Ein fehlender Backup-Plan könnte ein Stück amerikanische Kulturgeschichte für immer in der Versenkung verschwinden lassen. Der US-amerikanische Fernsehsender Nine PBS hat völlig unerwartet den Zugriff auf sein 50 Terabyte großes Archiv verloren, das rund 70 Jahre TV-Historie umfasst.
Wie die Nachrichtenseite Current berichtet, hat der vom Sender beauftragte Cloud-Speicher-Anbieter unerwartet Insolvenz angemeldet und ist spurlos von der Bildfläche verschwunden.
Um die drohende Löschung seiner Daten in letzter Sekunde abzuwenden, sah sich der Sender gezwungen, den Weg über das Rechenzentrum zu gehen und dieses auf Herausgabe der Daten zu verklagen.
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Funkstille beim Cloud-Anbieter
Der Albtraum begann für den US-Fernsehsender bereits im März dieses Jahres. Der Sender wollte seinen seit 2019 laufenden Vertrag mit dem Anbieter Open Source Storage verlängern. Doch statt einer Bestätigung kam keine Antwort.
Stattdessen verlor der Sender ohne Vorwarnung und trotz vertraglich versicherter 30-Tages-Frist den Zugang zum Archiv.
Recherchen des Senders offenbarten schnell das Ausmaß der Krise: Die Website des Cloud-Dienstleisters war vom Netz verschwunden und das Unternehmen im Bundesstaat Colorado offiziell als säumig gemeldet.
Rechenzentrum zwischen den Fronten
Nine PBS blieb wenig Zeit und so zog der Sender vor Gericht, um das Rechenzentrum, in dem der insolvente Anbieter die Daten speicherte, auf Herausgabe zu verklagen.
Das Gericht stimmte dem zu und stellte fest, dass der Sender der rechtmäßige Eigentümer der Daten sei. Die Betreiber des Rechenzentrums stimmten zuerst zu, Zugriff auf die Daten zu gewähren, zogen die Zustimmung aber kurz danach wieder zurück.
Die Betreiber äußerten die Befürchtung, dass die insolvente Firma sie verklagen könne, wenn sie die Daten an Dritte, auch wenn es sich um die eigentlichen Besitzer handelt, herausgeben würden.
Der Sender klagt nun gegen das Rechenzentrum, um einen richterlichen Beschluss zu erzwingen, bevor die Server wegen unbezahlter Rechnungen endgültig gelöscht werden.
Eine schmerzhafte Lektion in Sachen Datensicherheit
Für Beobachter der IT-Branche ist der Vorfall ein Paradebeispiel für grobe Versäumnisse bei der Datensicherung.
Der Sender hat die goldene 3-2-1-Regel bei Backups ignoriert. Sie besagt, dass man neben dem Original zwei Kopien von Daten vorhält, die Daten auf zwei unterschiedlichen Speichermedien speichert und eine der Kopien an einem externen Standort aufbewahrt.
Mehr zum Thema Backups: Backups sind wichtig, doch die zentrale Frage ist: Wo sollen sie gespeichert werden?
Mit nur einem NAS-System und einigen Festplatten im zweistelligen Terabyte-Bereich hätte der Sender lokale Kopien der Daten anlegen können, um die Regel zu erfüllen.
Ob es dem Sender gelingt, den Zugriff auf die Daten zu erlangen, ist noch unklar. Hier kommt es darauf an, wie das Gericht entscheidet und ob die Daten noch beim Rechenzentrum vorliegen oder in der Zwischenzeit gelöscht worden sind.




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