Faltbares E-Bike mit Vollfederung & Boost-Button: Engwe L20 3.0 Boost im Test

Ein vollgefedertes Falt-E-Bike unter 1.500 Euro mit starkem Motor und 2h-Schnellladegerät: Zu gut, um wahr zu sein? Ich bin das Engwe L20 3.0 Boost gefahren und habe im Test herausgefunden, wo ihr Kompromisse eingehen müsst.

Das Engwe L20 3.0 Boost im Test. Das Engwe L20 3.0 Boost im Test.

Im Bereich der faltbaren E-Bikes hat sich in den letzten Jahres einiges getan und vor allem Fatbikes werden immer beliebter – die IFA-Messe 2025 war voll von E-Bikes mit dicken Reifen.

Nachdem ich mir im Test das Engwe L20 Boost genauer angeschat hatte, ist nun das L20 3.0 Boost an der Reihe. Obwohl sich der Name nur marginal unterscheidet, könnten die Unterschiede nicht größer sein.

Denn das L20 3.0 Boost besitzt nicht nur dünnere 3-Zoll-Reifen, die besser für die Straße geeignet sind, und hydraulische statt mechanische Scheibenbremsen. Es bietet auch allerhand beeindruckende Specs: 75 Nm Drehmoment mit Boost-Button (daher der Name), einen faltbaren Rahmen mit Vollfederung (!) sowie rekordverdächtiges 2-Stunden-Schnellladen. Und das Ganze, ohne die 1.500-Euro-Marke zu sprengen.

Ich habe das Bike zwei Wochen lang in ländlicher Umgebung getestet und hatte dabei jede Menge Spaß. Vorweg: Für 1.500 Euro bietet Engwe hier Features, die andere nicht haben, leistet sich aber auch unnötige Patzer, die eine höhere Wertung verhindern.

Transparenzhinweis: Engwe hat mir das L20 3.0 Boost kostenfrei für den Test zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte kein Mitspracherecht beim Artikelinhalt und konnte den Test nicht vorher einsehen. Es bestand keine Verpflichtung für einen Testbericht.

Engwe L20 3.0 Boost
Engwe L20 3.0 Boost
Das Engwe L20 3.0 Boost bietet für knapp 1.500 Euro (UVP) eine Ausstattung, die man so selten findet: Vollfederung, Drehmomentsensor und eine 2-Stunden-Schnellladung. Der Boost-Knopf hilft am Berg massiv, ist aber kein Spaß-Turbo. Zu den Kritikpunkten zählt vor allem das hohe Gewicht, das den Faltmechanismus etwas obsolet macht. Das Gesamtpaket kann sich dennoch sehen lassen und macht sowohl auf als auch abseits der Straße jede Menge Spaß.
  • Natürliches Fahrgefühl (Drehmomentsensor)
  • Hoher Fahrkomfort dank Federung
  • Rahmen und Lenker faltbar
  • Großes, helles Display
  • Ladezeit unter 2 Stunden
  • Hohes Gewicht
  • Ungenaue Akkuanzeige
  • Boost-Button ohne »Spritz«
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Erste Eindrücke & Eckdaten des L20 3.0 Boost

Das Erste, was auffällt: Das Ding ist massiv, aber kompakt. Durch den mächtigen Tiefeinstiegrahmen sowie dem dicken Gepäckträger, der für einige Taschen gegebenenfalls zu dick sein könnte, wirkt das Bike wie ein kleiner Kraftprotz – und das ist es auch, wenn wir uns die Eckdaten anschauen:

  • 250-W-Nabenmotor mit max. 75 Nm Drehmoment
  • 648-Wh-Akku (13,5 Ah)
  • 7 Gang-Shimano-Schaltung
  • 8A-Schnellladegerät, was einer Ladedauer unter 2 Stunden entspricht
  • Vollfederung (verstellbare, hydraulische Frontgabel und gefedertes Hinterrad)
  • Kompakte 20-Zoll-Räder mit 3.0er Breitreifen
  • 150 Kg maximale Zuladung

In der Farbe »Sekt« wirkt das Bike trotz seiner Massivität erfreulich erfrischend. In der Farbe »Sekt« wirkt das Bike trotz seiner Massivität erfreulich erfrischend.

Kräftig muss der Zwerg aber auch sein, denn es wiegt über 33 Kilo, was sich trotz des Faltmechanismus auf die Mobilität auswirkt. Dazu später mehr.

Mit meinen 1,68 Metern sitze ich perfekt, muss den Sattel aber schon ziemlich weit ausziehen, um meine Beine auszustrecken. Für große Personen über 1,90 Metern könnte das problematisch werden. Die Lenkerstange lässt sich ebenfalls ausziehen, um die Sitzposition den eigenen Wünschen anzupassen.

Der Antrieb: Kraftvoller 75-Nm-Motor mit Boost-Power

Um das schwere Bike anzuschieben, setzt Engwe auf einen 250-Watt-Motor mit 75 Nm Drehmoment.

Das Besondere: Der Motor sitzt in der Hinterradnabe und kann somit die Kraft direkt aufs Rad übertragen – und das spürt man.

Die Unterstützung ist bereits auf der ersten von fünf Stufen spürbar und ist vor allem bei Steigungen in Kombination mit der 7-Gang-Schaltung ein Segen. Wenn ihr lediglich in flachen Gebieten unterwegs seid, werdet ihr die Power dagegen nicht voll ausreizen.

Apropos Power: Besonders beim Anfahren habe ich gern auf den Boost-Button zurückgegriffen. Hier muss ich jedoch eure Erwartungen zügeln: Wer hier wie beim VanMoof oder dem alten L20 Boost auf einen Instant-Turbo hofft, der einen per Knopfdruck nach vorne katapultiert, wird enttäuscht.

Der Boost-Knopf ist keine Spaßgranate, sondern eher eine Schnellhilfe. Er gibt lediglich das maximale Drehmoment (75 Nm) frei. So kann ich gemütlich auf Stufe 1 durch die Gegend fahren und mich bei der fiesen Kuppe vor meinem Haus anschieben lassen, ohne auf Stufe 5 wechseln zu müssen.

Das Fahrgefühl des L20 3.0 Boost

Dank des Drehmomentsensors fühlt sich das E-Bike beinahe an wie echtes Fahrradfahren, nur mit Superkräften. Aber der Motor ist nicht perfekt: Es braucht etwa eine halbe Pedalumdrehung, bis er wach wird und schiebt minimal nach, nachdem man aufgehört zu treten. Hier könnte Engwe die Motorsteuerung noch feiner abstimmen, auch wenn das Meckern auf hohem Niveau ist.

Das Tolle: Dank der Gangschaltung lässt sich das L20 3.0 Boost auch komplett ohne Motorunterstützung gut bewegen. Zumindest bis zu 25 km/h, darüber hinaus ist mir die Trittfrequenz zu hoch. Hier wäre ein 8. Gang wünschenswert gewesen.

Andererseits will das L20 3.0 Boost auch kein sportliches Renn-E-Bike sein und für gemütliche Ausflüge reicht es vollkommen aus.

Komfort durch dicke Reifen & Vollfederung

Im direkten Vergleich zum normalen L20 Boost hat Engwe hier die Reifenbreite auf 3.0 Zoll reduziert (statt 4.0). Und ich finde das genau richtig so. Die 20-Zoll-Reifen haben ein flacheres Profil, das auf Asphalt deutlich ruhiger und geschmeidiger läuft. Auch die Wendigkeit ist deutlich besser und das Fahrrad sieht nicht aus, als würde man mit einem Traktor herumfahren.

Das flachere Profil sorgt für einen niedrigeren Rollwiderstand, bietet aber trotzdem ausreichend Grip. Das flachere Profil sorgt für einen niedrigeren Rollwiderstand, bietet aber trotzdem ausreichend Grip.

Die Dämpfwirkung der Reifen ist natürlich geringer, was aber dank der Vollfederung verschmerzbar ist. Die verstellbare hydraulische Frontgabel schluckt viele Unebenheiten und lässt sich bei Bedarf einstellen und sperren, während die Hinterradfederung ebenfalls spürbar abfedert.

Ja, das Rad bügelt viel weg. Aber erwartet keinen fliegenden Teppich. Tiefe Schlaglöcher, grobe Äste im Wald oder Wurzeln merkt man durchaus noch im Rücken. Von Schotterpisten oder Kopfsteinplaster lässt sich das Rad jedoch nicht beeindrucken, was zum Fahrkomfort beiträgt.

Es ist am Ende eben kein Fully-Mountainbike, sondern ein Rad für den täglichen Gebrauch, das euch sowohl auf als auch abseits der Straße nicht im Stich lässt.

Die Federung lässt sich einstellen und auch sperren. Die Federung lässt sich einstellen und auch sperren.

Akku & Aufladen: Ein Gamechanger

Hier spielt das Engwe seinen größten Trumpf aus. Während fast alle Konkurrenten in der 1.500-Euro-Klasse mit langsamen Ladegeräten kommen (4–8 Stunden Ladezeit), packt Engwe ein 8A-Schnellladegerät in den Karton.

In der Praxis bedeutet das: Der 648 Wh Akku ist in knapp 2,5 Stunden voll geladen. Das ist im Alltag ein echter Gamechanger. Ich hatte schon oft das Problem, dass wir uns am Wochenende spontan für eine Spritztour entschieden haben, dann aber der Akku erst ewig laden musste. Nicht so beim L20 3.0 Boost.

Das ist zudem ein großer Vorteil, wenn ihr öfter längere Ausflüge machen wollt. So könnt ihr das Bike während der Mittagspause flott wieder auf annähernd 100 Prozent bringen, ehe es weitergeht. Dieses Feature ist nicht zu unterschätzen und ein starkes Argument bei diesem Preisschild.

Wie realistisch ist die Reichweite von 135 km?

Der Hersteller verspricht bis zu 135 km im sparsamen PAS-Modus 1 unter optimalen Bedingungen. Wir alle wissen jedoch, dass die Bedingungen selten optimal sind. In der Realität hängt die Reichweite von eurem Gewicht, der Unterstützungsstufe, der Temperatur, Fahrtwind und nicht zuletzt dem Untergrund ab.

Die Reifen sind dick genug, um bequem zu sein und gut zu dämpfen, ohne zu fett zu wirken. Die Reifen sind dick genug, um bequem zu sein und gut zu dämpfen, ohne zu fett zu wirken.

Dennoch ist die Reichweite beeindruckend: In den ersten Wochen bin ich hauptsächlich auf Stufe 1-3 gefahren und habe dabei einige Male den Boost ausprobiert – und bin trotzdem über 70 km weit gekommen. Und das bei Temperaturen zwischen 0-15 Grad Celsius!

Ich denke, bei höheren Temperaturen und wenigen Steigungen sind 110 km und mehr durchaus realistisch, obschon ich es noch nicht sagen kann. Dennoch dürfte das für die meisten Alltagsfahrer mehr als genug sein – zumal der Akku, wie gesagt, super flott wieder voll ist.

Kleiner Kritikpunkt an dieser Stelle: Leider verzichtet Engwe abermals auf eine prozentgenaue Akkuanzeige; das Display zeigt die Restreichweite lediglich in fünf Akkubalken an. Das geht besser!

Alltag & Transport: Der Faltmechanismus im Detail

Kommen wir zum Elefanten im Raum: dem Gewicht. Das macht dem portablen Falt-Ansatz des E-Bikes nämlich einen Strich durch die Rechnung.

Denn obschon ihr Lenker und Rahmen in wenigen Handgriffen umgeklappt habt, bekommt ihr den Brummer nur schwer von A nach B geschleppt. Mit etwas über 33 kg ist dieses E-Bike nicht dafür gemacht, täglich in die U-Bahn oder in den 3. Stock getragen zu werden.

Zusammengeklappt nimmt das Bike immer noch viel Raum ein. Zusammengeklappt nimmt das Bike immer noch viel Raum ein.

Ich nenne es daher Kofferraum-kompatibel. Für den Camping-Ausflug oder Urlaub ins Auto wuchten – das geht, aber oft würde ich das nicht machen wollen.

Immerhin: Der Akku lässt sich entnehmen und somit bequem Zuhause oder auf Arbeit laden.

Bremsen, Licht & Schatten - Kurzer Technik-Check

Beim genauen Blick auf die verbauten Komponenten offenbaren sich spürbare Verbesserungen im Vergleich zum L20 Boost, aber auch ein paar Kritikpunkte.

Zunächst zu den positiven Aspekten:

  • Die Bremsen: Endlich hydraulische Scheibenbremsen! Im Vergleich zum Vorgänger packen diese Bremsen viel besser und dosierbarer zu. Angesichts des Gewichts ein absolutes Muss!
  • Das Display: Groß, hell, gut ablesbar – hier habe ich bis auf die ungenaue Akkuanzeige wenig zu kritisieren, zumal es sich sogar im Winkel verstellen lässt.
  • Licht: Das Frontlicht strahlt sehr hell; das Rücklicht besitzt eine automatische Helligkeitsanpassung und leuchtet beim Bremsen respektive abrupten Reduzieren der Geschwindigkeit verstärkt auf (Bremslichtfunktion) – die Bremse selbst hat keine Auswirkungen auf die Rücklampe.

Schön hell und gut ablesbar: das Display. Auch zu sehen. Die ungenaue Akkuanzeige oben links. Schön hell und gut ablesbar: das Display. Auch zu sehen. Die ungenaue Akkuanzeige oben links.

Das könnte besser sein:

  • Die Schaltung: Verbaut ist eine Shimano Tourney 7-Gang. Das ist die absolute Einsteigerklasse. Sie funktioniert zwar und lief im Test rund, muss aber vermutlich in Zukunft öfter nachjustiert werden. Bei einem 1.500-Euro-Rad wäre eine bessere Schaltung wünschenswert gewesen. Aber: Lieber gute Bremsen und eine billige Schaltung als umgekehrt.
  • E-Horn: Statt einer Klingel kommt das Bike mit einer elektrischen Hupe, die mein Sohn liebt, bei Passanten aber für komische Blicke sorgen kann.
  • Fehlender Diebstahlschutz: Es gibt keinen PIN-Code. Jeder kann das Display einschalten und losfahren.
  • Kurze Schutzbleche: Ich würde euch nicht raten, durch Matsch zu bügeln. Ich hab's getan und hatte einen vollgespritzten Rücken. Das sollte nicht passieren.

Toll: Das Bremslicht. Weniger toll: Das kurze Schutzblech. Toll: Das Bremslicht. Weniger toll: Das kurze Schutzblech.

Insgesamt bin ich beeindruckt: Man sieht dem Bike die nötigen Sparmaßnahmen abgesehen von der Schaltung kaum an. Im Gegenteil: Mit dem Schnellladegerät und der hohen Akkukapazität bietet das Fahrrad starke Features, die man in diesem Preissegment nicht erwarten würde.

Solltet ihr euch das Engwe L20 3.0 Boost kaufen?

Wer ein robustes E-Bike mit hohem Komfort, natürlichem Fahrgefühl (dank Drehmomentsensor) und extrem schneller Ladezeit sucht, wird beim L20 3.0 Boost fündig. Die Reichweite ist mehr als ausreichend, das vollgefederte Fahrwerk schluckt ordentlich was weg und die hydraulischen Bremsen packen sicher zu.

Gerade durch den Tiefeinstieg, die dicken, aber nicht übertriebenen Reifen und die Gangschaltung samt Boost-Taste ist es ein idealer Begleiter sowohl im Stadtverkehr als auch abseits befestigter Wege.

Wer jedoch ein leichtes Rad für das Treppenhaus sucht oder oft mit dem Auto unterwegs ist, sollte sich anderweitig umschauen, denn das immense Gewicht dürfte hier ins ... Gewicht fallen.

Für wen ist das Bike geeignet?

  • Genuss-Fahrer: Die gerne komfortabel und auch mal abseits der Straße unterwegs sind, ohne Angst vor einem Platten haben zu müssen.
  • Pendler: Die Wert auf Power und hohe Reichweite legen und das schnelle Aufladen zu schätzen wissen,
  • Camper: Die ein faltbares Rad suchen, es aber nicht weit schleppen müssen.

Fazit zum L20 3.0 Boost

Das L20 3.0 Boost ist ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zum L20 Boost, ohne jedoch alle Stärken zu übernehmen. Es fährt sich super angenehm, hat spürbare bessere Bremsen und eine Vollfederung, die es auch im Gelände zu einem zuverlässigen Begleiter macht. Dazu kommt das 8A-Schnellladen, das in dieser Klasse fast niemand bietet.

Auf der anderen Seite wird der faltbare Ansatz durch das hohe Gewicht torpediert, dem Boost-Button fehlt das Nitro und die Gangschaltung könne hochwertiger sein.

Wer einfach nur gemütlich fahren möchte und Wert auf eine hohe Reichweite und Komfort legt, sollte sich das L20 3.0 Boost jedoch genauer anschauen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich kann es allen empfehlen, die aufs Budget achten müssen und denen Portabilität nicht das Wichtigste ist.

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