Fatbike
-Reifen, Boost-Button und jede Menge Ausstattung – das Engwe L20 Boost will mit robuster Bauweise und besonderem Fahrkomfort überzeugen. Auch der Preis von 1.149 Euro ist eine Ansage.
Dabei sollte man gerade im Niedrigpreissegment bei Komponenten und Verarbeitung genauer hinschauen, denn oft steckt der Teufel im Detail.
Ich habe das L20 Boost fünf Wochen lang in Stadt- und Waldumgebung getestet – und bin durchaus beeindruckt. Aber: Es gibt auch eklatante Schwächen, die man kennen sollte.
Transparenzhinweis: Engwe hat mir das L20 Boost für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. TerraMow hatte keinen Einfluss auf Inhalt oder Bewertung dieses Artikels und erhielt keine Einsicht vor der Veröffentlichung.
Lieferumfang & erster Eindruck: Schwer, aber durchdacht
Das Bike kommt nahezu vormontiert, kleinere Handgriffe wie die Montage des Lenkers und der Pedale sind schnell erledigt. Dafür liegt sämtliches Werkzeug dem Lieferumfang bei.
Das L20 Boost ist kein Leichtgewicht. Mit rund 34 Kilogramm gehört es zu den schwereren Vertretern unter den City- und Kompakt-E-Bikes. Der Rahmen wirkt dafür aber extrem stabil – und ist es auch.
Das muss er auch sein, schließlich verträgt das Fahrrad eine Zuladung von bis zu 120 Kilogramm. Neben eurem Körpergewicht sollte also auch noch ausreichend Puffer für Gepäck vorhanden sein, das ihr wahlweise am Heck- oder Frontgepäckträger verstauen könnt.
Links: Frontgepäckträger, rechts: Reifen und mechanische Scheibenbremsen. (Bildquelle: GameStar Tech)
Die Kabel sind am Lenker zwar sichtbar, aber ordentlich verstaut. Schutzbleche und Gepäckträger sind aus Aluminium und wirken robust und hochwertig. Zumindest auf den ersten Blick vermutet man beim L20 Boost keinesfalls ein Billig-E-Bike.
Sofort ins Auge stechen die Fatbike-typisch sehr dicken Reifen (20 × 4,0-Zoll). Sie erinnern fast schon an ein kleines Moped und sorgen in Kombination mit dem Tiefeinsteiger-Rahmen für ein sehr angenehmes Fahren. Dazu gleich mehr.
Das L20 Boost gibt es in drei Farben (Schwarz, Meeresgrün, Burgunder) und einer Rahmengröße, die bis 1,90 Meter geeignet sein soll. Zur Ausstattung gehören zudem Katzenaugen, Klingel, ein herausnehmbarer Akku sowie ein angenehmer, verstellbarer Sattel.
Die Maße im Überblick:
| Lenkerhöhe | 115 cm |
| Gesamtlänge | 174,3 cm |
| Reichweite (Reach) | 37 cm |
| Überstandshöhe | 43,3 cm |
| Radstand | 115,7 cm |
| Minimale Sattelhöhe | 82 cm |
| Maximale Sattelhöhe | 94 cm |
Die Technik im Detail: Ich will Spaß, ich geb' Boost
Das Herzstück des L20 Boost ist der 250-Watt-Heckmotor mit satten 75 Nm Drehmoment, der anders als ein Mittelmotor die Kraft direkt auf das Hinterrad überträgt. Die Unterstützung ist selbst auf der ersten der fünf Assistenzstufen kräftig, wobei ich zwischen den Stufen nur marginale Unterschiede feststellen konnte.
Ich bin – auch dank der 7-Gang-Schaltung von Shimano – fast immer in Level 1 unterwegs und drücke bei Bedarf auf den Boost-Button.
Der Boost-Button ist auch ein Highlight des Bikes, denn er entfesselt bis zu 60 Sekunden lang die volle Power des Motors und schiebt (nach einer kurzen Denkpause) das Rad kraftvoll an. Das macht einfach nur Laune.
Allerdings: Die Power kommt nicht immer gleichmäßig. Hält man den Boost-Knopf gedrückt, beschleunigt das Bike rasant bis zur magischen 25-km/h-Marke, danach bewegt sich der Motor in einem ständigen Hin und Her zwischen Beschleunigen
und Abriegeln
. Kein Beinbruch, aber eben auch nicht butterweich.
Zudem läuft der Motor auch nach dem Pedalieren oft noch eine halbe bis eine Sekunde weiter. Das sorgt für ein etwas unnatürliches Gefühl in engen Passagen oder bei plötzlichen Bremsmanövern. Das ist angesichts des niedrigen Preisschildes aber auch erwartbar. Beim normalen Fahren ohne Boost läuft der Motor zudem weitestgehend rund.
So habe ich getestet
Ich bin das L20 Boost fünf Wochen lang gefahren - sowohl auf Asphalt, als auch auf Feld- und Waldwegen. Ich bin 1,68 cm groß und wiege 58 Kilo, hatte aber teilweise Gepäck mit 20 Kilo Zuladung dabei. Ich bin bei Temperaturen zwischen 10-15 Grad und trockenem sowie Regenwetter gefahren.
Spezifikationen
| Material | 6061 Aluminiumlegierung |
| Motor | 250W bürstenloser Motor |
| Maximales Drehmoment | 75 Nm |
| Reifen | 20 × 4.0 Zoll Fat Tires |
| Akku | 48V 13Ah Lithium-Ionen-Akku |
| Geschwindigkeit | 25 km/h (Kein Gashebel) |
| Maximale Reichweite | 126 km (Die tatsächliche Reichweite variiert je nach Fahrergewicht und Straßenbedingungen) |
| Ladezeit | Etwa 6.5 Stunden |
| Maximale Steigfähigkeit | 10° |
| Bremsen | 160 mm mechanische Scheibenbremsen vorne & hinten |
| Schaltsystem | Shimano 7-Gang-Schaltung |
| Display | LCD-Display |
| Fahrradgewicht | 34 kg (74,8 lbs) |
| Bruttogewicht | 41,5 kg (91,13 lbs) |
Preis und Verfügbarkeit
Das L20 Boost Pro ist im offiziellen Shop sowie bei Amazon für circa 1.149 Euro in den Farben Schwarz, Meeresgrün und Burgunder erhältlich. Bei Amazon gibt es zudem teilweise einen Coupon, der den Preis auf 1.049 Euro senkt.
Immerhin: Engwe hat einen Drehmomentsensor verbaut – der Motor gibt also mehr Kraft, je stärker ihr tretet. Das Ergebnis ist zwar nicht das geschmeidigste, das ich kenne, aber immer noch besser als ein einfacher Tret- respektive Kraftsensor, wie er häufig in billigen E-Bikes Verwendung findet.
Dafür hat der Hersteller meiner Meinung zu sehr an den Bremsen gespart, denn die mechanischen Scheibenbremsen haben mit dem Gewicht des L20 Boost spürbar zu kämpfen.
Im Test empfand ich das Bremsverhalten als schwammig, der Druckpunkt ist undefiniert. Teilweise quietschten oder schliffen die Bremsen. Hier hätte ich mir hydraulische Bremsen mit mehr Biss gewünscht – besonders bei einem so schweren Fahrrad.
Fahrverhalten im Alltag: Ultra-Komfortabel
Die dicken Reifen haben Vor- und Nachteile. Während man sie auf Asphalt deutlich hört und den erhöhten Rollwiderstand jenseits der 25 km/h (wenn der Motor abriegelt) spürt, sind sie abseits der Straße ein starker Komfortgewinn.
Steine, Wurzeln, Schlaglöcher – alles kein Problem für das Fatbike. Unebenheiten werden rigoros abgefedert. Was die Reifen nicht dämpfen, federt die Frontgabel ab. Selbst Bordsteinkanten sind dadurch kein Hindernis. Das L20 Boost walzt souverän über alles, was im Weg liegt.
Zum Komfort trägt auch die 7-Gang-Schaltung von Shimano bei. Sie hilft vor allem beim Anfahren und bei Bergauffahrten. Allerdings wäre hier eine andere Übersetzung oder aber ein 8. Gang wünschenswert, denn ab 25 km/h muss man selbst auf dem höchsten Gang noch ordentlich strampeln.
Akku, Bedienung & Alltagstauglichkeit
Der entnehmbare Akku (48V, 13Ah) befindet sich unter dem Sitz und muss für die Fahrt per Schlüssel entriegeln werden. Das heißt aber auch: Der Schlüssel muss während der Fahrt am Rad stecken und anschließend abgezogen werden. Im aktivierten Zustand lässt sich der Schlüssel nicht entfernen.
Da ich ungern viele Schlüssel mit mir herumtrage, war das im Alltag durchaus lästig. Auf der anderen Seite ist es der einzige Diebstahlschutz
: Da Engwe auf einen PIN-Code verzichtet, können Fremde den Motor ohne Schlüssel nicht benutzen.
Das Display ist ausreichend hell und gut ablesbar – auch bei Sonne. Alle Bedienelemente (Assistenzstufen, Licht, Anschiebhilfe) sind links gut erreichbar. Der Boost-Button am rechten Lenkergriff ist ebenfalls schnell erreichbar.
Was mir nicht gefällt: Die Akkuanzeige besteht lediglich aus fünf farbigen Balken – eine genaue Prozentanzeige fehlt. Dadurch ist es schwer, die Restreichweite präzise einzuschätzen.
Apropos Reichweite: Die ist dafür überraschend hoch. Engwe gibt bis zu 126 Kilometer unter idealen Bedingungen an. Bei mir waren es bei 10-15 Grad und einigen Offroad-Fahrten mit Boost-Einsätzen bei einer Ladung von etwa 80 Kilogramm um die 70 Kilometer. Bei wärmerem Wetter, ebener Fahrbahn und in Assistenzstufe 1 ohne Boost wären sicherlich mehr als 80 Kilometer drin.
Ebenfalls erfreulich: Front und Rücklicht sind angenehm hell, letzteres verfügt sogar über eine Bremslichtfunktion. Leider ist das vordere Licht am Gepäckträger befestigt und schwenkt beim Lenken nicht mit. Das ist besonders in Kurven ein Nachteil, weil der Lichtkegel starr geradeaus leuchtet.
Wer gern Ausflüge macht, wird die Gepäckträger zu schätzen wissen. Gerade der Frontkorb ist super praktisch, um Taschen, Pakete oder Beutel schnell zu verstauen. Das Engwe L20 Boost bringt somit alles mit, was man für eine entspannte Radtour braucht: Komfort, Reichweite und ausreichend Power.
Solltet ihr euch das Engwe L20 Boost kaufen?
Wer ein robustes E-Bike mit viel Power, dicken Reifen und praktischem Nutzwert für den Alltag sucht, wird beim L20 Boost fündig. Die Reichweite ist gut, das Fahrverhalten komfortabel und die Ausstattung erstaunlich umfangreich.
Wer jedoch Wert auf präzise Motorsteuerung, leichtes Handling oder Top-Bremsen legt, sollte sich Alternativen ansehen. Das L20 Boost ist ein starkes Arbeitstier, dem man je nach Komponenten den attraktiven Preis mal mehr, mal weniger anmerkt.
Für wen ist das Bike geeignet?
- Fahrer, die ein starkes E-Bike für Einkäufe, Pendelstrecken oder Wochenendausflüge suchen.
- Alle, die gerne komfortabel fahren und öfter mal abseits der Straße unterwegs sind.
- Menschen, die viel Stauraum und Traglast brauchen und ein stabiles, zuverlässiges Bike möchten.
Alternativen zum L20 Boost
- Fiido M1 Pro: Ein etwas leichterer Rahmen, Fat‑Reifen (4,0″) und faltbahrem Rahmen – ideal wenn ihr das Fatbike‑Gefühl wollt, aber etwas mehr Agilität sucht.
- ENGWE Engine X: Eine ebenfalls faltbare Variante, die mehr Flexibilität im Alltag bietet, wenn ihr z. B. Platz sparen müsst oder das Bike mitnehmen wollt.
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Unterm Strich ist das Engwe L20 Boost ein echtes Nutzbike: stark im Antritt, bequem im Alltag und ausgestattet mit allem, was man für Stadt, Schotterweg und Einkaufstour braucht. Es sieht robust aus und fährt sich auch so.
Wer bereit ist, bei Bremsen, Feinschliff und Motorabstimmung kleine Abstriche zu machen, bekommt hier für rund 1.100 Euro ein vollwertiges E‑Bike mit Charakter.


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