75 Jahre Telecaster-Gitarre wollte die zugehörige Fender-Marke eigentlich feiern – mit einem Konzert in der Ryman Auditorium in Nashville und Gästen wie Jack White und Billy Gibbons. Im Rahmen der Feier gab CEO Edward »Bud« Cole dem Magazin T3 ein Interview, das zunächst kaum Beachtung fand.
Erst Wochen später, mitten in Fenders eigener Rechtsstreitigkeit um die Stratocaster-Form, wird ein Nebensatz aus diesem Gespräch zum Problem: Cole verglich Cover-Musik und Bandkollegen mit einer Art »analoger KI«.
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»Cover-Songs sind analoge KI«
Im T3-Interview erklärt Cole, KI gebe es in der Musik schon so lange wie Tonaufnahmen. Cover-Songs seien seiner Ansicht nach seit jeher eine Art analoge KI gewesen – wer noch keine eigenen Songs schreiben könne, spiele eben die Stücke seiner Idole nach.
Auch Bandkollegen, die eine Idee zum fertigen Song weiterentwickeln, ordnet er dieser Kategorie zu. Sein Fazit: KI könnte Nutzer künftig vom Songwriting-Schüler zum Meister befördern.
Coles Argument im Wortlaut:
Ich glaube, KI gibt es in der Musik schon so lange, wie es Aufnahmen gibt. Ich glaube tatsächlich, dass Cover-Musik seit langem eine Art analoge KI gewesen ist. [...] Ich denke, wir müssen vorsichtig sein, aber wir sollten uns anschauen, wie diese Technologie uns helfen kann.
Ich glaube, dass KI tatsächlich dabei helfen wird, eine ganz neue Welt von Gitarristen zu schaffen, die sie nutzen. Um sich mit anderen Musikern zu vernetzen, um produktiver zu sein. Und über die Kluft hinweg vom Songwriting-Schüler zum Songwriting-Meister zu werden. Das ist zumindest die Hoffnung.
KI-Lob hier, Klage da: Fenders Widerspruch in eigener Sache
Ausgerechnet in diesen Wochen verschickt Fender laut GuitarWorld Unterlassungserklärungen an große und kleine Gitarrenbauer, die Strat-förmige Korpusse fertigen. Selbst größere Unternehmen wie Thomann oder gar Yamaha sind davor aktuell nicht gefeit (via Reuters).
- Grundlage ist ein im März 2026 bekannt gewordenes Urteil des Landgerichts Düsseldorf, das die Stratocaster-Form als geschütztes Werk angewandter Kunst einstuft – Verstöße können mit bis zu 250.000 Euro Strafe geahndet werden.
- Cole selbst kommentierte das Urteil damit, dass der Schutz von Fenders Designs essenziell sei, um das Erbe der Künstler zu bewahren, die sie geschaffen haben.
Genau dieser Kontrast treibt die Kritik an: Wer die eigene Korpusform bis vors Gericht verteidigt, aber das Training von KI-Modellen an fremder Musik mit dem vergleichsweise harmlosen Erlernen von Cover-Songs gleichsetzt, muss wohl mit zweierlei Maß messen.
Reddit und Gitarrenforum ziehen an einem Strang
Im »Guitar«-Subreddit sammelten sich binnen weniger Tage dazu einige wütende Meinungen: Cole verstehe geistiges Eigentum grundsätzlich nicht – schließlich verklage Fender jeden, der die eigene Gitarrenform kopiert, während das Kopieren fremder Musik durch KI plötzlich unproblematisch sein soll.
Auf dem The Gear Page-Forum bringt es ein anderer Nutzer auf einen anderen Nenner: Eine Coverband habe sich ihr Können über Jahre erspielt, ein KI-Modell dagegen habe einfach Millionen Stunden fremder Arbeit eingesogen. Beim eigenen geistigen Eigentum kenne Fender eben kein Pardon, bei dem der Musiker heiße es plötzlich nur noch »Trainingsdaten«. Die Community-Reaktionen ließ Fender bisher unkommentiert.




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