Ein vergessenes Echtzeit-Strategiespiel mit ungewöhnlichem Setting ist 26 Jahre später immer noch eine Legende

Als America: No Peace Beyond the Line im Jahr 2000 herauskommt, wissen alle Magazine, was das Echtzeit-Strategiespiel nicht kann. Jetzt, da es viel zu spät ist, wissen wir erst, was das Spiel wirklich meisterhaft beherrscht.

Video starten 2:28 Bevor sie Anno perfektionierten, entwickelten Releated Designs Age of Empires im Wilden Westen

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Die 1850er und 2000er haben etwas gemeinsam: In beiden Zeiten ziehen die Menschen los, um das glänzende Gold zu jagen. Sind es in den 1850er noch echte Klumpen im kalifornischen Gewässer, ist es 150 Jahre später der Reichtum, den viele Entwickler in der Spielebranche finden wollen.

Zu diesem Zeitpunkt schießen nach dem von Command & Conquer losgetretenen Boom die Echtzeit-Strategiespiele aus dem Boden – so auch welche aus Deutschland. America: No Peace Beyond the Line stellt hier ein ganz besonderes Exemplar dar.

Während die meisten auf Mittelalter als Setting setzen, entscheidet sich das der spätere Anno-Entwickler Related Designs stattdessen für den Wilden Westen.

Michael Sonntag
Michael Sonntag

Michael ist Gaming-Journalist, Dozent, Geschichtenjäger und Podcaster bei EnLiven. An America findet er großartig, dass es das Spiel unmöglich macht, eine Lieblingsfraktion zu haben, weil alle gleich cool sind. Alle Kritik ist berechtigt, aber der Wilde Westen von Related Designs bleibt für ihn bis heute einzigartig.

Bei seinem Erscheinen entpuppt sich das RTS als dreistes Katzengold. Aber die Zeit lässt das Spiel veredeln, 26 Jahre haben die Schwächen verwischt und die Stärken hervorgehoben. Eine kleine, aber leidenschaftliche Jagd ist unter den Fans losgebrochen, um diesen Schatz zu bergen. Doch das Finden ist nur eine von vielen Herausforderungen.

Der Wilde Westen des Gamings

»Es gab zuerst nur ’ne lausige Hütte und ein paar Jungs mit schnellen Colts«, erzählt der eingesperrte Desperado in der Kampagne von America. Das ähnelt auch stark den Anfängen von Related Designs, deren Gründer in den Neunzigern noch Spiele im Keller produzieren, um ihr Studium zu finanzieren.

Danach wird mit America das erste große Projekt angegangen. Als das Wildwest-Strategiespiel nach zweijähriger Entwicklung im Dezember 2000 erscheint, fallen die Reaktionen der Presse zwiespältig aus. Laut GameStar ist das Spiel ein uninspirierter Age of Empires-Klon, für Golem dagegen ein sperriges RTS mit wirklich interessanten Ideen.

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