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»Was ein Stück Sch***e!« - Alte Leser-Briefe aus dem Jahr 2005 hatten eine ganz klare Meinung zu Steam

Aus der heutigen Spielelandschaft ist Steam kaum noch wegzudenken. Doch vor 20 Jahren sahen die Reaktionen auf die neue DRM-Plattform ganz anders aus.

Heute ist Steam nicht mehr wegzudenken. Doch zu Beginn mochte die neue Plattform noch niemand so recht. Heute ist Steam nicht mehr wegzudenken. Doch zu Beginn mochte die neue Plattform noch niemand so recht.

Ob mit Freunden chatten, in Foren diskutieren oder Mods herunterladen - Steam bietet mittlerweile weit mehr Funktionen als nur ein digitaler Laden für Spiele zu sein. Wohl auch deshalb ist die Valves Plattform aus der Branche nicht mehr wegzudenken. Jüngsten Schätzungen zufolge dominiert Steam satte 75 Prozent des digitalen Spielemarkts.

Das war allerdings nicht immer so. Denn als Steam Ende 2003 auf den Markt kam, war die Community erst einmal mächtig skeptisch angesichts des neuen Dienstes. Gerade zu Anfang liefen die Steam-Server ziemlich instabil, Downloads krochen im Schneckentempo vor sich hin und auch die Nutzeroberfläche im militärisch anmutenden Olivgrün schien alles andere als einladend.

Der Gipfel der Frechheit war für viele Spieler allerdings die gefühlte Enteignung ihrer Spiele. Denn als Half-Life 2 im Jahr 2004 erschien, setzte der Shooter einen Steam-Account zum Spielen voraus; ohne ließ sich das Spiel nicht starten. Steam war der erste derartige Vorstoß der Branche in Richtung DRM (Digital Rights Management). An einen Account gebundene Spiele konnten plötzlich nicht mehr weiterverkauft werden.

Video starten 0:39 Beim nächsten Steam-Sale dreht sich alles ums Tippen - Wir kennen bereits die ersten Angebote

Wenig verwunderlich war Steam angesichts dieser Umstände bei der PC-Community anfangs ziemlich verhasst. Wie unzufrieden die Nutzer mit dem neuen Dienst waren, belegt eine Sammlung von Leserbriefen an die Zeitschrift PC Gamer aus dem Jahr 2005, die kürzlich im Netz aufgetaucht ist.

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User wollen Dampf ablassen

Schon in der Einleitung schreibt die Redaktion, dass eigentlich alle Leserzuschriften wenig begeistert ausfallen - und so ist es dann auch. Dan Sallitt berichtet etwa, er sei voller Freude zu seinem PC-Fachgeschäft gelaufen, um Half-Life 2 zu kaufen, nur um dann eine herbe Enttäuschung zu erleben:

Ich bin enttäuscht, dass ihr in eurer Rezension einen der wesentlichen Negativpunkte dieses Spiel nicht erwähnt habt - nämlich dass Steam total nervt. Nicht, dass ich es Valve verübeln könnte, [...] ihre Software zu schützen, aber das ist doch absurd: Nach 45 Minuten Installation hüpfe ich vor Freunde, nur um festzustellen, dass Steam erstmal meine Spieldateien validieren muss. Nicht nur einmal, sondern jedes Mal, wenn ich das Spiel starte. Was zur Hölle soll das?

- Dan Sallitt


Steam ist passend benannt, denn es macht mich dampfend vor Wut. Was für ein Stück Scheiße. Ich kaufe Computerspiele, weil ich Computerspiele spielen will. Mit Steam muss ich mich aber jedes Mal einloggen - einen Offline-Modus gibt es scheinbar nicht. Und jedes Mal, wenn ich das tue, braucht es fünf Minuten, bis ich spielen darf. Gerade validiert es etwa seit 10 Minuten die Spieldateien von Half-Life2. Wenn das die Zukunft von Valve-Spielen ist, will ich kein Teil davon sein.

- Mark Green


Ich habe mir Half-Life 2 gekauft, nur um meine Hoffnungen zwei Minuten nach der Installation zerstört zu bekommen. Was soll das heißen, ich muss dieses Ding namens »Steam« installieren und einen Account eröffnen. [...] Es scheint sich auch jedes Mal starten zu wollen, wenn ich meinen PC anschalte. Entschuldigt, bitte, das ist immer noch meine Entscheidung! Oberflächlich betrachtet scheint Steam ja wie eine gute Idee: Ich kann Spiele kaufen und runterladen, ohne jemals in einen Laden zu gehen. Auf der anderen Seite sieht die Plattform aus wie Spyware/Bloatware.

- Steamed.


Unter dem Reddit-Thread schwelgen die User in Erinnerungen. TheRealLXC schreibt etwa: Ich war dabei, vom ersten Tag an. Heute muten diese Leserbriefe zum Lachen an, wenn man bedenkt, wie groß Steam geworden ist. Aber damals war es nicht normal, dass ein Spiel nach der Installation nicht sofort spielbar war.

Und Reddit-User Shasarr fügt hinzu: Die Leute heutzutage können gar nicht verstehen, wie lächerlich es war, einen Launcher zu brauchen, um ein Spiel zu starten. Natürlich haben die Spieler es gehasst. Das war Jahre vor dem Games-as-a-Service-Trend und man könnte sagen, Steam hat dazu definitiv seinen Teil beigetragen. Ein anderer User merkt an, im Jahr 2003 sei eine verlässliche Internetverbindung noch ein absoluter Luxus gewesen.

Ihr seht: vor über 20 Jahren kochten die Gemüter angesichts eines Online-Kopierschutzes und Accountbindung hoch. Heute haben wir uns dagegen weitgehend an den Kauf von Nutzungsrechten statt dem Besitz von physischen Kopien gewöhnt. Dafür ist aber auch der Komfort auf Steam besser geworden: Mit schnelleren Downloads und stetigen Sales hat sich Valves Plattform einen wichtigen Platz in unserem Gaming-Leben erarbeitet.

Die Branche hat derweil aus dem Erfolg von Steam gelernt: Fast alle anderen großen Publisher haben zeitweilig versucht, ihre eigenen Launcher und DRM-Plattformen zu etablieren - und sind dabei gescheitert, Steam auch nur ansatzweise Konkurrenz zu machen.

Selbst Epic, der zweitgrößte Player auf dem digitalen Spielemarkt, bringt es nur auf rund 10 Prozent Marktanteil - trotz großzügiger Spielegeschenke. Allerdings ist Steam nun eben auch verdammt komfortabel.

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