Vor 199 Jahren wurde das erste Foto der Welt geschossen, aber ganz anders als wir es heute kennen – es waren Lavendelöl, eine Zinnplatte, Naturasphalt und 8 Stunden notwendig

Wie wohl der Macher des ersten Fotos der Welt auf ein Handy von heute schauen würde?

Symbolbild einer Kamera Obscura. (Bildquelle: Michael über Adobe Stock) Symbolbild einer Kamera Obscura. (Bildquelle: Michael über Adobe Stock)

Im Jahr 1826, also vor fast 200 Jahren, gelang dem Franzosen Joseph Nicéphore Niépce etwas, das die Welt für immer veränderte.

Er hielt mit einer Kamera den »Blick aus dem Arbeitszimmer von Le Gras« fest und schoss das erste Foto der Welt.

Seine Vorgehensweise war aber ganz anders, als wir es heute kennen, auch wenn sie auf denselben Prinzipien basiert.

So entstand das erste Foto der Welt

Statt einer Speicherkarte nutzte er eine Zinnplatte und statt eines Sensors eine Schicht aus in Lavendelöl gelöstem Naturasphalt.

Acht Stunden lang belichtete er diese Platte mithilfe einer sogenannten Camera obscura. So lange dauerte es, bis genug Licht auf die lichtempfindliche Schicht traf und ein Bild sichtbar wurde.

»Point de vue du Gras«. Die Sicht aus dem Fenster bei Le Gras: Das erste Foto der Welt. Dies ist die restaurierte Version von diesem Foto. Das Original seht ihr weiter unten. (Bildquelle: Joseph Nicéphore Niépce - Rebecca A. Moss, Coordinator of Visual Resources and Digital Content Library. College of Liberal Arts Office of Information Technology, University of Minnesota. Public Domain) »Point de vue du Gras«. Die Sicht aus dem Fenster bei Le Gras: Das erste Foto der Welt. Dies ist die restaurierte Version von diesem Foto. Das Original seht ihr weiter unten. (Bildquelle: Joseph Nicéphore Niépce - Rebecca A. Moss, Coordinator of Visual Resources and Digital Content Library. College of Liberal Arts Office of Information Technology, University of Minnesota. Public Domain)

Was ist eine Camera obscura?

Die Camera obscura, übersetzt »dunkle Kammer«, ist im Prinzip eine Box oder ein Raum mit einem winzigen Loch. Durch dieses fällt Licht von draußen hinein und projiziert ein umgedrehtes Bild auf die gegenüberliegende Fläche. Es erscheint auf dem Kopf, weil Lichtstrahlen geradlinig durch das kleine Loch laufen und sich dabei oben/unten sowie links/rechts kreuzen.

Schon Künstler der Renaissance nutzten dieses Prinzip, um Perspektiven korrekt abzuzeichnen.

Niépce ging einen Schritt weiter: Statt das projizierte Bild mit der Hand nachzuziehen, wollte er es automatisch festhalten. Das große Problem: Seine lichtempfindliche Schicht war extrem träge. Nur Geduld für die acht Stunden Belichtungszeit machte das unsichtbare Bild sichtbar.

Das Ergebnis wirkt heute unscheinbar, doch es war ein technologisches Wunder. Die Gebäude im Hof sind ohne Schatten zu sehen, weil die Sonne während der Belichtung einmal um das Motiv wanderte.

Erst mit einer Mischung aus Lavendelöl und Petroleum konnte Niépce die Platte fixieren und so die erste Fotografie der Welt sichern.

Heute ist das Foto auf der Zinnplatte noch immer sichtbar – wenn auch etwas verblasst. (Bildquelle: Nicéphore Niépce - Harry Ransom Center, Public Domain) Heute ist das Foto auf der Zinnplatte noch immer sichtbar – wenn auch etwas verblasst. (Bildquelle: Nicéphore Niépce - Harry Ransom Center, Public Domain)

Heutige Kameras funktionieren im Grundprinzip immer noch so

Wer heute mit dem Smartphone ein Foto macht, nutzt im Kern dasselbe Prinzip wie Niépce: Licht fällt durch eine Linse und trifft auf eine lichtempfindliche Fläche.

Nur dass diese Fläche heute ein hochempfindlicher CMOS-Sensor ist, der Millionen winziger Pixel in Millisekunden ausliest.

Die acht Stunden Belichtungszeit sind längst auf Bruchteile einer Sekunde geschrumpft. Doch die Ähnlichkeit bleibt: Asphalt und Sensorchips erfüllen denselben Zweck: sie reagieren auf Licht und speichern ein Bild.

Dasselbe Grundprinzip verbindet Niépces Zinnplatte von 1826 mit jeder einzelnen Smartphone-Kamera in unserer Hosentasche.

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