KI kann jetzt tatsächlich Gedanken lesen – Forscher entschlüsseln 74 Prozent der gedachten Worte, doch es gibt Grenzen

Die Probanden konnten ihre Gedanken sogar mit einem »Passwort« schützen.

Mithilfe von KI sollen Gedanken lesbar werden. (Bild: DeltaWorks via Pixabay) Mithilfe von KI sollen Gedanken lesbar werden. (Bild: DeltaWorks via Pixabay)

Die Fähigkeit, Gedanken zu lesen, ist ein Traum, den wir bisher eher aus Fantasy und Science-Fiction kennen. Die Technologie auf diesem Gebiet macht mittlerweile aber auch große Fortschritte. Dabei spielt – wenig überraschend – KI eine große Rolle.

Forscher können mit KI teilweise Gedanken lesen

Forscher von der Standford-University rund um die Elektroingenieurin Erin Kunz haben nun im Fachmagazin Cell eine Studie zu einem interessanten Experiment veröffentlicht. Dabei wurden Brain-Computer-Interfaces (BCI) genutzt, um Gedanken von Versuchspersonen zu decodieren.

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Bei dieser Technologie werden Probanden spezielle Sensoren direkt ins Gehirn implantiert. Diese können dann neuronale Aktivität in Form von elektrischen Impulsen wahrnehmen. BCI werden beispielsweise genutzt, um gelähmten Personen die Nutzung einer Prothese oder eines Computers zu ermöglichen.

Während Impulse wie das Schließen einer Hand vergleichsweise gut erkannt werden können, ist das bei Gedanken wie inneren Monologen deutlich schwieriger. Bei vielen Versuchen wurden die Probanden deshalb angewiesen, zu versuchen, die gedachten Wörter tatsächlich zu artikulieren.

Das ist allerdings auf Dauer ziemlich anstrengend und daher keine optimale Lösung, etwa für Patienten, die aufgrund einer Lähmung nicht mehr sprechen können. Das neue Experiment zielte daher darauf ab, die Gedanken direkt zu lesen.

Dafür sollten sich die Versuchspersonen Sätze vorstellen, die dann ausgelesen und mithilfe von KI nahezu in Echtzeit übersetzt wurden. Um die persönlichen Gedanken der Probanden zu schützen, mussten diese sogar an ein »Passwort« denken, um die Übersetzung zu aktivieren.

Das sind die Ergebnisse: Insgesamt werden die Ergebnisse von den Forschern als sehr vielversprechend bewertet. Bis zu 74 Prozent der gedachten Wörter konnten korrekt ausgelesen werden. Teilweise waren es aber auch nur etwa 50 Prozent.

Die Technologie ist also noch weit davon entfernt, tatsächlich jegliche Gedanken perfekt auslesen zu können. Hinzu kommt, dass viele natürliche Gedanken nicht unbedingt in ausformulierten Sätzen gedacht werden. Das Auslesen funktioniert daher nur, wenn die denkende Person auch an ganze Sätze denkt.

Wir müssen also vorerst keine Angst haben, dass KI all unsere Gedanken, Träume und Geheimnisse liest und veröffentlicht. Viel mehr könnte das Verfahren kranken und gelähmten Menschen ermöglichen, vergleichsweise direkt mit anderen zu kommunizieren.

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