«Völlig illusorisch»: Netz-Experte kritisiert Glasfaser-Plan der Regierung für schnellere Anschlüsse

Das Recht auf Vollausbau soll Glasfaser schneller in die Wohnungen bringen. Experten zweifeln, ob das gelingen kann.

Beim Glasfaserausbau in Deutschland kommt es nach wie vor zu Verzögerungen und Problemen. (Bildquelle: Mika Baumeister Unsplash) Beim Glasfaserausbau in Deutschland kommt es nach wie vor zu Verzögerungen und Problemen. (Bildquelle: Mika Baumeister / Unsplash)

Morgens um sechs heimlich das Handtuch auf die beste Pool-Liege werfen – was im Sommerurlaub für massiven Ärger sorgt, soll beim deutschen Glasfaserausbau längst zum teuren Geschäftsmodell geworden sein.

Netz-Experten und Branchenverbände schlagen aktuell laut dem Magazin Heise Online Alarm: Anbieter von Glasfaseranschlüssen sollen sich bei Anschlüssen in Mehrfamilienhäusern und größeren Wohnanlagen zunehmend gegenseitig blockieren, indem sie Leitungen reservieren und damit Konkurrenten aussperren.

Eine neue Regelung sorgt für Kritik

Darum geht es: Mit dem Recht auf Vollausbau möchte die Bundesregierung den Glasfaserausbau beschleunigen. Hierbei wird dem ausbauenden Unternehmen das Recht eingeräumt, den Anschluss bis in jede Wohnung, anstatt nur bis zum Gebäude zu legen.

Eigentümer des Gebäudes können dies verhindern, müssen dann aber auf anderem Weg für den Anschluss in Wohnungen innerhalb von zwei Jahren sorgen.

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Probleme sehen Experten wie Erik Massarczyk von der Deutschen Glasfaser im Detail. So haben Eigentümer zwei Monate Zeit, auf die Ankündigung des Ausbaus zu reagieren und diesen zu gestatten oder ihn selbst zu organisieren.

Für den Experten kann letzteres nur gelingen, wenn bereits ein eigener Ausbauplan vorliegt, ansonsten sei die Einhaltung der Frist «völlig illusorisch».

Ein weiteres Problem sieht der Experte bei größeren Anschlussprojekten, die durchaus vier bis fünf Jahre in Anspruch nehmen können. Ein Konkurrenzunternehmen könnte die Kalkulation durch das Recht auf Vollausbau belasten. Um das zu verhindern, müsste jeder Ausbauplan auf zwei Jahre begrenzt werden.

Auch Mischkalkulationen seien in Gefahr. Beim Anschluss eines ganzen Ortes könnten Konkurrenten die lukrativsten Gebäude herauspicken und so dem gesamten Ausbau die Wirtschaftlichkeit nehmen.

Für Claus Wedemeier, Leiter Digitalisierung und Demografie beim Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW (Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen), ist klar, dass es Mittel gegen Gebäudeeigentümer geben muss, die sich nicht melden. Allerdings würde das neue Recht auf Vollausbau alle Eigentümer in die Pflicht nehmen und müsse demnach angepasst werden.

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Vertreter der Immobilienbesitzer befürworten stattdessen ein offenes System, bei dem Anschlüsse einmal gelegt werden und Mietern die freie Wahl des Internetanbieters überlassen wird. Der Wettbewerb solle so auf die Ebene des angebotenen Dienstes verlegt werden.

Nun ist eure Meinung gefragt. Nutzt ihr bereits Glasfaser oder habt vor, bald zu wechseln? Oder gibt es beim Ausbau vor Ort Verzögerungen? Schreibt uns dazu gerne einen Kommentar.

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