Das gefällt mir weniger gut an der Rokid Glasses
Die Passform muss besser werden
Zwar trage ich die Brille seit rund zwei Wochen immer wieder, aber nicht dauerhaft. Das liegt größtenteils an der Passform beziehungsweise an den auffällig großen Nasenpads.
In der Verpackung liegen zwar noch kleinere Nasenpads zum Auswechseln bereit, aber sie haben keine Besserung gebracht. Die Brille drückt mir unangenehm auf die Nase. Zudem sind die Pads mit winzig kleinen Schrauben an der Brille montiert, sodass Spezialwerkzeug erforderlich ist, um sie zu wechseln.
In Kombination mit dem breiten Gestell wirkt die Brille auf mich persönlich obendrein sehr klobig und unästhetisch. Das hat wiederum einen erstaunlichen Effekt: Nahezu jeder erkannte das Gestell als Smart-Brille.
Unterm Strich erkenne ich einen deutlichen Knackpunkt: Es dürfte grundsätzlich schwierig sein, eine Brille zu konzipieren, die auf die meisten Nasen gut sitzt. Damit haben selbst Hersteller von normalen Brillen zu kämpfen. Ein paar alternative Nasenpads reichen nicht aus, zumindest bei mir nicht.
Für Verbraucher kann es wiederum frustrierend sein, das passende Modell zu finden. Menschen sind nun einmal sehr unterschiedlich. Der Weg zum Optiker ist bei der Anschaffung einer Brille oftmals der sicherste.
Und dann wäre da noch das Thema mit den Korrekturgläsern: Wenn ihr im Alltag eine Brille benötigt, sind entsprechende Korrekturgläser erforderlich. Andernfalls werdet ihr die Inhalte auf dem Display verschwommen wahrnehmen. Das wäre schön blöd.
Ihr könnt sie wahlweise beim Hersteller unter Angabe der erforderlichen Korrekturen bestellen. Leider konnte ich das nicht testen.
Die Brille hat ihre Macken
Alle Tech-Begeisterten, die sich so ein Teil auf die Nase setzen, werden sich freuen. Zumindest wird sich der Mundwinkel leicht in Richtung Begeisterung anheben (wenn auch nur minimal). So weit gehe ich.
Leider dämpft die Brille die Begeisterung aber wieder ordentlich mit nervigen Patzern. Von den Abbrüchen beim Importieren der Fotos wisst ihr bereits Bescheid.
- Nach »Hi Rokid« folgte sporadisch keine Reaktion.
- Auf einige Fragen gab es zudem hin und wieder keine Antwort und gelegentlich denkt die KI sehr lange nach … um die Frage dann doch nicht zu beantworten. Das hinterlässt ein Gefühl von »Hah, reingelegt!«.
- In drei Fällen hat das gesamte System seinen Dienst vollständig quittiert und nur der klassische Neustart hat geholfen. Technik, oder? Sie kann ebenso begeistern, wie die Stimmung vermiesen.
- Die Touchsensibilität des Brillenbügels ist zudem ziemlich hoch. Das führt gelegentlich zu versehentlichen Eingaben.
Leider wirkt das Betriebssystem unterm Strich noch nicht ganz ausgereift.
Die gute Nachricht: Das sind Software-Probleme, die mit künftigen Updates vermutlich der Vergangenheit angehören. Leider sind sie aber Stand jetzt ein fester Teil dieser Brille.
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Dauerbrenner: Datenschutz
Das Thema Datenschutz erfordert bei dieser Art von Gerätekategorie besondere Beachtung – und das aus zwei Perspektiven.
Zunächst zur Datenschutzerklärung: Ein Blick darauf birgt leider wenige Überraschungen. Sie liest sich wie eine endlos lange und typische »Big Tech«-Datenschutzerklärung.
- Rokid gibt an, die Vorgaben der DSGVO sowie des CCPA einzuhalten, lässt durch vage Formulierungen aber gleichzeitig viel Spielraum.
- Die Erklärung gibt Singapur explizit als Speicherort für die erhobenen und verarbeiteten personenbezogenen Daten an. Eure Daten verlassen also ziemlich sicher den Kontinent.
- Die Nutzung der Daten ist dabei »zweckgebunden« und variiert je nach Art: Login-Verifizierung, Geräteinteraktion zwischen Brille und App, Navigation und Benachrichtigungen – das hängt eben von den ganzen Apps ab, die ihr nutzt.
- Rokid betont, die Daten nicht zu verkaufen. In einigen Fällen werden sie jedoch mit Partnern und Dritten geteilt, etwa bei der Nutzung der Bezahlmethode mit Alipay.
Alles wie immer also.
Und wie sieht es mit dem Training von KI-Modellen aus? Hierauf gibt es keine zufriedenstellende Antwort. Das Wort »Training von KI-Modellen« wird nicht explizit verwendet, aber die Nutzung zur »Verbesserung der Performance« und »Service-Optimierung« lässt darauf schließen.
Kurzum: Wenn ihr sämtliche Dienste der Brille nutzt, fließen massig Daten an Unternehmen. Seid euch dessen bewusst.
Dann wäre da noch der zweite, gesellschaftliche Aspekt. »Ein Knopf am Brillenbügel und ein Foto aus der echten Welt landet im Speicher der Brille.« Dieser Satz von mir hat leider eine zweite, potenziell negative Bedeutung.
Es war selten einfacher, unbemerkt Bilder oder Videos aufzunehmen. Die Brille blinkt zwar auf, sobald die Aufnahme startet. Aber wir wissen, dass es schwarze Schafe gibt, die solche Technologien bewusst missbrauchen.
Dieses Problem betrifft natürlich nicht nur Rokid. In diesem Aspekt schildere ich lediglich meinen Eindruck, der mich trotz meiner Begeisterung für derartige Gadgets mit großer Sorge zurücklässt.
Hier sind klare Maßnahmen von Unternehmen und der Gesetzgebung gefragt.
Smarte Brillen sollten bei Aufnahmen stets laute akustische Signale von sich geben (macht Rokid ebenfalls). KI sollte positiv eingesetzt werden und die Aufnahme blockieren, sobald die Kamera auf sensible Bereiche gerichtet ist.
Erste (private) Verbotszonen für derartige Gadgets wurden bereits in der Vergangenheit ausgesprochen. Diese sollten auf weitere öffentliche Bereiche wie etwa Schwimmbäder konsequent ausgeweitet werden.
Auf der letzten Seite folgt mein Fazit zur Brille.
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