Lange Zeit war der Japanische Schnabelwal
, auch Ginkgo-Schnabelwal
genannt, kaum mehr als ein Schatten in Forschungsdaten. Ein Tier, das man eher erahnte als kannte, obwohl es bereits im Jahr 1958 zoologisch erfasst wurde.
Aus angeschwemmten Kadavern ließen sich Schlüsse ziehen und DNA extrahieren, dazu zeichneten empfindliche Unterwassermikrofone Klickgeräusche auf.
Aber das rätselhafte Signal mit der kryptischen Kennung BW43
blieb ein weitestgehend loses Ende der Wissenschaft. Ein Geräusch ohne ein eindeutiges Gesicht.
Die Suche nach einer Stimme
Im Juni 2024 machte sich dann eine Expedition auf, den Urheber zu finden. Und vor der Küste von Baja California, Mexiko, geschah schließlich das, was man in Studien üblicherweise in nüchterne Sätze presst, obwohl es für die Wissenschaftler mit Sicherheit ein Moment war, den sie nie vergessen werden:
Neben dem Forschungsschiff durchbrach ein silbergrauer Rücken die Meeresoberfläche. Ein kurzes Auftauchen, gerade lang genug, um sich der Sensation bewusst zu werden.
Zum ersten Mal wurde Mesoplodon ginkgodens
, der Japanische Schnabelwal, lebend auf offener See gesehen und dokumentiert.
Mehr als nur ein einzelnes Tier
Die Forscher fanden jedoch nicht bloß dieses eine Exemplar, sondern gleich eine ganze Gruppe. Im Verlauf der Expedition entdeckten sie insgesamt sogar fünf Verbünde dieser scheuen Tiere, was äußerst bemerkenswert ist, bedenkt man, wie lange sie unentdeckt geblieben sind.
Während dieser Begegnungen tauchten parallel auch immer wieder BW43-Signale auf. So wurde langsam klar, dass man hier tatsächlich jenes Wesen vor sich hatte, das seit gut eineinhalb Jahrzehnten wiederholt in den Tiefen des Pazifiks von Hydrofonen erfasst wurde.
Den letzten Zweifel beseitigten winzige Hautproben, entnommen per oberflächlicher, für die Tiere ungefährlicher Biopsie. Die Genetik bestätigte, was die Forscher bereits ahnten: Es war wirklich der Japanische Schnabelwal.
Warum der Wal nach Ginkgo
benannt ist
Seinen Namen verdankt der Ginkgo-Schnabelwal dem Blatt des fernöstlichen Ginkgo-Baums. Die männlichen Tiere besitzen zwei flache Zähne, die so sehr nach den unverkennbaren Fächern aussehen, dass sich der Artname fast von selbst erklärt: ginkgo-dens
– Ginkgo-Zahn
.
Mesoplodon wiederum bezeichnet die Gattung der sogenannten Zweizahnwale, die zur Familie der Schnabelwale gehören. Die zoologische Zuordnung liest sich ab der sogenannten Ordnung
folgendermaßen:
- Ordnung: Wale (Cetacea)
- Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
- Familie: Schnabelwale (Ziphiidae)
- Gattung: Zweizahnwale (Mesoplodon)
- Art: Japanischer Schnabelwal/Ginkgo-Schnabelwal (Mesoplodon ginkgodens)
Was wir wissen – und was nicht
Die Tiere werden laut der Whale and Dolphin Conservation (WDC) bis zu 5,3 Meter lang. Beim Gewicht gibt es ebenfalls nur Schätzungen, weibliche Exemplare liegen demnach bei höchstens 1.840 Kilogramm. Viel mehr weiß man nicht – noch nicht. Die Wissenschaft ist gerade dabei, den Schleier zu lüften.
Die eigentliche Entdeckung wurde zwar schon Mitte 2024 gemacht, doch das zugehörige Paper erschien erst Ende Juli 2025. Und erst in den letzten Wochen rückte dieser scheue, lange überhörte
Wal mehr und mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit.
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