Unser Gehirn schlägt moderne Chips in einem Punkt deutlich – und braucht dafür nur 20 Watt

Moderne Chips sind bei Spezialaufgaben haushoch überlegen. Doch bei flexibler Informationsverarbeitung pro Watt hat das Gehirn die Nase klar vorn.

Das menschliche Gehirn ist eines der komplexesten Systeme, das wir kennen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Das menschliche Gehirn ist eines der komplexesten Systeme, das wir kennen. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Moderne Mikrochips sind technische Kraftpakete. Sie verarbeiten enorme Datenmengen, trainieren Sprachmodelle und liefern Rechenleistung, die vor gar nicht allzu langer Zeit kaum vorstellbar gewesen wäre.

Doch in einem Punkt sehen selbst High-End-Prozessoren erstaunlich alt aus: bei der Energieeffizienz allgemeiner Informationsverarbeitung.

Denn während ein leistungsstarker Chip ohne Weiteres mehrere hundert Watt ziehen kann, kommt das menschliche Gehirn mit gerade einmal 20 Watt aus. Das ist ungefähr so viel, wie eine schwache Glühbirne benötigt.

Und trotzdem erkennt es Gesichter, versteht Sprache, lernt permanent weiter und funktioniert selbst dann noch erstaunlich gut, wenn Informationen lückenhaft, mehrdeutig oder gar widersprüchlich sind.

Nicht stärker, sondern pro Watt besser

Natürlich ist der Vergleich nicht ganz fair. Denn ein Gehirn rechnet nicht wie eine GPU oder irgendein anderer klassischer Prozessor.

Diese sind in der Regel für klar definierte Operationen gebaut, etwa Matrixmultiplikationen bei Grafikprozessoren oder andere logische Befehle. Sie sind ausgelegt auf hochpräzise, deterministische Berechnungen.

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Das Gehirn arbeitet dagegen mit verrauschten, analogen und probabilistischen Signalen, verteilt, fehlertolerant und zugleich ständig lernend. Die Fehlertoleranz kann man dabei gar nicht groß genug schreiben.

Während ein einziger sogenannter Bit-Flip (unbeabsichtigter Wechsel von 0 auf 1 oder umgekehrt) kritische Fehler verursachen und im Extremfall Systeme zum Absturz bringen und Daten zerstören kann, ist ein Gehirn extrem robust.

Im Vergleich zu einer GPU, die homogene Operationen hochgradig parallelisiert, arbeitet es zudem sehr viele heterogene Prozesse gleichzeitig, aber viel langsamer ab.

Deshalb geht es hier auch nicht um die Frage, ob das Gehirn »schneller« ist. Das ist es in vielen Fällen bei Weitem nicht. Eine moderne CPU oder GPU ist bei klar umrissenen Berechnungen haushoch überlegen.

Der Vorsprung des Gehirns liegt woanders: bei flexibler Informationsverarbeitung pro Watt.

Warum das Gehirn so sparsam arbeitet

Der zentrale Grund dafür liegt in seiner Architektur. In klassischen Computern sind Speicher und Recheneinheiten voneinander getrennt. Daten müssen ständig hin- und hergeschoben werden – und das kostet enorm viel Energie.

Im Gehirn sind Verarbeitung und Speicherung viel enger miteinander verschaltet. Eine Synapse ist vereinfacht gesagt nicht bloß Leitung, sondern zugleich Verbindungsstelle, Lernmechanismus und Teil des Speichers. Hier ist die Rede von synaptischer Plastizität.

Hinzu kommt, dass das Gehirn nicht auf Dauerfeuer eingestellt ist. Neuronen feuern überwiegend ereignisbasiert und nicht mit anhaltend hoher Aktivität, statt dauerhaft Schaltungen aktiv zu halten und ständig Daten durchs System zu bewegen.

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Das ist natürlich keine vollständige Erklärung, aber die Grundidee sollte klar sein: Der eigentliche Energiefresser ist oft nicht das Rechnen selbst, sondern der Transport von Information.

Es gibt zwar kein einheitliches Modell, das genau sagt, wie viel Leistung in Prozessoren auf das reine Rechnen und den Informationstransport entfällt. Aber in der Regel ist schon jeder Zugriff auf Caches (SRAM) deutlich »teurer« als Rechenoperationen – Stichwort: Von-Neumann-Flaschenhals.

Vom Hauptspeicher (DRAM) ganz zu schweigen. Hier geht es schnell um mehrere Größenordnungen Unterschied. Und genau in dieser Hinsicht zeigt das Gehirn eine außergewöhnlich hohe Effizienz.

Warum das so wichtig wird

Die Chipindustrie schaut schon seit Jahren sehr genau auf das Gehirn. Unter Begriffen wie neuromorphes Computing versuchen Entwickler, Prinzipien biologischer Nervensysteme technisch nachzuahmen, Speicher und Rechenlogik enger zu verzahnen und Energie zu sparen.

Das ist kein Zufall. Je mehr Mikrochips in unseren Alltag Einzug halten, desto wichtiger wird vor allem die Leistung pro Watt. Und auf diesem Feld bleibt das Gehirn ein Maßstab, an dem sich moderne Hardware bis heute messen lassen muss.


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Fazit

Das Gehirn ist kein Superchip für Tabellenkalkulationen, Simulationen oder Matrixmultiplikationen. Aber es zeigt etwas, das in vielen Debatten leicht untergeht: Intelligenz muss nicht automatisch gewaltige Mengen Strom verschlingen.

Moderne Chips mögen in ihren Spezialdisziplinen um Welten überlegen sein. Doch beim Verhältnis von Flexibilität, Fehlertoleranz und Energieverbrauch bleibt das Gehirn weiterhin ein Ausnahmesystem. Genau darin liegt sein Vorsprung.

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