Mehr FPS auf Knopfdruck? Wir haben kostenlose Game Booster für euch ausprobiert

Gratis mehr Leistung, das versprechen die zahlreichen Game Booster. Wir haben sie für euch unter die Lupe genommen und geschaut, was sie wirklich bringen.

Endlich ist das heißersehnte Spiel erschienen. Ganz ungeduldig starrt ihr auf den Download-Fortschritt, der quälend langsam voranschreitet. Dann ist die Installation abgeschlossen, das Spiel startet und eine wunderschöne, permanent ruckelnde Spielwelt breitet sich vor eurem Auge aus.

Moment, ruckelnd?! Ja Mensch, wie ärgerlich ist das denn? Gerade auf älteren Systemen kommt es leider immer wieder vor, dass hardwarehungrige Titel nicht flüssig laufen. Sogenannte Game Booster versprechen hier schnelle Abhilfe, und das noch dazu kostenlos. Grund genug, in bester Spock-Manier skeptisch eine Augenbraue zu heben.

Deshalb haben wir uns für euch drei der gängigsten Tools angeschaut und auf Bedienung, Funktionen und natürlich die Auswirkungen auf die Spiele-Performance hin getestet. Können Game Booster eure Spiele wirklich spürbar beschleunigen? Finden wir es heraus!

Diese Tools haben wir getestet

Beim Blick auf die erhältlichen Programme stechen drei Stück besonders aus der Masse hervor: Die Cortex-Software des Peripherie-Herstellers Razer, der via Steam erhältliche Smart Game Booster sowie der Wise Game Booster.

Alle drei Tools werben mit einer einfachen Bedienung und nützlichen Funktionen, die eure Spiele mess- und spürbar beschleunigen sollen. Außerdem sind sie allesamt gratis erhältlich.

Den Smart Game Booster und den Wise Game Booster gibt es zwar auch in einer um zusätzliche Funktionen erweiterten Bezahlvariante. Da sich die meisten von euch wenn überhaupt aber für die Gratis-Versionen interessieren dürften, haben wir uns für diesen Praxis-Check auf ebenjene beschränkt.

Wichtiger Hinweis: Bedenkt bitte, dass die Benutzung dieser Tools auf eurem System stets auf eigene Gefahr erfolgt! Es kann nie ausgeschlossen werden, dass einige der Optimierungen dauerhaften Dateiverlust oder andere Probleme verursachen. Seid euch des Risikos also stets bewusst und überlegt euch gut, ob ihr die Tools ausprobieren möchtet. Außerdem können sie die Ergebnisse je nach Hardware unterscheiden.

Das ist unser Test-System

Die Game Booster sollen einigen besonders hardwarehungrigen Spielen auf unserem System Beine machen. Folgende Hardware ist verbaut:

  • CPU: Intel Core i7-11800H
  • Grafikkarte: Geforce RTX 3070 Mobile (140 Watt TGP)
  • RAM: 16,0 GByte DDR4-3200 MHz (2x 8 GByte)
  • Speicher: 512 GB M.2 PCIe-NVMe
  • Display: 1080p, 240 Hz

Es dürfte einleuchtend sein, dass insbesondere schwächere Rechner von einem Game Booster profitieren sollten. Das betrifft vor allem den Arbeitsspeicher, da die Hauptfunktion der Tools darin liegt, nicht benötigte Hintergrundprozesse zu beenden und somit Speicherplatz freizuschaufeln, der dann von dem Spiel eurer Wahl genutzt werden kann.

Deshalb haben wir unseren Rechner manuell verlangsamt und ein Speichermodul ausgebaut, sprich statt 16 GByte verrichten nur noch 8 GByte ihren Dienst. Getestet haben wir die Spiele Red Dead Redemption 2, Cyberpunk 2077, Metro: Exodus und Forza Horizon 5. Können Game Booster hier etwas bewirken?

Razer Cortex

Die Razer-Cortex-Software sieht hübsch aus und bietet nützliche Zusatzfeatures. Etwas störend ist die ab und zu am unteren Fensterrand eingeblendete Werbung, die sich aber wegklicken lässt. Die Razer-Cortex-Software sieht hübsch aus und bietet nützliche Zusatzfeatures. Etwas störend ist die ab und zu am unteren Fensterrand eingeblendete Werbung, die sich aber wegklicken lässt.

Beim ersten Blick fällt die sehr moderne Oberfläche mit hübschen Transparenzeffekten auf, die beim Layout an Steam, Origin, UPlay, den Epic Launcher und andere Tools erinnert. Ihr dürftet euch also schnell zurechtfinden. Die Cortex-Software scannt euer System nach bereits installierten Spielen und zeigt sie euch an.

Viele weitere Funktionen gehen über das Beschleunigen der Spiele hinaus: Eine FPS-Anzeige, die Integration eurer Spiele-Bibliotheken von Steam, Origin, GOG und Co. sowie eine Suche nach empfohlenen Discord-Servern machen klar, dass Razer sich mit diesem Tool ganz explizit an Gaming-affine User richtet.

Über den Reiter Game Booster werden euch übersichtlich alle möglichen Optimierungs-Maßnahmen angezeigt, samt einer kurzen Erklärung zu jedem Schritt. Das schafft Transparenz und ihr habt die Kontrolle darüber, wie stark das Tool in euer System eingreifen soll. Ebenfalls lobenswert: Hier wird durchgehend von Optimierungen gesprochen, nicht von Warnungen oder Problemen. Ein Punkt, auf den wir bei einem der Mitbewerber noch zu sprechen kommen werden.

Performance-Auswirkungen: Wir haben uns für die standardmäßig vorgeschlagenen Maßnahmen entschieden und auf die Schaltfläche Jetzt boosten geklickt, um zu prüfen, welchen Nutzen die Software bringt, wenn man nicht zunächst viel Zeit in die Feinjustierung stecken möchte.

Quer durch unseren kleinen Spiele-Parcours hinweg haben wir einen Performance-Zuwachs von im Schnitt vier Bildern pro Sekunde gemessen, was je nach Titel im Bereich von fünf bis sieben Prozent Mehrleistung liegt. Den entscheidenden Schritt von unspielbar hin zu spielbar hätten wir damit in unseren Beispielen aber nicht erzielen können.

Smart Game Booster

Der Smart Game Booster möchte natürlich smart wirken und geizt deshalb mit Einstellungen. Man soll sich einfach auf den Boost-Button verlassen. Der Smart Game Booster möchte natürlich smart wirken und geizt deshalb mit Einstellungen. Man soll sich einfach auf den Boost-Button verlassen.

Bereits die ersten Sekunden nach dem Start des Smart Game Boosters gestalten sich interessant. Denn wir werden von einem lauten, schrillen Alarmton begrüßt, der sich auch nicht abstellen lässt. Der Grund sei eine zu hohe CPU-Temperatur - ein Blick auf unsere Messtools zeigt aber, dass alles im grünen Bereich ist. Ohnehin hätten wir diese aufdringliche Zusatzfunktion nicht von einem Game Booster benötigt. Auch im Anschluss zucken wir jedes Mal zusammen, wenn der Temperatur-Alarm urplötzlich abgespielt wird.

Die Oberfläche ist übersichtlich, bietet aber kaum Optionen. Lediglich ein großer Boost-Knopf wartet darauf, gedrückt zu werden. Im Anschluss werden automatisch alle Optimierungen vorgenommen, ohne dass wir noch weiteren Einfluss auf den Prozess haben. Immerhin: Sämtliche Änderungen lassen sich im Anschluss wieder rückgängig machen.

Ein nettes Zusatzfeature des Smart Game Booster ist der Reiter Can I Run It. Wer jetzt an die berühmte Can it run Crysis?-Floskel denkt, die viele Jahre im Gaming-Sektor beliebt war, kann sich die Funktionsweise bereits selbst erklären: Hier bekommt ihr nach der Eingabe eines Spielenamens angezeigt, ob euer Rechner die minimalen und empfohlenen Systemanforderungen erfüllt.

Can it run Crysis? Das verrät euch diese praktische Zusatzfunktion des Smart Game Booster. Can it run Crysis? Das verrät euch diese praktische Zusatzfunktion des Smart Game Booster.

Performance-Auswirkungen: Leider tritt nach der Optimierung durch den Smart Game Booster sowohl im Wilden Westen von Red Dead Redemption 2 als auch in der Postapokalypse von Metro: Exodus permanentes Bildstottern auf. In Cyberpunk 2077 und Forza Horizon 5 festigt sich das Bild, dass wir bereits bei der Razer-Cortex-Software erhalten haben: Ein paar FPS mehr lassen sich messen, dennoch liegt auch hier der Performancegewinn nur bei knapp fünf Prozent.

Wise Game Booster

Eine rote Schriftfarbe, die Rede ist von Warnungen und Problemen - der Wise Game Booster hat einen Hang zur Dramatik. Eine rote Schriftfarbe, die Rede ist von "Warnungen" und "Problemen" - der Wise Game Booster hat einen Hang zur Dramatik.

Der Wise Game Booster scheint in Sachen Optik in den frühen 2000ern steckengeblieben zu sein. Hübsch ist anders, aber was zählt, sind natürlich ausgereifte Funktionen und möglichst große Auswirkungen der durchgeführten Optimierungen. Hier werden keine Spiele automatisch erkannt, stattdessen müsst ihr sie zunächst manuell der Übersicht hinzufügen, bevor die Software analysiert, welche Maßnahmen ergriffen werden können.

Kritisch sehen wir die Art und Weise, wie der Wise Game Booster die in Frage kommenden Vorgänge - also das Freischaufeln von Arbeitsspeicher oder die Deaktivierung ungenutzter Prozesse - betitelt. Statt von Optimierungen wird hier von Warnungen gesprochen, was eine Dringlichkeit suggeriert, die es einfach nicht gibt.

Dieser negative Ersteindruck verfestigt sich nach der durchgeführten Optimierung noch weiter, denn nur wenige Sekunden danach schmiert unser WLAN-Treiber komplett ab und wir sind gezwungen, den Rechner neu zu starten. Dadurch gehen natürlich auch alle anderen vorgenommenen Änderungen wieder verloren, was den Sinn und Zweck der Software ad absurdum führt.

Performance-Auswirkungen: Obwohl der Wise Game Booster an den gleichen Stellschrauben drehen müsste wie die anderen zwei Tools, können wir hier keinerlei Performance-Zuwachs feststellen. Da haben wir doch lieber eine aktive Internetverbindung!

Egal ob Cyberpunk 2077, Red Dead Redemption 2 oder andere fordernde Titel: Die Nutzung der Game Booster machte keinen relevanten Unterschied. Egal ob Cyberpunk 2077, Red Dead Redemption 2 oder andere fordernde Titel: Die Nutzung der Game Booster machte keinen relevanten Unterschied.

Fazit: Was taugen die Game Booster?

Ja, Game Booster können eure FPS in der Tat steigern - das aber vor allem auf älteren Systemen, die ohnehin kaum noch zum Spielen aktueller Titel geeignet sind. Vor allem weniger als 8 GByte Arbeitsspeicher dürften heutzutage kaum noch in einem Gaming-Rechner verbaut sein.

Habt ihr einen derart veralteten PC und möchtet unbedingt noch etwas Performance rauskitzeln, kann euch die Nutzung von Game Boostern im Schnitt rund fünf Prozent höhere Bildraten bescheren, was vor allem dem Abschalten potenziell leistungsfressender Hintergrundprozesse geschuldet ist. Ein Stück weit hängt die Effizient der Booster-Tools also auch davon ab, was ihr sonst noch alles auf eurem System installiert habt.

Am Besten gefallen hat uns die Cortex-Software von Razer. Zwar können wir damit auch nur geringe FPS-Zugewinne erzielen, aber das Programm wirkt am professionellsten, bietet nützliche Zusatzfunktionen und verursachte in unserem Test auch keine Probleme mit Treibern oder anderen Diensten.

In den meisten Fällen könnt ihr euch die Nutzung der Game Booster aber sparen, vor allem wenn ihr ohnehin schon einen leistungsfähigen Rechner habt. Diese Tools werden euch keine Sprünge von dutzenden FPS bescheren, auch wenn sie oftmals so beworben werden. Zumindest würde uns kein alltagsnahes Szenario einfallen, in dem ein System derart lahmt, dass das Beenden einiger Hintergrundprozesse bereits zu einem prozentualen Performancegewinn im zweistelligen Bereich führt.

Unbestritten nützliche Hardware-Tools, die nach Meinung unseres Hardware-Redakteurs Nils fast schon unverzichtbar sind, findet ihr hier:

Wie ist eure Meinung zu derlei Tools? Habt ihr sie schon immer mit einer gewissen Skepsis betrachtet oder fallen eure Erfahrungen gar gänzlich anders aus als unsere und ihr könnt unser eher negatives Fazit kaum nachvollziehen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare und lasst uns darüber quatschen!

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