Verkehrsflugzeuge gehören zu den skurrilsten Objekten auf Google Maps. Sie werden zu einem Paradebeispiel für den Physikunterricht

Auf Satellitenbildern für Google Maps verirren sich bisweilen auch Flugzeuge. Doch wer sie genauer anschaut, entdeckt Regenbögen – der Grund: Physik.

Auch Flugzeuge können ins Visier von Satelliten geraten – wenn auch oft mehr aus Versehen. Das Ergebnis ruft derweil stets mehr Fragen hervor als es Antworten gibt.
(Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI und Pixabay, HUNGQUACH679PNG) Auch Flugzeuge können ins Visier von Satelliten geraten – wenn auch oft mehr aus Versehen. Das Ergebnis ruft derweil stets mehr Fragen hervor als es Antworten gibt. (Bildquelle: Adobe Firefly, generative KI und Pixabay, HUNGQUACH679PNG)

Google Maps bildet die Erde in all ihrer landschaftlichen Vielfalt ab. Was wir indes nicht tagtäglich beim Scrollen und Zoomen erblicken, sind Flugzeuge, die seltsam verformt und in Regenbogenfarben gehüllt wie eingefroren im Bild hängen.

Reddit-Nutzer N0gai hat solch ein mysteriöses Flugobjekt per Zufall gesehen und wir widmen diesem Fund einen eingehenden Blick.

Was genau sehen wir hier? Ist es selten und weshalb schaut es so seltsam aus?

Farbstreifen am Himmel

Es dauerte nur den Bruchteil einer Sekunde. In dieser nahm ein uns unbekannter Satellit irgendwann im Jahr 2025 (anhand der Daten am Rand von Google-Maps) das folgende herangezoomte und zur Verdeutlichung bearbeitete Bild eines Flugzeugs auf.

Das herangezoomte Flugzeug über einer Hochebene der Alpen.
(Bildquelle: Google Maps, hochskaliert) Das herangezoomte Flugzeug über einer Hochebene der Alpen. (Bildquelle: Google Maps, hochskaliert)

Wer die Gegend selbst auf Google Maps anschauen möchte, klickt hier. Den Originalthread findet ihr auf Reddit im Unterforum für de.

Wir sehen hier eindeutig ein Flugzeug, zwei Triebwerke, wohl relativ groß und schnell. Wieso letzteres? Das verraten uns die Farben. Wobei der zarte Schein von Grün im Original nahe der Flügelspitzen schon durch Nachbearbeitung verloren ging.

Dennoch: Ihr geradezu spielerischer Verlauf hinter den Tragflächen verdeutlicht, dass wir hier mehrere Bilder desselben Flugzeuges sehen.

Denn Satelliten fotografieren nach Farben getrennt (RGB, Rot/Grün/Blau + weitere für uns unsichtbare Wellenlängen) und setzen die Bilder im Anschluss zusammen.

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Zwischen den Bildern hat sich der Flieger aber mit typischerweise um die 850 Kilometer pro Stunde weiterbewegt, weshalb es zu diesem X-Fach-Farb-Abbild eines fliegenden Verkehrsflugzeuges in 10 Kilometern Höhe kam – aufgenommen aus nochmal deutlich höher liegenden Sphären (typischerweise im niedrigen Erdorbit, 400 bis 800 Kilometer über dem Boden).

Der Effekt nennt sich planebow – zu Deutsch: Flugzeugbogen als Anlehnung an Regenbogen (Englisch: rainbow).

Warum sehen wir ein Objekt vor dem Regenbogen, das einem Flugzeug ähnelt? Das obschon verschwommen erscheinende, dann doch halbwegs real aussehende Flugzeug ist das Ergebnis der Bildverarbeitung, die Google einsetzt. Sie wandelt Satellitenbilder in orthogonale Projektionen um. Sie überlagert die RGB-Kanäle bestmöglich und erzeugt so das »normale Abbild« zusätzlich zu den zeitlich versetzt aufgenommenen Originaldaten.

Je größer die Geschwindigkeit des Objektes, umso aussichtsloser gerät dieser Versuch einer Reparatur durch die Software, wie uns im nächsten Kapitel ein Satellit eindrucksvoll beweist.

Nur eines von vielen

Unter dem Originalpost haben Nutzer bereits Links zu weiteren Beispielen für diese Zufallsfotos hinterlassen:

Beispiel 1 und 2 ähneln unserem Original. Beispiel 3 zeigt augenscheinlich ein langsamer fliegendes und zudem kleineres Flugzeug, und anhand des Satelliten lässt sich die Verschiebung der einzelnen Farben exzellent erkennen.

Die Distanz zwischen den Fotos entspricht der weit höheren Geschwindigkeit des Objektes, wie es auf seinem Orbit um die Erde von einer höher fliegenden Kamera geknipst wurde.

Was für ein Typ ist hier im Flug abgelichtet worden?

Gleichweg wie seltsam das Verkehrsflugzeug (oder eines der anderen) auf den ansonsten ordinären Bildern bei Google-Maps ausschaut, stellt sich eine Ebene darüber eine berechtigte Frage: Was für ein Flugzeug sehen wir hier eigentlich?

Wir bleiben zur Vereinfachung aber bei dem Hauptbeispiel. Der Rest ist eure Hausaufgabe, wenn ihr mögt.

Zum Glück ist die Frage mit etwas verbleibender Unsicherheit relativ einfach zu beantworten. Denn es kommen nicht viele Typen infrage.

Die Antwort liefert uns eine Kombination mehrerer Indikatoren:

  • Anzahl der Triebwerke
  • Flügelgeometrie
    • vor allem die Spitze, das sogenannte Sharklet
  • Form der Nase
  • schwarze Struktur beim Cockpit
  • Ungefähre Größe (berechenbar durch angenommene Flughöhe)
  • die Bemalung ist kaum bis überhaupt nicht zu erkennen, so lassen wir sie außen vor.

Letztendlich verbleiben aus theoretisch dutzenden Kandidaten nur ein Airbus A350 XWB oder eine Boeing 787 bzw. 777 als Möglichkeiten. Alle passen grob von den Maßen her, beide besitzen je zwei Triebwerke und ihre Tragflächen weisen beide die für moderne Strahlflugzeuge extreme, spitz zulaufende Formgebung auf.

Als maßgeblich für die Unterscheidung erweisen sich letztendlich das Cockpit an der Nase des Fliegers sowie die Enden der Flügel.

Bei der schwarzen Fläche um die Cockpitfenster handelt es sich um eine Schutzbemalung, ein plauderhaft als Zorro-Maske bemanntes Feature.

Sie senkt die Wartungskosten, da Schäden beim Scheibentausch einfacher zu übermalen sind. Ferner federt die schwarze Farbe um die Fenster die Temperaturunterschiede im vorderen Teil ab. Dies senkt die Belastung der Scheiben.

Kontext: Die Nase des Flugzeuges erhitzt sich durch den Luftwiderstand, weiter hinten lässt dieser Effekt aber rasch nach. Hierdurch können Spannungen zwischen kühlerer Scheibenumgebung sowie dem Bereich davor auftreten.

Die dunkle Einfärbung sorgt für erhöhte Absorption von Sonnenlicht, und heizt damit die Flächen an den Scheiben auf - ergo eine kleinere Differenz.

Hier seht ihr die zwei charakteristischsten Merkmale des Airbus A350 nebeneinander. Links die Zorro-Maske um die Cockpitfenster und rechts die Sharklets.
(Bildquelle: Unsplash, Lukas Souza und Emily Rusch) Hier seht ihr die zwei charakteristischsten Merkmale des Airbus A350 nebeneinander. Links die Zorro-Maske um die Cockpitfenster und rechts die Sharklets. (Bildquelle: Unsplash, Lukas Souza und Emily Rusch)

Solch eine Zorro-Maske könnte quasi bei allen Flugzeugen auftauchen, in der Praxis nutzt aber vor allem Airbus sie beim A350 XWB. Hierfür sprechen auch die Enden der Flügel.

Obschon sowohl A350 als auch 787 und 777 hier hochgebogene und optisch sich nach hinten wegbiegende Teile besitzen, ähnelt die Form auf dem Maps-Profil eher den Sharklets des Airbus. Sie weisen deutlich schräger gen Himmel und knicken steiler ab.

Deshalb kommen wir hier zum Ergebnis, dass auf dem Google-Maps-Zufallsfoto ein Airbus A350 XWB abgelichtet wurde.

Allerdings besteht die Chance, dass wir uns irren. Die Chancen sollten aber zu unseren Gunsten geneigt sein. Denn die Zorro-Maske kommt in der extremen Ausprägung nur bei wenigen Fluggesellschaften außerhalb des Airbus A350 zum Einsatz, allen voran Air Canada. Wenn dann sähen wir hier alternativ eine Boeing 777 oder 787 von Air Canada

Jetzt seid ihr dran! Findet ihr diese Analyse und Erklärung eines Luftfahrt/Google-Maps-Reddit-Fundes eher albern oder als Fingerübung mal ganz interessant? Und was für Typen sehen wir auf den anderen drei Satelliten-Flugzeug-Schnappschüssen? Schreibt uns eure Meinung, Gedanken und Tipps gerne in die Kommentare.

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