Vom Game-Boy-Spielen hat noch niemand viereckige Augen bekommen – vom Pokémonspielen allerdings ein Pokémon-Hirn.
Was wie ein Aprilscherz wirkt (schaut lieber noch einmal in den Kalender), beruht tatsächlich auf einer Studie der Stanford University aus dem Jahr 2019.
Hinweis, bevor wir über die Studie sprechen: Sie ist nicht repräsentativ. Es handelt sich dabei um ein Experiment, das lediglich mit 22 Probandinnen und Probanden durchgeführt wurde.
Pikachu im Kopf, wenn ihr viel Pokémon gespielt habt
Veröffentlicht wurde die Studie 2019 in Nature Human Behaviour; in ihrer Gesamtheit könnt ihr sie in der National Library of Medicine lesen.
So ist die Studie abgelaufen:
- 22 Probandinnen und Probanden haben teilgenommen: 11 davon haben in ihrer Kindheit viel Pokémon auf dem Game Boy gespielt, 11 haben es zuvor noch nie gespielt.
- Von allen Teilnehmenden wurden Gehirnscans angefertigt.
- Sobald beiden Gruppen Bilder der ersten 151 Pokémon gezeigt wurden, passierte etwas Sonderbares:
- Bei Spielerinnen und Spielern leuchtete jedes Mal derselbe Bereich im Hirn auf, wenn sie das Taschenmonster erkannten – bei allen 11.
- Bei den Nichtspielenden gab es überhaupt keine Reaktion.
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Das steckt hinter dem Phänomen: Die kleine Falte im Gehirn, der bei den Spielerinnen und Spielerin angesprochen wurde, erkennt normalerweise Dinge wie Tierformen oder Comicgesichter – und die wurde umfunktioniert.
Irgendwann im Alter von sechs oder sieben hat das Gehirn eine Art Pokémon-Kompendium eingerichtet und es aufrecht erhalten.
Dass immer wieder haargenau derselbe Punkt im Gehirn angesprochen wird, hängt auch mit unseren Augen und dem Game Boy zusammen.
- Das Display des alten Game Boy ist 2,6 Zoll (ca. 6,6 Zentimeter) groß.
- Kinder haben den Game Boy ungefähr in derselben Distanz zu den Augen gehalten.
- Dadurch haben die Sprites der 151 Pokémon tausende Male auf denselben Bereich der Netzhaut getroffen.
- Durch das junge Alter waren die Kindergehirne leichter formbar, wodurch das »Pokémon-Kompendium« in ihren Gehirnen entstand.
Jesse Gomez, einer der Wissenschaftler, die an der Studie geschrieben haben, sagt in der Stanford News darüber hinaus:
Das Besondere an Pokémon ist, dass es Hunderte von Charakteren gibt und man alles über sie wissen muss, um das Spiel erfolgreich zu meistern. Das Spiel belohnt einen dafür, dass man Hunderte dieser kleinen, ähnlich aussehenden Figuren voneinander unterscheiden kann.
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Das ist übrigens derselbe Vorgang, wie wenn wir als Kinder lesen lernen. Wir erkennen Buchstaben, merken sie uns und verbinden sie zu Wörtern. Um unseren Alltag zu bestreiten, müssen wir unsere Sprache lesen können – so wie Pokémon-Spielerinnen und -Spieler Taschenmonster erkennen müssen, um zu gewinnen.
Falls ihr euch fragt, ob bei Pokémon-Spielerinnen und -Spielern im Gehirn etwas verlorengegangen ist: nein. Der Pokémon-Bereich sitzt neben den herkömmlichen Funktionen. Man könnte also sagen, dass Kinder, die mit Pokémon auf dem Game Boy aufgewachsen sind, ein Sonderbonbon erhalten haben.
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