Das US-Justizministerium drängt im Kartellverfahren gegen Google auf tiefgreifende Einschnitte für den Technologiekonzern. Ein Bundesrichter hatte bereits im vergangenen Jahr geurteilt, dass Google ein illegales Monopol bei der Online-Suche und der damit verbundenen Werbung unterhält. Hierzu ist nun die »Remedy-Phase« des Verfahrens angelaufen, die klären soll, welche Konsequenzen aus dieser Feststellung folgen.
Die Kernforderung der Kartellwächter: Google soll seinen Chrome-Browser verkaufen. Die Begründung liegt auf der Hand – Chrome ist ein zentraler Zugangspunkt für die Google-Suche und ein wichtiges Element innerhalb der Monopolstellung des Unternehmens.
- Mit einem weltweiten Marktanteil von über 60 Prozent ist Chrome der mit Abstand meistgenutzte Webbrowser.
- Google nutzt laut der Kartellbehörde diese Position, um seine eigene Suchmaschine als Standard zu setzen und lenkt dadurch Milliarden von Suchanfragen und Werbedollar zu seinem Kerngeschäft.
In dieser Situation hat nun OpenAI, der Entwickler hinter dem populären Chatbot ChatGPT, sein Interesse an einer möglichen Übernahme von Chrome bekundet. Der Produktchef von ChatGPT, Nick Turley, machte diese überraschende Aussage (via Reuters) am vergangenen Dienstag vor Gericht in Washington während des laufenden Kartellverfahrens.
Turley enthüllte zudem, dass OpenAI bereits im Juli 2023 versucht hatte, mit Google eine Partnerschaft zur Nutzung seiner Suchtechnologie in ChatGPT einzugehen.
Nach Problemen mit einem vorherigen Suchpartner – Bloomberg spekuliert, dass es sich hierbei um Microsoft handeln könnte – wandte sich OpenAI an Google. Der Technologieriese lehnte die Anfrage im August mit der Begründung ab, dass »zu viele Wettbewerber beteiligt wären«.
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OpenAI nicht der einzige Interessent
Neben OpenAI hat auch das KI-Startup Perplexity Interesse am Kauf von Chrome (via The Verge) signalisiert.
Dmitry Shevelenko, Chief Business Officer von Perplexity, sagte vor Gericht aus, dass sein Unternehmen in der Lage wäre, einen Browser in der Größenordnung von Chrome zu betreiben.
- Shevelenko nutzte seine Aussage auch, um Beschwerden gegen Google vorzubringen. Er beschrieb einen »Dschungel« von Android-Einstellungen, durch den Nutzer navigieren müssen, um Perplexity als Standard-KI-Assistenten einzustellen.
- Wenn Perplexity auf einem Android-Telefon als Standard eingestellt ist, habe er weiterhin nicht den gleichen Stellenwert wie der Google-Assistent.
Perplexity wurde erst vor etwa drei Jahren gegründet und hat trotz seines jungen Alters große Ambitionen. Das Unternehmen entwickelt eine KI-gestützte Suchmaschine und plant, diese auf Samsung- und Motorola-Smartphones zu bringen. Interessanterweise hat Perplexity jüngst auch Interesse am Kauf von TikTok bekundet, das in den USA mit einem möglichen Verbot konfrontiert ist.
Wie geht es weiter?
Die Remedy-Phase des Kartellverfahrens gegen Google hat erst begonnen. Das US-Justizministerium hat seine Forderungen vorgelegt, und Google wird dagegen vorgehen. Eine endgültige Entscheidung des Gerichts wird für August 2025 erwartet.
Google selbst hat Chrome bislang nicht zum Verkauf angeboten und will gegen das Urteil in Berufung gehen. Das Unternehmen bezeichnet das Vorgehen der US-Regierung als »radikale Agenda« und argumentiert, dass eine Abspaltung von Chrome die Funktionsweise des Browsers stark einschränken würde.
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