Wer sich die Rückseite von Hi-Fi-Lautsprechern ansieht, entdeckt dort nicht selten vier Anschlussklemmen statt nur zwei. Auf den ersten Blick wirkt das vielleicht etwas seltsam. Tatsächlich ist die Sache aber weniger mysteriös, als sie aussieht.
Denn für den normalen Betrieb reicht auch bei solchen Boxen ein ganz gewöhnliches Lautsprecherkabel mit zwei Adern: Plus und Minus. Die zusätzlichen Klemmen sind vor allem für spezielle Anschlussarten wie Bi-Wiring
und Bi-Amping
gedacht.
Warum es überhaupt vier Anschlüsse gibt
Bei Lautsprechern mit vier Klemmen gibt es zwei Anschluss-Paare. Eines ist für den Tieftonbereich vorgesehen, das andere typischerweise für Mittel- und Hochton. Im Auslieferungszustand sind beide meist durch kleine Metallbrücken verbunden.
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Dadurch verhält sich die Box zunächst wie ein ganz normales Modell mit zwei Anschlüssen. Man verbindet einfach eines der beiden Klemmen-Paare mit dem Verstärker und lässt die Brücken eingesetzt.
Der eigentliche Grund dafür liegt in der Frequenzweiche im Inneren des Lautsprechers. Sie teilt das Musiksignal auf, damit Tieftöner, Mitteltöner und Hochtöner jeweils nur die Frequenzen wiedergeben, für die sie gebaut wurden. Bei Boxen mit vier Anschlussklemmen sind diese Zweige der Frequenzweiche von außen getrennt zugänglich.
Bi-Wiring: mehr Kabel, nicht mehr Leistung
Beim Bi-Wiring werden pro Lautsprecher zwei Kabelpaare verwendet. Beide kommen aber weiterhin vom selben Verstärkerkanal.
Für die linke Box gehen also zwei Kabel vom linken Verstärkerausgang zum Lautsprecher: eines zum Bassanschluss, eines zum Hoch-/Mitteltonanschluss. Für die rechte Box gilt dasselbe. Wichtig: Die Metallbrücken am Lautsprecher müssen (!) dafür entfernt werden.
Mehr Verstärkerleistung entsteht dadurch jedoch nicht.
Die Idee hinter Bi-Wiring ist vielmehr, Bass- und Hochtonzweig über getrennte Kabelwege zu führen, damit sie sich theoretisch weniger gegenseitig beeinflussen. In der Praxis ist der Nutzen allerdings seit Jahren umstritten und bei kurzen, ausreichend dicken Lautsprecherkabeln meist eher gering bis zu vernachlässigen.
Bi-Amping: der technisch größere Schritt
Beim Bi-Amping geht man weiter. Hier werden Tiefton- und Hoch-/Mitteltonbereich nicht nur über getrennte Kabel, sondern auch von getrennten Verstärkerkanälen oder gar Verstärkern angetrieben.
Das kann technisch sinnvoll sein, weil der Verstärkerkanal für Hoch- und Mittelton dann nicht von den hohen Stromanforderungen des Bassbereichs mitbelastet wird. Dadurch können mehr Klarheit, bessere Kontrolle und bei höheren Pegeln eine sauberere Wiedergabe möglich sein.
Man unterscheidet dabei zwischen passivem und aktivem Bi-Amping. Beim passiven Bi-Amping bleibt die eingebaute Frequenzweiche des Lautsprechers im Signalweg. Beim aktiven Bi-Amping wird das Signal schon vor den Endstufen durch eine aktive Frequenzweiche oder einen DSP (Signalprozessor) aufgeteilt.
Zusammengefasst: Vier Anschlüsse bedeuten meist, dass ein Lautsprecher für Bi-Wiring und passives Bi-Amping vorbereitet ist.
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Was für die meisten wirklich zählt
Für die Mehrheit der Anwender gilt am Ende eine einfache Regel: Wer seinen Lautsprecher ganz normal betreiben möchte, lässt die Metallbrücken eingesetzt und verwendet ein gewöhnliches Lautsprecherkabel.
Werden die Brücken versehentlich entfernt, spielt nur der Bass oder nur der Mittel-/Hochton.
Die vier Anschlüsse machen einen Lautsprecher also nicht automatisch komplizierter. Sie eröffnen vor allem zusätzliche Möglichkeiten.

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