Bei Elektroautos wird oft über Reichweite, Ladezeiten oder Umweltbilanz diskutiert. Ein Punkt bleibt hingegen meist außen vor: der Diebstahl.
Tatsächlich zeigen regelmäßige Auswertungen von Versicherungen und Behörden, dass Elektroautos deutlich seltener gestohlen werden als vergleichbare Verbrenner.
Die Zahlen: E-Autos sind aktuell deutlich seltener betroffen
Diese Beobachtung lässt sich sowohl in Deutschland als auch international belegen. Das Bundeskriminalamt veröffentlicht jedes Jahr ein Bundeslagebild Kfz- Kriminalität, das zeigt, dass Elektroautos bislang deutlich seltener von Diebstahl betroffen sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
Auch internationale Daten bestätigen diesen Trend: Laut Highway Loss Data Institute (HLDI) gehören mehrere Elektro- und Plug-in-Hybridmodelle zu den am seltensten gestohlenen Fahrzeugen. Einige Modelle liegen dabei mehr als 85 Prozent unter dem durchschnittlichen Diebstahlniveau der Branche.
Auch die Polizei Berlin sieht in der Praxis Hinweise darauf, dass Elektroautos derzeit nicht im Fokus der Täter stehen, verweist aber zugleich auf eine wichtige Einschränkung: Es erfolgt keine statistische Auswertung in dieser Hinsicht, sodass dementsprechend auch keine Zahlen vorliegen
, erklärt uns ein offizieller Sprecher der Polizei Berlin auf Anfrage.
Gleichzeitig zeige ein aktueller Blick in die Lage, dass am vergangenen Wochenende in Berlin 33 Fahrzeuge Gegenstand eines Diebstahls oder Diebstahlversuchs gewesen seien. Lediglich ein Fahrzeug davon verfügte über einen ausschließlichen Elektroantrieb
, so der Sprecher. Vier weitere Fahrzeuge hätten einen Hybridantrieb besessen.
Damit bestätigt die Polizei Berlin nicht im statistischen Sinn, dass E-Autos grundsätzlich seltener gestohlen werden. Ihre Beobachtung stützt aber das Bild, dass klassische Verbrenner im Alltag der Autodiebe weiterhin deutlich stärker im Fokus stehen.
59:10
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Warum E-Autos für Diebe weniger attraktiv sind
Die Gründe dafür sind weniger spektakulär, als man vermuten könnte, aber gut nachvollziehbar.
Ein wichtiger Faktor ist das Nutzungsverhalten. Elektroautos werden häufiger in Garagen oder in unmittelbarer Nähe von Gebäuden geparkt, weil dort Lademöglichkeiten vorhanden sind. Dadurch sind sie für Diebe oft schwerer zugänglich als Fahrzeuge, die regelmäßig im öffentlichen Raum stehen.
Schaut man auf die Statistiken des GDV, taucht erst auf Platz 12 der Kia EV6 auf, gefolgt vom Hyundai Ioniq 5 auf Platz 15.
Lieblinge der Autodiebe 2024 – Top 15
| Platz | Hersteller | Modellreihe | Diebstähle je 10.000 Pkw | Schaden pro Diebstahl |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Toyota | Lexus NX 1. Generation | 130 | 26.730 € |
| 2 | Toyota | LandCruiser 4. Generation | 104 | 41.268 € |
| 3 | Toyota | Lexus UX 1. Generation | 99 | 17.504 € |
| 4 | Chrysler | Grand Cherokee 4. Generation | 87 | 29.411 € |
| 5 | Kia | Stinger 1. Generation | 81 | 29.217 € |
| 6 | Toyota | RAV4 5. Generation | 77 | 24.931 € |
| 7 | Hyundai | Santa Fe 4. Generation | 59 | 29.350 € |
| 8 | Audi | Q7 2. Generation | 53 | 39.657 € |
| 9 | Fiat | Alfa Stelvio 1. Generation | 52 | 26.325 € |
| 10 | Kia | Niro 2. Generation | 48 | 27.704 € |
| 11 | BMW | X6 2. Generation | 47 | 36.436 € |
| 12 | Kia | EV6 1. Generation | 46 | 35.520 € |
| 13 | Land Rover | Range Rover Sport 2. Generation | 45 | 48.637 € |
| 14 | Renault | Talisman 1. Generation | 43 | 15.643 € |
| 15 | Hyundai | Ioniq 5 1. Generation | 42 | 30.825 € |
Auch der Teilehandel spielt eine zentrale Rolle. Bei klassischen Verbrennern lassen sich Motoren, Getriebe oder andere Ersatzteile vergleichsweise leicht weiterverkaufen, weil sie in vielen Modellen verwendet werden. Dieser Markt ist etabliert und international vernetzt.
Bei Elektroautos ist das bislang anders: Batterien sind schwer auszubauen, teurer und technisch weniger standardisiert. Dadurch ist der illegale Teilehandel deutlich weniger attraktiv.
Allerdings verschiebt sich das Risiko teilweise. Während komplette Fahrzeuge seltener gestohlen werden, nimmt der Diebstahl von Zubehör zu. Dazu gehören vor allem Ladekabel oder mobile Ladeeinheiten, die vergleichsweise leicht zugänglich sind und sich einfacher weiterverkaufen lassen.
In einem Interview mit der Tagesschau gab eine Sprecherin von Ionity an: Ein einzelner Kabeldiebstahl verursacht für uns Kosten zwischen 2.500 und 5.000 Euro.
Die Zahl der Vorfälle wird aber aktuell wohl nur intern durch die Betreiber erhoben. Das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärten im selben Artikel, dass die Polizeistatistik diese Fälle nur begrenzt erfassen könne.
Technik und Sicherheit: Höhere Hürden für Diebe
Auch technische Unterschiede können eine Rolle spielen. Elektroautos sind häufig stärker digitalisiert, stärker vernetzt und enger mit App-Systemen, Softwarefreigaben oder Standortdiensten verbunden.
Das bedeutet nicht, dass sie nicht gestohlen werden können. Es kann aber die Verwertung erschweren, besonders wenn ein Fahrzeug nicht einfach weiterverkauft, sondern wieder in den Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden soll.
Ähnlich ordnet es uns auch die Polizei Berlin ein: Teilweise dürften sicherlich auch die Unterschiede in technischer Hinsicht die Diebesbanden – zumindest noch zur Zeit – vor Probleme stellen, E-Autos wieder in Gänze in den Wirtschaftskreislauf einzuführen
Wesentlich sei aber ein anderer Punkt: Nach wie vor [existiert] noch kein ausreichend großer Absatzmarkt für derartige Fahrzeuge.
Damit wird klar: Der Diebstahlschutz entsteht nicht allein durch Software, digitale Schlüssel oder Ortungsfunktionen. Entscheidend ist auch, ob sich ein gestohlenes Fahrzeug oder seine Teile schnell, unauffällig und profitabel weiterverkaufen lassen.
Genau hier haben organisierte Diebesbanden bei Verbrennern leichteres Spiel: Der Markt für Ersatzteile ist größer, etablierter und international besser eingespielt.
Elektroautos werden aktuell messbar seltener gestohlen als Verbrenner. Dieser Vorteil dürfte allerdings nicht automatisch dauerhaft bleiben.
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Die Polizei Berlin geht davon aus, dass sich mit dem steigenden Verbreitungsgrad von E-Autos in Europa auch die Zielrichtung beim Diebstahl von Kfz verändern wird.
Anders gesagt: Wenn mehr E-Autos auf den Straßen sind, mehr Ersatzteile gebraucht werden und mehr Werkstätten mit der Technik umgehen können, dürfte auch der illegale Markt wachsen.
Aktuell sind Elektroautos also offenbar weniger attraktiv für Autodiebe. Nicht, weil sie unangreifbar wären, sondern weil sich der Diebstahl für organisierte Banden oft noch weniger lohnt. Mit wachsender Verbreitung könnte sich genau das ändern.


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