere Reinigung und erreicht auch Kanten und Ecken ausreichend gut. Beim Wischen ist mir jedoch ein Manko aufgefallen, zu dem ich weiter unten komme.
Navigation: Solide, aber nicht perfekt. Der Dreame erkennt offenbar die Filzunterlage unseres Katzennapfes nicht und schleift ihn manchmal leicht mit (kein Drama).
Zudem massakriert er stetig die Plastikschiene vom Spielzeugzug unterm Weihnachtsbaum (schon eher ein Drama), weil er sie laut App offenbar als passierbare Schwelle
erkennt.
Stromkabel oder Möbelstücke erkennt er dagegen gut und umfährt diese, selbst unsere verstrebten Stuhlbeine. Schwellen bis zu einer Höhe von vier Zentimetern sind ebenfalls kein Problem.
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Bei der reinen Performance zeigt der Aqua 10 Ultra Roller Complete keine eklatanten Schwächen. Besonders gefällt mir die ausfahrbare Seitenbürste, die groß genug ist und weit genug ausfährt, um Ecken und Kanten zu reinigen – das ist nicht bei allen Premiumsaugrobotern der Fall.
Ein Problem zeigte sich nach ein paar Wochen: Der Roboter besitzt einen ausfahrbaren Plastikschild, der den Wischroller verdeckt. Das soll verhindern, dass er höhere Teppiche befeuchtet oder gar verschmutzt.
Doch der Schild verkeilt sich regelmäßig, sodass er nicht mehr automatisch einfährt und ich ihn händisch zurückschieben muss.
Dieses Problem tritt nur auf, wenn der Roboter über Teppiche fährt und diese saugen soll. Ich habe die Einstellung in der App dahingehend geändert, dass er Teppiche ignoriert. Vermutlich müsste der Roboter eingeschickt und das Bauteil ausgetauscht werden.
Der aktuelle Zustand nach drei Monaten
Nach drei Monaten Dauereinsatz im Alltag ziehe ich Bilanz. Dazu sei gesagt, dass ich alle Bauteile nach spätestens acht Wochen einer gründlichen Reinigung unterziehe.
- Gehäuse & Optik: Am Gehäuse gibt es nahezu keine Kratzer, was für die gute Hinderniserkennung und Navigation des Roboters spricht.
- Bürsten: Die Seitenbürsten sowie die Hauptrolle in der Mitte sind nach wie vor in einem hervorragenden Zustand. Es gibt keinerlei Haarverwicklungen.
- Akku-Leistung: Hier gibt es nach dieser kurzen Zeit keinen spürbaren Verlust, zumal ihr einstellen könnt, dass der Roboter maximal bis 80 Prozent auflädt, um den Akku zu schonen.
- Station: Der Staubbeutel ist nicht einmal zur Hälfte gefüllt – hier ist die Wartung also minimal. Reinigungs- und Wischlösung musste ich noch nicht nachfüllen, was aber auch daran liegt, dass die Dosierung minimal-winzig ausfällt – ein Kritikpunkt. Dazu gleich mehr.
Was mir gefällt
- Von dem Problem mit dem nicht funktionierenden Schutzschild mal abgesehen: Der Aqua 10 Ultra Roller Complete hat sich nicht einmal festgefahren oder aufgehängt. Er zieht sein Ding durch.
- Die App ist aufgeräumt und erlaubt wie von Dreame gewohnt viele Einstellungsmöglichkeiten für Schwellen, No-go-Zonen, Haustierbereiche und mehr.
- Der Wasserverbrauch hält sich in Grenzen; ich muss subjektiv weniger oft nachfüllen als bei anderen Geräten, obwohl ich zweimal die Woche wische. Hier fülle ich maximal einmal die Woche Wasser nach.
- Die beiliegende Bürste erleichtert die Reinigung vor allem bei der schlecht zu erreichenden Unterseite der Station enorm. Doch es gibt keine praktische Aufhängung an der Station.
- Im Lieferumfang befinden sich allerhand Ersatzzteile, darunter zwei Seitenbürsten, zwei Gummiwalzen, ein weiterer Wischroller und vier Extra-Saugbeutel. Vorbildlich!
Das Problem, das ich nicht kommen sah
Der Langzeittest offenbarte auch ein übel riechendes Manko: Bereits nach zwei Wochen begann die Wischrolle zu müffeln. Schlimmer noch: Beim Wischen verteilt sich der Gestank im gesamten Wohnraum, trotz aufgefüllter Reinigungslösung (deren Dosierung wie beschrieben einem Placebo gleichkommt).
Klar, der Grund dafür können nur Bakterien sein.
Ich dachte zunächst, die Wischrolle würde nicht ausreichend in der Station gereinigt beziehungsweise getrocknet, und aktivierte sowohl die Tiefenreinigung (!) als auch die 100-Grad-Wäsche (!!) und erhöhte die Trocknungsdauer auf fünf Stunden – ohne Verbesserung.
Das habe ich bisher noch nie erlebt, obwohl ich allein dieses Jahr über zehn Saugroboter getestet habe, auch welche mit Wischroller wie den Narwal Flow (Test folgt) und Ecovacs X11 Omni Cycle.
Selbst eine gründliche Handreinigung und das Wechseln des Wassers brachte keine Besserung. Meldungen in Foren wie Reddit zeigen mir, dass ich nicht alleine mit dem Problem bin.
Vielleicht ist eine undichte Stelle im Reinigungsmechanismus der Rolle die Ursache. Dafür spricht auch der Dreck, der zum Vorschein kommt, wenn ich die Rolle entferne. Einige Nutzer berichten zudem von einer undichten Station, was ich aber nicht bestätigen kann.
Was auch immer die Ursache ist: Dreame hat sich auf meine Anfrage hin nicht zu dem Problem geäußert. Sollten sie eine Antwort nachreichen, werde ich diesen Artikel updaten.
Die Lösung? Einige Nutzer berichten, dass eine wöchentliche manuelle Reinigung des Wischrollers oder das Beträufeln mit Essig helfen soll. Das wiederum erhöht den Wartungsaufwand.
Von einem Premiumgerät dieser Preisklasse erwarte ich jedoch, dass die Station sich selbst um die Reinigung kümmert, sodass es nicht zu Schimmelbildung und ekligen Gerüchen kommt – so wie bei bisherigen Modellen des Herstellers auch.
Apropos Geruch: Bereits vom ersten Tag an war ein starker Kunststoff-Mief beim Trocknen wahrnehmbar, der inzwischen zwar besser geworden, aber nicht komplett verflogen ist.
Fazit nach 3 Monaten: (K)eine Kaufempfehlung?
Das Urteil: Im Alltag ist der Dreame Aqua 10 Ultra Roller Complete eine große Hilfe, wenn es ums Saugen und Wischen geht. Das Problem der Geruchsbildung und der damit verbundene Wartungsaufwand trüben den Gesamteindruck jedoch erheblich.
Das ist sehr schade, da sich die Performance sowie die vorbildliche App wirklich sehen lassen können. Bis Dreame gegebenfalls die Probleme dieses Modells in den Griff bekommen hat, solltet ihr auf eine Alternative zurückgreifen.
Der schon etwas ältere L50 Pro Ultra etwa zählt nach wie vor zu meinen Favoriten. Ansonsten schaut unbedingt in unserer Kaufberatung der besten Saugroboter nach.
Zum Schluss noch ein Hinweis: Geruchsbildung kann bei jedem Saug- und Wischroboter auftreten und liegt häufig an mangelnder Reinigung respektive einer unzureichenden Trocknung.
Hier solltet ihr die Einstellungen an eure Situation anpassen. In diesem Ausmaß sollte es jedoch nicht auftreten und spricht für mich eher für einen Konstruktions- oder Softwarefehler.






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