Diese Verkehrsapp spart mir bares Geld und schützt die Umwelt

»Egon« der Nürnberger Verkehrsbetriebe entlastet meinen Geldbeutel und die Umwelt. Obendrein ist die App spielend einfach zu nutzen und komfortabel. Obacht: Funktioniert nur in und um Nürnberg!

Egon hat mir viel Geld und Nerven gespart. (Quelle: VGN) Egon hat mir viel Geld und Nerven gespart. (Quelle: VGN)

Öffentlicher Nahverkehr, herrje! Ich spüre euer Augenrollen. Tatsächlich nehme ich euch den Wind aus den Segeln (oder die Schienen unter den Rädern): Das hier wird kein Rant, ausnahmsweise möchte ich ein Lob aussprechen. Für den ÖPNV. Für eine App. In Deutschland. Unglaublich.

Egon, die App der VGN (Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg), erleichtert mein Leben ungemein, denn ich brauche keine Fahrkarte mehr.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe wohnt in Nürnberg und arbeitet seit Februar Vollzeit im Homeoffice. Viel hat sich dadurch verändert, unter anderem das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Jahrelang war er Besitzer einer Jahreskarte des Ver­kehrs­ver­bund Groß­raum Nürn­berg, einfach in Bus und Bahn einzusteigen war vollkommen normal. Einen Führerschein hat er zwar, ein Auto aber nicht, denn wer in der Stadt lebt, kommt mit den Öffentlichen wunderbar zurande.

So funktioniert Egon

Die App trackt meinen Standort und registriert die Haltestelle, an der ich stehe - ganz egal ob Bus, U-Bahn oder Straßenbahn. Wenn ich einsteige, schiebe ich den Regler nach rechts. Jetzt habe ich bestätigt, dass ich mit den Öffis fahre.

Ans Auschecken muss ich nicht denken, macht die App automatisch - und das ist verdammt komfortabel. Umstiege werden ebenfalls von selbst erkannt. Man ist also sprichwörtlich mit nur einem Klick unterwegs.

Zuallererst muss ich ein Konto anlegen, den Standortzugriff auf dem Handy erlauben (der hier ja Sinn ergibt) und meinen Paypal-Account oder eine Kreditkarte verknüpfen. Der Rest ist kinderleicht: Nicht vergessen, die App einzuschalten.

Egon spart mir Geld

Ja, okay, wenn man auf die Berechnungen guckt, kann einem schon mal schwindelig werden. 

Wer Egon viel nutzt, bekommt sogar Rabatt. (Quelle: VGN) Wer Egon viel nutzt, bekommt sogar Rabatt. (Quelle: VGN)

Dadurch bleibt die Abrechnung allerdings auch transparent. 

Berechnet wird ein Tagesgrundpreis auf Basis zweier Zonen (1 Euro oder 2 Euro), hinzu kommt ein Streckenpreis (hier wird die Luftlinie gerechnet, es ist also egal, wie oft der Bus Zickzack fährt), die zusammen den Endpreis ergeben. 

Ein kleines Rechenbeispiel: Ich muss alle drei Wochen zu einem Check zum Arzt, die Klinik ist vier Kilometer entfernt. Ich steige an der mir am nächsten Bushaltestelle ein und dort aus. Abgebucht wird der Tagesgrundpreis von 2 Euro sowie der Streckenpreis von 53 Cent.

Alle Fahrten könnt ihr euch in der App anzeigen lassen. Alle Fahrten könnt ihr euch in der App anzeigen lassen.

Die Rückfahrt kostet mich nur 53 Cent, weil ich den Tagesgrundpreis bereits entrichtet habe. Summa summarum ergibt das 3,06 Euro für zwei Busfahrten.

Zum Vergleich: Nutze ich Einzelfahrkarten aus dem Automat, zahle ich 3,05 Euro - pro Strecke. Ich spare mir mit Egon also eine ganze Fahrt.

Egon entlastet die Umwelt (und meine Nerven)

Was mich am allermeisten genervt hat, nachdem ich 15 Jahre mit einem Jahresticket gefahren bin: An den Automaten stellen und eine Fahrkarte ziehen. Klar, hätte ich auch online machen können, aber da war ich altmodisch. Ich hatte gerne was in der Hand, wenn mich der Schaffner nach dem Fahrschein fragte, und damit war (und bin) ich nicht allein.

Je nachdem, wo ich mich befinde, musste ich am Fahrkartenautomat warten, dann war das Prozedere immer wieder dasselbe: Fahrbereich wählen, 4er Fahrkarte antippen, bezahlen, auf den Druck warten. Und, ach ja, hätte sich heute womöglich eine Tageskarte mehr gelohnt? Mist, jetzt hab ich das Ticket schon in der Hand.

Nun brauche ich kein Papier mehr, das in meiner Hosentasche oder im Rucksack herumfliegt. Ich muss mich auch nicht mehr anstellen. Wie früher, steige ich einfach ein.

Es ist nicht alles Egon, was glänzt

Die App ist natürlich nicht perfekt und ersetzt auch nicht, dass ich immer noch ans Einchecken denken muss. Ich gebe zu: Es ist mir nach 15 Jahren Dauerticket schon passiert, dass ich ohne Papierfahrschein schwarzgefahren bin, einfach, weil mir das Einsteigen und Hinsetzen in Fleisch und Blut übergegangen ist. Mit Egon kann ich mich nachträglich einchecken, das Handy hab ich eh in der Hand.

Eine Push-Nachricht wäre allerdings nett, die fragt, ob man denn gerade mit U-Bahn, Straßenbahn und Bus fährt. Wenn die App aufgrund meines Standorts erkennt, ob ich aussteige, ginge das womöglich auch umgedreht (wäre aber vermutlich beim Autofahren recht nervig).

Monetär lohnt sich die App vor allem für Vielfahrer. Wenn ich also von Nürnbergs Westen in die Innenstadt fahre, hier und da in die U-Bahn steige und abends wieder zurück, bezahle ich nur Kleckerlesbeträge - ich spare also aktiv Geld.

Jemand, der von außerhalb zum Nürnberger Flughafen fährt, um in den Urlaub zu fliegen, zahlt drauf, weil Tagesgrundpreis plus Streckenpreis womöglich höher sind als eine Einzelfahrt. Da bleibt das Rechnen dann nicht aus.

Dennoch sehe ich nicht, wieso das Modell nicht Schule machen sollte. Einige Stichproben bei Verkehrsbetrieben anderer Großstädte haben mir gezeigt, dass man hier nur digitale Tickets über deren App kaufen kann.

Wieso also nicht Egon? Spart Geld, spart Papier, ist verdammt komfortabel und für Neuland Deutschland fast schon revolutionär.

Ich kann das ja nicht oft behaupten, aber: Endlich hat Nürnberg den anderen Städten in Deutschland etwas voraus - und das auch noch im öffentlichen Nahverkehr. Daher sag ich’s ganz fränkisch: Köln, Berlin, München - hob ‘etz! 

Eine ÖPNV-App hat meinen Geldbeutel und die Umwelt entlastet und das, obwohl ich notorischer Papierfahrtkarten-Horder bin. Glaubt ihr, dass ein System wie Egon in anderen Städten Schule machen könnte? Gibt es womöglich die eine oder andere App, die euch restlos überzeugt hat? Schreibt es in die Kommentare.

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