Die ersten paar Jahre nach der Veröffentlichung von ChatGPT und mittlerweile vielen weiteren LLMs (Large Language Models) war es in Prompt-Ratgebern und entsprechenden Videos Gang und Gäbe, über Personas zu sprechen und diese zu empfehlen.
Diese Strategie gilt mittlerweile als unnötig und kann sogar Nachteile mit sich bringen, wie die University of Southern California Los Angeles (USC) in einer Studie festgestellt hat.
Das Problem mit Personas
Personas sollten dafür sorgen, dass man bessere, professionellere Ergebnisse bekommt. Wenn man etwas übers Kochen lernen wollte, hat man einer KI beispielsweise gesagt: »Antworte wie ein Profi-Koch mit 20 Jahren Erfahrung«.
Genau das kann die Ergebnisse, die ihr bekommt, negativ beeinflussen.
Ein konkretes Beispiel der USC-Studie zeigt das Modell Mistral-7B bei einer Wahrscheinlichkeitsaufgabe zum Würfeln, deren Ergebnis massiv durch eine Persona verschlechtert wurde:
- Ohne Persona: Das Modell berechnete korrekt, dass es 36 Ergebnisse gibt und nur eines davon eine Summe kleiner als 3 ergibt (Ergebnis: 35/36; Bewertung: 9/10).
- Mit Mathe-Persona: Das Modell behauptete fälschlicherweise, es gäbe nur 9 Ergebnisse, die eine Summe kleiner als 3 ergeben, was zu einer deutlich schlechteren Bewertung von 1,5/10 führte.
Nicht nur mathematische Aufgaben bekommen schlechtere Ergebnisse, wenn ihr Personas nutzt. Die Studie zeigt noch mehr Beispiele:
- Schwächen in den Geisteswissenschaften: Auch in Bereichen wie Geschichte oder Literatur führte die Zuweisung einer Expertenrolle zu einem messbaren Leistungsabfall von etwa 0,20 Punkten
- Programmier-Fehler: In Tests zum Thema „Coding“ sorgten Experten-Personas für eine deutliche Verschlechterung der Code-Qualität (ein Minus von 0,65 Punkten im MT-Bench)
- Verlust von Allgemeinwissen: Bei umfassenden Wissenstests (MMLU) sank die Treffsicherheit über alle Fachbereiche hinweg konsistent von 71,6 % auf 68,0 %, sobald eine Persona aktiv war.
Paradoxerweise können sich diese Umstände sogar häufen, je leistungsfähiger das Modell ist, wie eine Studie unter anderem von der Stanford University zeigt.
Warum waren Personas früher so beliebt? Das lag wohl daran, dass die Idee an sich nicht verkehrt ist. Eine Persona liefert nämlich etwas, das sehr wichtig für KIs wie ChatGPT und Co. ist: Kontext. Leider ist eine Persona nicht unbedingt der beste Weg, um der KI Kontext zu liefern. Das macht ihr lieber anders.
51:40
Wenn der Chatbot zur Gefahr wird: KI und unsere Psyche
Drei Dinge, die euer Prompt wirklich braucht
Statt euch Personas auszudenken, die dann eure Ergebnisse verfälschen, denkt lieber an die folgenden drei Bausteine eines guten Prompts:
1. Die Aufgabe
Das Herzstück des Prompts. Die KI muss natürlich wissen, was sie genau zu erledigen hat. Soll sie euch zum Beispiel einen Kochplan für die kommende Woche schreiben?
Dann wäre ein möglicher Prompt
»Schreibe mir einen Kochplan für die kommende Woche.«
Ihr merkt schon: Wir können noch mehr aus diesem Prompt herausholen.
2. Das Ziel
Um ein Ziel festzulegen, stellt euch die folgenden Fragen: Was wollt ihr mit dem Ergebnis erreichen? Welchen Zweck soll das Ergebnis der KI letztendlich liefern?
In unserem Beispiel mit dem Kochplan kann das viele Formen annehmen:
- Ich möchte abnehmen/zunehmen
- Ich will Muskeln aufbauen
- Ich will Neues entdecken
- und vieles mehr
Wenn ihr euer Ziel definiert habt, fügt ihr es nur noch dem Prompt hinzu:
»Schreibe mir einen Kochplan für die kommende Woche, der es mir ermöglicht, mich proteinreich zu ernähren und gleichzeitig abzunehmen.«
3. Der Kontext
Je mehr ein LLM über die Hintergründe eurer Situation weiß, desto besser kann es die Antwort auf euch maßschneidern und desto eher seid ihr mit dem Ergebnis zufrieden.
Hier fügt ihr alles ein, was für die Bearbeitung des Themas relevant ist. Im Rahmen unseres Beispiels könnte das sein:
- Seid ihr vegan/vegetarisch?
- Habt ihr Unverträglichkeiten?
- Wollt ihr nur sonntags Fleisch essen?
- Habt ihr an einem bestimmten Tag keine Zeit zu kochen?
Ein entsprechender Prompt könnte so aussehen:
»Schreibe mir einen Kochplan für die kommende Woche, der es mir ermöglicht, mich proteinreich zu ernähren und gleichzeitig abzunehmen.
Dinge, die du beachten solltest: Ich mag keine rohen Zwiebeln, habe donnerstags nur wenig Zeit zum Kochen und will maximal dreimal die Woche Fleisch essen. Die Zutaten sollten in herkömmlichen deutschen Supermärkten oder Discountern zu finden sein.««
Wenn ihr diese drei Bausteine für Prompts benutzt, werden eure Ergebnisse konsistent besser funktionieren als ohne.
Zusätzlich könnt ihr natürlich noch mehr machen, zum Beispiel die Formatierung vorgeben (Tabelle, Liste usw.) oder Beispiele zeigen (Bilder hochladen, Links bereitstellen usw.).
Ebenfalls wichtig: Die allerbesten Ergebnisse bekommt ihr, wenn ihr sie euch nach und nach über mehrere Prompts mit der KI erarbeitet. Dennoch sind Aufgabe, Ziel und Kontext die Grundbausteine für jeden guten Prompt, vor allem wenn ihr wenig Zeit aufwenden wollt, denn das muss nicht mal lange dauern. Wie ihr seht, reichen ein paar wenige Zeilen.

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