Der »heilige Gral der Batterien« war ein Trugschluss – Batterieforscher entlarven finnisches Start-up

Ein finnisches Startup behauptete, den »Heiligen Gral der Batterien« zu haben – nun steht wohl fest, dass das eine Lüge war.

Donut Lab aus Finnland behauptet, die Feststoffbatterie zur Serienreife gebracht zu haben. Unabhängige Tests belegen Teilaussagen des CEOs Marko Lehtimäki – doch wichtige Zahlen fehlen noch. (© Donut Labs) Donut Lab aus Finnland behauptet, die Feststoffbatterie zur Serienreife gebracht zu haben. Unabhängige Tests belegen Teilaussagen des CEOs Marko Lehtimäki – doch wichtige Zahlen fehlen noch. (© Donut Labs)

Update vom 10. Juni 2026: Seit dem Bericht im April hat sich die Lage um das finnische Start-up Donut Lab grundlegend verändert – wir fassen zusammen.

Satz mit X, das war wohl nix: Noch als das finnische Start-up Donut Lab behauptete, eine serienreife Feststoffbatterie entwickelt zu haben, gab es Zweifel an den Behauptungen des Unternehmens.

Schließlich ist der »heilige Gral der Energiespeicher« immer mal wieder zum Greifen nah, aber dass ausgerechnet ein unbekanntes Unternehmen aus dem Nichts damit hervorkommt, bot reichlich Anlass zur Skepsis.

Nun hat der Batterieforscher »Ziroth« auf YouTube usammen mit mehr als 20 unabhängigen Fachleuten eine umfangreiche Untersuchung der Zellen veröffentlicht und kommt zu einem eindeutigen Schluss: Bei der beworbenen Feststoffbatterie handelt es sich laut den Experten um einen herkömmlichen Lithium-Ionen-Akku mit NMC-Chemie – also Nickel-Mangan-Kobalt, was in heutigen Elektrofahrzeugen weit verbreitet ist.

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Als Belege nennt das Expertenteam charakteristische Spannungsverläufe und Ausdehnungsdaten, die auf eine Graphit-Anode hindeuten. Da Natrium-Ionen aufgrund ihrer Größe nicht in Graphit eingelagert werden können, gilt das als starkes Indiz gegen Feststoff-Technologie.

Die tatsächlich gemessene Energiedichte lag der Untersuchung zufolge bei rund 298 Wh/kg – deutlich unter den auf der CES genannten 400 Wh/kg.

Firmennetz hinter dem Akku – Ermittlungen laufen

Die Recherchen fördern zudem ein Geflecht beteiligter Unternehmen zutage: Die Kerntechnologie soll von der deutschen Firma CT Coatings stammen; als Hersteller trat Nordic Nano auf, während Donut Lab als Vermarktungspartner fungierte.

Laut der Untersuchung hat Nordic Nano bislang noch keine einzige Batteriezelle produziert. Dass Frühtester nichts davon an die Öffentlichkeit brachten, erklärt sich laut den Ermittlern durch scharfe NDA-Klauseln, die Zugang zur Zelle an Stillschweigen knüpften.

Rund 1.300 Anleger haben über Crowdfunding-Kampagnen insgesamt 25 Millionen US-Dollar in Donut Lab und das Vorgängerunternehmen Verge Motorcycles investiert. Finnische Finanz- und Strafverfolgungsbehörden prüfen den Fall inzwischen formell (via Electrek).

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Originalmeldung vom 13. April 2026

Anfang des Jahres sorgte ein vergleichsweise unbekanntes finnisches Start-up für Aufsehen: »Donut Lab« behauptete, eine serienreife Feststoffbatterie entwickelt zu haben.

  • Diese gelten seit Jahren als »heiliger Gral der Energiespeicher«, die mit höheren Energiedichten und schnelleren Ladezyklen direkte Vorteile gegenüber bisherigen Akkumulatoren bieten.
  • Das Problem: Die Entwicklung solcher Feststoffbatterien gerät immer wieder ins Stocken, sodass eine Marktreife als mal ein, mal zwei und mal unbestimmte Jahre entfernt gilt.

Dass ausgerechnet ein unbekanntes Start-up des E-Bike-Herstellers Verge Motorcycles den Durchbruch geschafft haben will, nährt also entsprechende Zweifel. Von diesen lässt sich Donut Lab aber bisher kaum beirren und kontert nicht nur mit Tests, sondern nutzt die Gunst der Stunde auch für weitere Monetarisierung.

Zwischen Hype, Skepsis und echtem Fortschritt

Zur CES im Januar 2026 nannte Donut Lab eine Reihe beeindruckender Kennzahlen für seine Feststoffbatterie:

  • Eine Energiedichte von 400 Wh/kg (und damit laut Hersteller rund doppelt so viel wie aktuelle LFP-Batterien).
  • Eine Vollladung innerhalb von fünf Minuten.
  • Bis zu 100.000 Ladezyklen.
  • Ein Betrieb bei Temperaturen zwischen minus 30 und plus 100 Grad Celsius.

Und all das soll ohne seltene Erden oder Edelmetalle passieren. Experten wie Eric Wachsman, der als Direktor des »Maryland Energy Innovation«-Instituts arbeitet, reagierten gegenüber The Verge mit Skepsis:

Ich kann nicht eindeutig darstellen, dass sie das nicht geschafft haben. Was ich dafür sagen kann: Sie haben keine Beweise für ihre Behauptungen geliefert.

Als Reaktion auf die Skepsis beauftragte Donut Lab das renommierte VTT Technical Research Centre of Finland mit unabhängigen Tests und veröffentlichte die Ergebnisse auf der eigens eingerichteten Website »idonutbelieve.com« (ein Wortspiel auf »I do not believe«; »Ich glaube nicht dran«).

Zum Zeitpunkt der Artikelveröffentlichung wurden sechs Testprotokolle veröffentlicht, weitere sollen folgen.

  • Bestätigt wurden hierdurch unter anderem das Schnellladen auf 80 Prozent innerhalb 4,5 Minuten sowie ein stabiler Betrieb bei 80 bis 100 Grad Celsius.
  • Zudem erbrachte Donut Lab den Nachweis, dass es sich um eine echte Batterie und keinen Superkondensator handelt; der Prototyp also keine schnelle Selbstentladung aufweist.

Drei entscheidende Merkmale fehlen jedoch weiterhin. So ist eine unabhängige Bestätigung der genutzten Chemie, die tatsächliche Energiedichte sowie die Zyklenfestigkeit noch offen.

Dass die oft genannte Zahl von 100.000 Ladezyklen kein experimentell verifiziertes Ergebnis, sondern ein Designziel sei, räumte CEO Marko Lehtimäki erst Anfang April 2026 ein – in demselben Video, in dem er auch neues Merchandise ankündigte, das auf oben genanntem Wortspiel aufbaut.

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Das Dendrit-Problem: MIT-Forscher zeigen neue Ursache

Unabhängig von Donut Lab liefert eine neue Studie des MIT (via Nature) wichtige Erkenntnisse darüber, warum Feststoffbatterien industriell bislang kaum skalierbar waren.

Der Hauptschuldige sind demnach die sogenannten Dendriten – gemeint sind metallische Risse, die im Feststoffelektrolyten entstehen, Kurzschlüsse verursachen und die Batterie beschädigen.

  • Bisherige Forschungen behandelten Dendriten hauptsächlich als mechanisches Problem, das sich durch die Entwicklung festerer Elektrolyten lösen lässt.
  • Die MIT-Forscher fanden jedoch das Gegenteil. Je schneller ein Dendrit wuchs, desto geringer war der mechanische Stress in seiner Umgebung.
  • Die eigentliche Ursache sei damit elektrochemischer Natur: Hohe Ladeströme treiben Lithiumionen konzentriert an die Dendritspitze, was zu einer chemischen Zersetzung des Elektrolyten führt und diesen spröde macht.

China will solche Feststoffbatterien indes während des laufenden Jahrzehnts flächendeckend in E-Autos einführen.


Im Laufe des Jahres wissen wir (hoffentlich) mehr

Es ist durchaus denkbar, dass Donut Lab unter anderem dieses Problem tatsächlich vor allen anderen entdeckt und umschifft hat – aktuell bleibt das Start-up jedoch ein Rätsel, dem mit einer gesunden Portion Skepsis entgegenzutreten ist.

Ein Teil der technischen Behauptungen ist zumindest durch unabhängige Tests belegt; die für eine Feststoffbatterie entscheidenden Kennwerte fehlen aber weiterhin.

Immerhin dürfte sich die Lösung bald ergeben, sobald Serienprodukte von Donut Lab am Markt verfügbar sind – geplant ist das laut Lehtimäki noch für 2026.


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