Google, Samsung und Apple schmieden Pläne für die nächste Generation smarter Brillen. Einige andere Hersteller haben ihr Eisen dagegen bereits aus dem Feuer geholt. Meine Erwartungen waren im Vorfeld groß: 2026 müssen die Hersteller liefern.
Nach zwei Wochen mit der Rokid Glasses sage ich jetzt: Solche Brillen mit integrierten Displays sind das nächste große Ding!
Trotz der Begeisterung gibt es aber stellenweise Ernüchterung und Bedenken. Smart Glasses werden uns definitiv noch nachhaltig beschäftigen. Im Guten wie im Schlechten.
Spezifikationen
| Merkmal | Rokid Ai Glasses |
|---|---|
| Gewicht | 49 Gramm |
| Prozessor | Qualcomm Snapdragon AR1 Gen 1 + NXP RT600 |
| Kamera | 12-Megapixel-Kamera |
| Display | Dual-Micro-LED-Displays |
| Helligkeit | bis zu 1.500 Nits |
| Auflösung | 480 × 398 Pixel pro Auge |
| Arbeitsspeicher | 2 GB RAM |
| Speicher | 32 GB |
| Konnektivität | Bluetooth 5.3, Wi‑Fi 6 |
| Audio | Open-Ear-Design |
| Übersetzung | Echtzeit-Übersetzung |
| KI-Funktionen | GPT- und Gemini-Integration |
| Korrektionsgläser | Unterstützt |
Preise und Verfügbarkeit
Die Rokid Glasses startet ab dem 4. Mai 2026 offiziell in Deutschland. Der Preis der Rokid Ai Glasses beträgt 570 Euro vom 4. bis zum 12. Mai (Vorverkaufspreis). Vom 13. bis zum 31. Mai ist das Gerät für 589 Euro erhältlich. Ab dem 1. Juni gilt die UVP von 700 Euro.
Das hat mir an der Rokid Glasses gut gefallen
Als würde ich seit Jahren eine smarte Brille tragen
Kaum ausgepackt, streiche ich über den rechten Bügel, um zu navigieren oder quatsche via Sprachbefehl »Hey Rokid« mit ChatGPT beziehungsweise Gemini. Der Einstieg, die Navigation und die Kommunikation fühlen sich natürlich und richtig an. Als setze ich mir seit Jahren so ein Teil auf die Nase und bin es nicht anders gewohnt.
Mit einer Zweifinger-Geste analysieren Gemini oder ChatGPT, was ich durch die Brille sehe. Das funktioniert richtig gut und wirkt sehr durchdacht. Die KI braucht dafür allerdings etwas Zeit.
Die Antworten auf all meine Fragen liest die KI mir laut vor und zaubert sie mir zusätzlich noch auf die zwei optischen Micro-LED-Displays. Diese sind selbst draußen ordentlich hell (bis zu 1.500 Nits). Selbst bei grellem Sonnenlicht fällt es mir angenehm leicht, alles abzulesen und der Wegbeschreibung von Google Maps zu folgen. Ja, das geht!
Die Bügel dienen unter anderem zur Menünavigation und zur speziellen Gestensteuerung. Das funktioniert sehr gut, wenngleich die Touchregistrierung für meinen Geschmack etwas zu sensibel ist. Die optischen Displays stören übrigens zu keiner Zeit. (Bilder: Patrick S. – GameStar Tech)
Auch die Begleit-App ist schnell erklärt. Alle verfügbaren Funktionen der Brille sind übersichtlich aufgelistet. In den Anzeige-Einstellungen musste ich lediglich den Inhalt nach oben auf dem Display verschieben. Vorher war immer ein Teil des Inhalts abgeschnitten.
Anschließend habe ich mich durch die einzelnen Features der Rokid-Brille durchprobiert. Die erste große Begeisterung ließ dabei nicht lange auf sich warten.
Die Zukunft ruft: Blitzschnelle Live-Übersetzung
Besonders beeindruckt war ich von der Übersetzungsfunktion. Rokid verspricht ohne Zweifel nicht zu viel. Ich habe die Funktion getestet, um Englisch ins Deutsche zu übersetzen.
Hierzu hat meine Partnerin ein paar Sätze auf Englisch gesprochen, die Rokid mir innerhalb weniger Sekunden korrekt übersetzte. Fehler gab es lediglich bei Ortsnamen und Tieren.
Auch beim Schauen von Videos auf Englisch ist es beeindruckend, wie schnell die KI die Inhalte übersetzt. Allerdings nimmt die Fehlerquote zu. Die Brille übersetzt das Gesprochene zu schnell und passt Grammatik sowie Satzbau hektisch an. Es ist daher schwierig, der Übersetzung entspannt zu folgen.
Der Haupteinsatz einer solchen Funktion liegt daher eher im natürlichen Gespräch mit einer anderen Person. Hierfür gibt es auch eine Duo-Talk-Funktion. Man dreht das Handy-Display zu einer dritten Person und spricht einfach drauflos. Anschließend sieht die Person die Übersetzung in der ausgewählten Zielsprache.
Die Lautsprecher sind überraschend gut
Ich mache euch nichts vor: Der Sound dieser Brille kommt nicht an In-Ear- oder Over-Ear-Kopfhörer heran. Und dennoch bin ich erstaunt, wie gut Musik, Podcasts und Co. aus den Brillenbügeln klingen.
Das hätte ich dem Gadget nicht zugetraut. Es kratzt nicht und klingt auch nicht blechern. Es klingt einfach angenehm, Punkt.
Allein schon, weil meine Umgebung mithört, würde ich über die Brille nur selten oder gar keine Audioinhalte in der Öffentlichkeit konsumieren. Aber um einen Anruf entgegenzunehmen, wenn ich zu Hause bin und keine Hand frei habe? Ziemlich sicher sogar!
Apropos: Meine Stimme wird bei Anrufen selbst als »Okay« beschrieben. Sie ist nicht sonderlich klar, aber auch nicht verzerrt oder kratzig.
Es fühlt sich wirklich smart an
Ob man es futuristisch und praktisch findet, dass einem die Nachrichten buchstäblich aufs Auge gedrückt werden, muss jeder für sich selbst entscheiden. Die Brille hat sich den Titel »Smart Glasses« aber redlich verdient.
Wer will, bekommt hier die volle Ladung an technischen Spielereien. Neben Systembenachrichtigungen vom Smartphone, Anrufen, Übersetzungen und Audio-Steuerung unterstützt die Brille eine Notizenfunktion. Damit lassen sich die eigenen Gedanken in die Brille quatschen.
Wie eingangs erwähnt, lotst mich Rokid dank Anbindung an Google Maps durch die Gegend, während die Abbiegehinweise auf den Displays erscheinen. Das klappt wunderbar.
Das ist längst nicht alles: Angenommen, ihr wohnt im asiatischen Raum und zahlt ohnehin ständig via Alipay. Die Brille hat eine Funktion, um QR-Codes zu scannen und derartige Zahlungen abzuwickeln. Verrückt, oder?
Den umstrittensten Punkt habe ich dabei noch gar nicht erwähnt.
Die Kamera … ist tatsächlich auch gut?!
Ja, auch die Fotos und Videos aus der 12-Megapixel-Kamera haben mir die Augenbraue hochgezogen. Das hätte ich im Vorfeld schlicht nicht geglaubt. Natürlich kann die Qualität nicht mit der eines leistungsstarken Smartphones oder einer Kamera mithalten. Aber die Linse befindet sich schließlich im Gestell der Brille!
Hier habe ich einen 15-sekündigen Clip aufgenommen, damit ihr einen Eindruck bekommt.
0:15
Rokid Glasses: So sieht das Videomaterial aus der Brille aus
Die Aufnahmen sind zwar übersättigt, aber nicht verrauscht und auch nicht auffällig unscharf. Selbst das dichte Blattwerk von Bäumen und Ästen führt nicht zu einem matschigen Pixelbrei. Natürlich finde ich das Haar in der Suppe, wenn ich reinzoome. Aber die Qualität reicht aus.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein Knopf am Brillenbügel genügt und ein Foto aus der echten Welt landet im 32 GB großen Speicher der Brille. Einfacher geht es nicht. Willkommen im Jahr 2026!
Hinweis: Klickt auf das Bild und wählt dann unten links »Originalgröße anzeigen«, um das Bild in voller Auflösung aufzurufen.
Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen: Ich muss jedes Mal die Brille manuell mit dem Smartphone verbinden und die Fotos importieren. Das ist nervig, insbesondere, wenn die Brille keine Verbindung aufbauen will.
Dann heißt es: App manuell schließen und erneut versuchen.
So begeistert ich in den letzten Zeilen über die Brille geschrieben habe, es gibt deutliche Schwachpunkte und gesellschaftliche Bedenken.
Das lest ihr auf der nächsten Seite.
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