Auch auf der IFA gibt es Tech-Neuheiten, die das Gaming-Hertz höher schlagen lassen. Der mittelmäßig gute Wortwitz ist in dem Fall sogar wörtlich zu nehmen, denn: Auf dem Datenblatt wird dieses Jahr bei verschiedenen Herstellern wieder an der Bildwiederholrate geschraubt.
Die Hauptverdächtigen, wenn man mit vielen Bildern punkten möchte: 240 Hertz bei 4K, 360 Hz bei 1.440p oder 480-500 Hz bei 1.080p, das alles gerne auch mit einem Dual-Mode, der zwischen den Kombinationen hin und herschalten kann.
Natürlich muss aber immer auch jemand noch eine Kirsche auf die Sahne setzen. Das chinesiche Unternehmen Antgamer will zur IFA auch in Europa durchstarten und hat dafür unter dem Produktnamen ANT257PF
ein Full-HD-Display mit 750 Hertz (!) angekündigt.
Der Vollständigkeit halber die restlichen Specs des Monitors: 24 Zoll TN-Panel, 400 cd/m² Spitzenhelligkeit, 1000:1 Kontrast, DCI-P3-Abdeckung von 95 Prozent und eine GtG-Reaktionszeit von 0.8 ms.
Das ist technisch beeindruckend. Aus Spielersicht muss ich aber sagen: Wir sind allerspätestens hier an einem Punkt angelangt, an dem mehr Hertz keinen merklichen Vorteil liefern. Schon bei 360 Hertz kratze ich mir selbst als E-Sport-affiner Spieler einfach nur noch am Kopf und bemerke selbst im Direktvergleich kaum einen Unterschied.
Lange Rede kurzer Sinn: Diese Jagd nach höherer Bildwiederholrate ist allmählich zu einem Herstellersport verkommen, bei dem es nur noch um Marketing-Highscores statt Mehrwert geht.
55:48
Gaming-Monitore: Führt an OLED kein Weg mehr vorbei?
Glücklicherweise sind Hertzwerte nur einer von zwei großer Monitortrends auf der IFA und zweiterer löst bei mir schon deutlich mehr Euphorie aus. Gerade die etablierten Monitor-Unternehmen geben nämlich immer mehr Gas bei einer neuen Display-Technologie, die OLED schon gefährlich werden könnte, noch bevor die überhaupt so richtig im Mainstream angekommen sind.
Die Rede ist von Mini-LED, das ich unter anderem bei TCL oder HKC (will nächstes Jahr in Europa einsteigen) im Direktvergleich mit OLED betrachten konnte.
Der Unterschied kurz und stark vereinfacht erklärt: Bei OLED leuchtet jeder verbaute Pixel selbst. Mini-LED hat das nicht, sondern verwendet ein Backlight, dass durch überliegende Display-Schichten durchleuchtet.
Und mir ist vor Ort die Kinnlade heruntergeklappt, wie matt das vielbesungene OLED demgegenüber aussieht. Bei 27 Zoll und 1.152 Dimming-Zonen hab ich hier Mini-LED-Modelle gesehen, die auf 1.400 bis 2.000 cd/m² typische Helligkeit kommen, was mal eben das doppelte vom durchschnittlichen OLED-Display ist.
Ich durfte es bei TCL kurz an Elden Ring ausprobieren und habe noch nie so ein farbenfrohes, kräftiges und sattes YOU DIED
auf meinem Bildschirm gesehen. Es hat mich schon sehr überrascht, wie viel besser sich das Spielerlebnis auf dem Mini-LED angefühlt hat.
Und dabei steht die Entwicklung von Mini-LED noch immer am Anfang: Das angesprochene Unternehmen HKC arbeitet wohl an einem 32 Zoll großen Panel mit mehr als 9.000 Zonen; wie man diese Menge erreichen will, konnte man mir aber nicht erklären.
Und das zweitbeste an der Geschichte: Im Gegensatz zu den aktuellen OLED-Monitoren sind die Mini-LED-Neuankündigungen vergleichsweise bezahlbar. Acer hat etwa ein neues Modell für das zweite Quartal 2026 angekündigt, das bei 600 Euro liegen soll. Vielleicht spricht aus mir der Messejubel, aber nach meinen Vergleichen kribbelt es mir schon unter den Fingern, meinen OLED am Spiele-PC zu ersetzen.
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