Im Jahr 1826, also vor fast 200 Jahren, gelang dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce etwas, das die Welt für immer veränderte.
Er hielt mit einer Kamera den »Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras« fest und schoss das erste Foto der Welt.
Seine Vorgehensweise war aber ganz anders, als wir es heute kennen, auch wenn sie auf denselben Prinzipien basiert.
So entstand das erste Foto der Welt
Statt einer Speicherkarte nutzte er eine Zinnplatte und statt eines Sensors eine Schicht aus in Lavendelöl gelöstem Naturasphalt.
Acht Stunden lang belichtete er diese Platte mithilfe einer sogenannten Camera obscura
. So lange dauerte es, bis genug Licht auf die lichtempfindliche Schicht traf und ein Bild sichtbar wurde.
Was ist eine Camera obscura?
Die Camera obscura, übersetzt »dunkle Kammer«, ist im Prinzip eine Box oder ein Raum mit einem winzigen Loch. Durch dieses fällt Licht von draußen hinein und projiziert ein umgedrehtes Bild auf die gegenüberliegende Fläche. Es erscheint auf dem Kopf, weil Lichtstrahlen geradlinig durch das kleine Loch laufen und sich dabei oben/unten sowie links/rechts kreuzen.
Schon Künstler der Renaissance nutzten dieses Prinzip, um Perspektiven korrekt abzuzeichnen.
Niépce ging einen Schritt weiter: Statt das projizierte Bild mit der Hand nachzuziehen, wollte er es automatisch festhalten. Das große Problem: Seine lichtempfindliche Schicht war extrem träge. Nur Geduld für die acht Stunden Belichtungszeit machte das unsichtbare Bild sichtbar.
Das Ergebnis wirkt heute unscheinbar, doch es war ein technologisches Wunder. Die Gebäude im Hof sind ohne Schatten zu sehen, weil die Sonne während der Belichtung einmal um das Motiv wanderte.
Erst mit einer Mischung aus Lavendelöl und Petroleum konnte Niépce die Platte fixieren und so die erste Fotografie der Welt sichern.
Heutige Kameras funktionieren im Grundprinzip immer noch so
Wer heute mit dem Smartphone ein Foto macht, nutzt im Kern dasselbe Prinzip wie Niépce: Licht fällt durch eine Linse und trifft auf eine lichtempfindliche Fläche.
Nur dass diese Fläche heute ein hochempfindlicher CMOS-Sensor ist, der Millionen winziger Pixel in Millisekunden ausliest.
Die acht Stunden Belichtungszeit sind längst auf Bruchteile einer Sekunde geschrumpft. Doch die Ähnlichkeit bleibt: Asphalt und Sensorchips erfüllen denselben Zweck: sie reagieren auf Licht und speichern ein Bild.
Dasselbe Grundprinzip verbindet Niépces Zinnplatte von 1826 mit jeder einzelnen Smartphone-Kamera in unserer Hosentasche.
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