Es klingt auf den ersten Moment schockierend: In der englischen Stadt Redditch, etwas südlich von Birmingham gelegen, wird ein Schwimmbad mit Wärme aus einem Krematorium beheizt.
Und im Kern stimmt das auch. Das Abbey Stadium Leisure Centre nutzt seit gut 15 Jahren überschüssige Energie aus dem benachbarten Redditch Crematorium, um den eigenen Energiebedarf zu senken und damit jährlich eine Summe einzusparen, die heute inflationsbereinigt rund 22.000 Pfund (25.450 Euro) entspricht.
Die Stadt beschreibt das Verfahren selbst als Nutzung von waste energy
über ein bestehendes heat exchange system
.
Eine Heizung, die oft falsch verstanden wird
Makaber wirkt die Geschichte vor allem deshalb, weil es eben nicht um irgendeine Industrieanlage geht, sondern um einen Ort, an dem tatsächlich Verstorbene verbrannt werden.
An dieser Stelle wird das Thema aber oft missverstanden. Das Freizeitzentrum wird nicht in einem direkten, drastischen Sinn mit Leichen
beheizt. Technisch geht es um zurückgewonnene Wärme aus dem Betrieb der Anlage, die sonst ungenutzt verpuffen würde.
Frühere Projektunterlagen des Stadtrats hielten ausdrücklich fest, dass die nutzbare Energie aus der Wärmeentnahme von Rauch beziehungsweise Abgasen stammt – also aus dem Reinigungs- und Rückgewinnungsprozess der Anlage.
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Wolkenkratzer als 1.000 Meter hoher Energiespeicher
Soll heißen: Die Wärme lässt sich zwar nicht vollständig von der Verbrennung von Sarg und Körper trennen, doch es geht eben nicht um den Brennwert der Toten.
Vielmehr stammt ein erheblicher Teil aus externer Zufuhr, etwa über Gasbrenner oder elektrische Heizelemente.
Physikalisch sinnvoll
Das heißt allerdings nicht, dass kein Unbehagen bleibt. Krematorien sind natürlich emotional stark aufgeladene Orte.
Physikalisch ist die Sache jedoch deutlich nüchterner. Wärme ist einfach nur Wärme. Wenn sie ohnehin entsteht, liegt es durchaus nahe, sie weiter zu nutzen, statt zusätzlich Gas oder andere Energiequellen zu verbrauchen.
Deshalb wirkt das Projekt in Redditch auf den zweiten Blick nicht mehr so makaber, sondern eher konsequent. Schon bei der Einführung im Jahr 2011 wurde öffentlich argumentiert, dass man die Energie lieber verwerten solle, als sie ungenutzt in die Atmosphäre
entweichen zu lassen.
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Neue Debatte über Tierkrematorium
Einen zusätzlichen Reizpunkt bekam die Geschichte erst kürzlich, als Redditch ein separates Tierkrematorium ankündigte. Der Stadtrat betonte dabei ausdrücklich, dass die neue Anlage getrennt von den menschlichen Kremationen betrieben und vorerst nicht an das bestehende Wärmesystem angeschlossen werde – auch wenn sich das in Zukunft ändern könne.
Das verdeutlicht noch einmal, worum es hier eigentlich geht: um eine ungewöhnliche, aber durchaus rationale Form kommunaler Energieeffizienz.
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