Ein atemberaubendes Video zeigt den Tod des Universums und erinnert uns daran, wie winzig unser eigener Moment in der Ewigkeit ist. Doch stimmt dieses Bild vom kosmischen Ende wirklich?
Als Einstein 1917 seine Relativitätstheorie auf das All anwandte, erkannte er widerwillig: Das Universum ist nicht statisch. Um diesen Gedanken zu bändigen, erfand er die Kosmologische Konstante – eine Idee, die als Dunkle Energie bis heute fortlebt und die beschleunigte Ausdehnung des Kosmos erklärt.
Damit scheint sein Schicksal besiegelt: ein endloser Wärmetod (Kältetod), das langsame Verlöschen aller Sterne, Galaxien – vielleicht sogar der Materie und der Zeit selbst.
Genau dieses Szenario entfaltet das Video Timelapse of the Future – A Journey to the End of Time in grandiosen Bildern. Doch wie viel Wissenschaft steckt dahinter, und wo beginnt die Spekulation?
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Die großen Szenarien des Endes:
- Big Freeze (Wärmetod/Kältetod): Das Universum expandiert ewig, die Galaxien entfernen sich, Sterne sterben. Am Ende bleibt eine finstere, eisige Leere. Dies entspricht dem aktuellen Standardmodell (Lambda-CDM-Modell). Die Macher des Videos haben sich ebenfalls für dieses Szenario entschieden.
- Big Rip (Großes Zerreißen): Sollte die Dunkle Energie stärker werden, könnte sie selbst Atome auseinanderreißen. Möglich, aber derzeit ohne Belege.
- Big Crunch (Großer Kollaps): Falls die Dunkle Energie nachließe, könnte das All wieder kollabieren, vielleicht bis zu einem neuen Urknall. Messungen sprechen allerdings dagegen.
Hier kommt ein entscheidender Punkt ins Spiel: die Natur der Dunklen Energie. Ist sie wirklich eine kosmologische Konstante, ein fester Wert, oder ein dynamisches Feld, das sich im Laufe der Zeit verändert? Wir wissen bislang nur sehr wenig über die Dunkle Energie:
- Sie macht etwa 70 Prozent der Gesamtenergie des Universums aus.
- Sie wirkt entgegen der Gravitation und sorgt für eine beschleunigte Expansion.
Neue (Weltraum-)Teleskope wie Euclid oder das LSST sollen helfen, genau diese Frage zu klären. Ihre Ergebnisse könnten darüber entscheiden, ob unser Universum sanft erfriert, zerrissen wird oder in sich zurückstürzt.
In Millionen Jahren: Die letzten Spuren der Menschheit verblassen
Das Video zeigt den Moment, in dem die Fußabdrücke der Apollo-11-Astronauten im Mondstaub verblassen – und ist dabei präzise.
Kein Regen, kein Wind, nur Mikrometeoritenstaub – und der wird sie in einigen Millionen, vielleicht sogar erst Milliarden Jahren bedecken, sofern nicht vorher ein Objekt genau an dieser Stelle einschlägt oder sie durch Ressourcenabbau zerstört werden.
Womöglich sind dies also die letzten Spuren der Menschheit, die Äonen überdauern – länger als jede Pyramide, länger als Stonehenge und sogar länger als die Voyager-Sonden. Ein stilles Denkmal in der Mare Tranquillitatis, dem Meer der Ruhe
.
In 100 Millionen Jahren: Ein neuer Asteroid trifft die Erde
Asteroiden von der Größe des Chicxulub-Brockens, der einst die Dinosaurier auslöschte, schlagen statistisch etwa alle 100 bis 200 Millionen Jahre ein – das Video liegt hier also im richtigen Bereich.
Zumindest dachte man das lange Zeit. Neue Schätzungen gehen eher von 20 bis 30 Millionen Jahren aus. Grob in dieser Größenordnung siedelt das Video den nächsten globalen Einschlag an.
In einer Milliarde Jahren: Die Erde wird zur glühenden Wüste
In einer Milliarde Jahren wird die Sonne zehn Prozent heller scheinen als heute. And hier liegt das Video weitgehend richtig. Denn schon dieser vermeintlich kleine Unterschied reicht aus, um die Erde in eine leblose Steinwüste zu verwandeln.
Die Ozeane verdampfen einige Hundert Millionen Jahre später aufgrund enormer Hitze und immenser UV-Strahlung, die Atmosphäre verliert ihren Sauerstoff.
Die letzten Spuren des Lebens verschwinden also weit früher als in drei Milliarden Jahren – hier liegt das Video mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Realistischer ist eine sterile Erde schon
nach einer Milliarde Jahren oder weniger.
In fünf bis sieben Milliarden Jahren: Die Sonne zerstört die Erde
Diese Darstellung trifft die astrophysikalischen Modelle ziemlich genau. Unsere Sonne bläht sich zum Roten Riesen auf, bis ihr Durchmesser hundertmal größer ist als heute. Merkur und Venus werden sicher verschlungen, die Erde wahrscheinlich ebenfalls. Zumindest aber wird ihre Oberfläche völlig zerstört.
Nachdem sie allen Wasserstoff und alles Helium verbrannt und ihre äußere Hülle abgestoßen hat, fällt die Sonne aufgrund der Gravitation zu einem Weißen Zwerg zusammen – dem glimmenden Herz, das seine Leuchtkraft allerdings nicht aus Kernfusion speist, sondern aus der Restwärme des Kollapses und aus dem hohen Druck der stark komprimierten Materie.
Sie ist dann nur mehr etwa so groß wie die Erde, allerdings mit ungefähr 50 bis 70 Prozent ihrer ursprünglichen Masse.
Noch schwerere
Sterne kollabieren zu sogenannten Neutronensternen, bei denen die Elektronen in den Atomkern gedrückt werden, oder, falls sie noch massereicher sind, zu Schwarzen Löchern.
2:13
Wir zerstören das Sonnensystem und entfesseln eine gigantische Supernova in Universe Sandbox
In Billionen Jahren: Wenn das Licht der Sterne erlischt
Weiße Zwerge kühlen langsam aus, bis sie schließlich als Schwarze Zwerge enden. Das kann bis zu mehreren Billiarden Jahren dauern.
Rote Zwerge glimmen teils eine Billion Jahre und eher schwach vor sich hin. Im Gegensatz zu Weißen Zwergen sind sie aktive Sterne mit Fusionsantrieb
. Sie sind wesentlich leichter
und kühler als unsere Sonne.
Doch nach 100 Billionen Jahren versiegt der Sternenreigen und wenige zehn Billionen Jahre später hören auch sie auf zu brennen. Irgendwann strahlt ihr letztes Licht, bevor (beinahe) ewige Dunkelheit beginnt.
An dieser Stelle hat sich ein Fehler in das Video eingeschlichen, denn es heißt, unsere Sonne wird jetzt erst zu einem Weißen Zwerg. Das ist aber falsch und widerspricht sogar den zuvor gemachten Angaben.
Und auch, dass Weiße Zwerge in mehreren Tausend Billiarden Jahren noch strahlen, ist nicht korrekt.
In Trilliarden Jahren: Letzte Zusammenstöße im Dunkeln
In dieser unvorstellbar fernen Zeit könnten Neutronensterne gelegentlich kollidieren. Solche Ereignisse würden ein letztes Aufflackern erzeugen – ein kosmisches Strohfeuer im endlosen Schwarz. Sie würden dann zu Schwarzen Löchern kollabieren.
Braune Zwerge, oft auch als gescheiterte Sterne bezeichnet, weil sie aufgrund ihrer etwas zu geringen Masse kein Fusionsfeuer durch Verschmelzung von Wasserstoff entfachen können, sondern lediglich in einem begrenzten Zeitraum Deuterium fusionieren, könnten durch Kollisionen womöglich neue echte Sonnen hervorbringen.
Allerdings nicht in einer Billiarde, geschweige denn Trilliarden Jahren. Da existieren sie längst nicht mehr.
Generell sinkt die Wahrscheinlichkeit solcher Kollisionsereignisse mit fortlaufender Zeit gegen null. Und langsam beginnt das Zeitalter der Schwarzen Zwerge.
In 100 Quintilliarden Jahren: Das Licht verschwindet
Dieser Zustand tritt nicht erst in so ferner Zukunft ein, sondern schon viel früher – genau genommen sogar heute.
Ob wir das Licht ferner Galaxien noch empfangen können, hängt vom sogenannten Hubble-Radius ab. Er markiert die Grenze, jenseits der sich Galaxien so schnell von uns entfernen, dass ihr Licht uns nie erreicht. Aktuell liegt dieser Radius bei rund 14,4 Milliarden Lichtjahren.
In Sextillion Jahren: Selbst Materie vergeht
Falls Protonen tatsächlich zerfallen, wie einige Theorien es vermuten, löst sich alle baryonische (leuchtende, gewöhnliche) Materie auf. Aktuell gehen Schätzungen jedoch davon aus, dass das im Mittel »schon« in etwa 6 x 1031 Jahren geschieht.
Planeten, selbst Schwarze Zwerge und Neutronensterne verschwinden dann – und falls es wie durch ein Wunder noch Zivilisationen geben sollte, auch sie.
Schwarze Zwerge und Neutronensterne könnten ansonsten womöglich sogar unendlich lange ihre Bahnen ziehen, wenn auch nicht mehr strahlend oder als Magnetare mit starkem Magnetfeld.
Doch nicht alles geht verloren: Neutrinos – diese geisterhaften Teilchen, die kaum mit anderer Materie wechselwirken – könnten noch immer existieren. In der endlosen Leere des kosmischen Winters wären sie eines der letzten aktiven
Systeme, die das Universum am Leben halten, auch wenn ihre Spuren extrem schwer nachweisbar wären.
In 10 Undezillionen Jahren: Schwarze Löcher verdampfen
Schwarze Löcher beginnen durch die sogenannte Hawking-Strahlung zu zerfallen – zumindest in der Theorie. Experimentell bestätigt ist das bislang nicht.
Sie entsteht dem weltberühmten und schon verstorbenen Physiker Stephen Hawking zufolge durch sogenannte Quantenvakuumfluktuationen nahe dem Ereignishorizont (der Grenze, nach der, vereinfacht gesagt, nicht einmal mehr Licht entkommen kann): Dabei werden Teilchen-Antiteilchen-Paare gebildet.
Normalerweise löschen sie sich sofort wieder gegenseitig aus, fast so, als hätte es sie nie gegeben. Fällt jedoch eines in das Schwarze Loch, entkommt das andere und trägt Energie davon.
Das Schwarze Loch verliert somit allmählich Masse, bis es schließlich fast verdampft ist und in einer Explosion
endet. Konkret nimmt es gegen Ende seiner Existenz dramatisch an Temperatur zu und gibt eine extrem hohe Energiemenge schlagartig ab, was einer Explosion gleichkommt.
Das letzte Feuerwerk eines Universums, das sich mit großen Schritten seinem Tod nähert.
An dieser Stelle berührt man auch das berühmte Informationsparadoxon: Was geschieht mit der Information, die in ein Schwarzes Loch fällt?
Die Antwort darauf ist noch offen. Und sie könnte unser Verständnis von Raum und Zeit revolutionieren, denn eine Grundannahme der Physik ist es, dass Information nicht verloren gehen kann.
Quantenphysiker suchen nach Theorien, die Gravitation und Quantenmechanik vereinen. Manche vermuten, dass die Information am Ereignishorizont gespeichert
wird, andere, dass sie in neuer Form wieder auftaucht.
Der Ausgang dieses Rätsels wird womöglich erst in der fernen Zukunft verstanden – oder bereits in der nächsten großen Revolution der Physik.
In 10 Undezilliarden Jahren: Kälte, Leere, Stille
Ob Big Freeze, Big Rip oder Big Crunch, irgendwann ist nichts mehr übrig, was wir als Universum
kennen. Keine Sterne, kein Leben, keine Atome. Nur Dunkle Energie und Raum.
Selbst die Zeit spielt keine Rolle mehr, da keine physikalischen Prozesse mehr stattfinden (vielleicht abgesehen von Quantenvakuumfluktuationen) und die Entropie praktisch nicht mehr weiter zunimmt.
Doch die Rolle der Dunklen Materie bei der langfristigen Entwicklung des Kosmos ist unklar. Sie könnte stabil überdauern oder völlig andere Effekte zeigen, die wir heute noch nicht einmal erahnen.
Fazit
Das Video überzeichnet manchmal Details und Zeitspannen, doch im Großen und Ganzen steht es auf dem Boden der heutigen Physik.
Die spannendste Lehre liegt vielleicht darin, dass das Ende noch voller offener Fragen ist: die Natur der Dunklen Energie, das Rätsel der Schwarzen Löcher, dem möglichen Protonenzerfall, die Rolle von Neutrinos.
Antworten darauf könnten nicht nur unser Bild vom Universum verändern, sondern das Fundament der Physik selbst.
Vielleicht ist der wichtigste Gedanke am Ende nicht, wann alles endet, sondern wie unfassbar kurz unser eigenes Zeitfenster ist. Leben und Bewusstsein existieren nur in einem winzigen kosmischen Augenblick.
Wir leben mitten im kurzen Sommer des Universums – und allein das ist ein Wunder.

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