Ein ehrgeiziges Projekt, das die Landwirtschaft revolutionieren sollte, ist vorerst gescheitert. Das brasilianische Startup Psyche Aerospace hat seine Drohnen-Abteilung geschlossen und 130 Angestellte entlassen – trotz großer Versprechen und Investitionen von über 19 Millionen brasilianischen Real (rund 3 Millionen Euro), wie Comprerural.com berichtet.
Der gescheiterte Riese aus Brasilien
Gabriel Leal, gerade mal 24 Jahre alt, hatte große Träume: Mit dem Harpia P-71 wollte er die weltweit größte Agrardrohne entwickeln. Das Versprechen klang verlockend:
- 400 Kilogramm Nutzlast für Pestizide und Düngemittel
- Hybrid-Antrieb mit Ethanol und Elektrizität
- 500.000 Hektar Abdeckung geplant
- Autonome Sprühoperationen für Großbetriebe
Zum Vergleich: Die bisherigen Agrardrohnen, die von ihren Herstellern als die größten der Welt bezeichnet wurden, wie zum Beispiel die Spider-i UAV H200 oder die Hongfei HF T95, kommen auf gerade einmal 120 Kilogramm Nutzlast (via SpiderUAV und Hongfei).
Das Startup aus São José dos Campos präsentierte den Harpia sogar auf der Agrishow, einer der größten Landwirtschaftsmessen Brasiliens. Große Agrarkonzerne zeigten Interesse und unterzeichneten Absichtserklärungen.
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Wenn Träume auf die Realität treffen
Doch zwischen Versprechen und Umsetzung klaffte angeblich eine gewaltige Lücke. Die Entscheidung, die für Drohnen zuständige Abteilung zu schließen, wurde dann am 16. Mai 2025 getroffen.
Die Probleme im Überblick:
- Millionenschwere monatliche Kosten ohne neue Investoren
- Gescheiterte Finanzierungsrunde: 50 Millionen brasilianische Real (circa 7,7 Millionen Euro) angepeilt, aber nicht bekommen
- Absichtserklärungen blieben Absichtserklärungen – kein einziger echter Vertrag
- Fehlende Tests unter realen Bedingungen verhinderten Kundenakquise
KI statt Drohnen: Der Schwenk zu Turing
Aus der Not macht Psyche Aerospace eine Tugend. Statt Drohnen setzt das Unternehmen jetzt auf Software: Die KI-Plattform Turing
soll das ChatGPT der Landwirtschaft
werden.
Was Turing verspricht:
- Analyse von Satellitenbildern zur Erntebewertung
- Krankheitserkennung über Bildanalyse
- Produktivitätsprognosen für Landwirte
- Monatliches Abo-Modell für 19 US-Dollar geplant
Die Plattform wurde bereits im Januar gelauncht, eine neue Version soll bald folgen.
Harpia lebt noch – zumindest in der Theorie
Gründer Gabriel Leal gibt noch nicht völlig auf. Das Startup sucht weiterhin nach Investoren, die 30 bis 50 Millionen US-Dollar locker machen. Die Idee ist es, potenziellen Geldgebern in den kommenden Monaten Testflüge der Drohne zu präsentieren.
Von einst über 130 Mitarbeitern sind nur noch 25 bis 30 übrig. Ob das Unternehmen mit seiner KI auf Dauer erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten.

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