Der größte Entertainment-Release der Menschheitsgeschichte - nicht weniger als das hat uns Take-Two-CEO Strauss Zelnick mit GTA 6 vollmundig versprochen. 13 Jahre nach dem Release des letzten richtigen Serienteils sind die Erwartungen der Fans gewaltig; seit Monaten dominiert der Hype um GTA 6 die Spielebranche wie selten ein Titel zuvor. Um von diesem Spiel noch nichts gehört zu haben, müsste man schon hinter dem Mond leben.
Dabei sieht das bislang gezeigte Gameplay eigentlich ziemlich genau nach dem aus, was man halt so von einem GTA erwartet: Autos klauen, Banken ausrauben, Schießereien mit der Polizei - klassischer Open-World-Spaß eben. Bei Realismus und Grafik legt Entwickler Rockstar eine Schippe zu; das an sich ist aus meiner Sicht aber noch nichts Revolutionäres.
Die eigentliche Tragweite von GTA 6 liegt für mich in den politischen Implikationen des Spiels. Denn in einer Zeit der Trumps, Techbros und des weltweit erstarkten Autoritarismus bietet ein Spiel, das politisch kein Blatt vor den Mund nimmt, einiges an gesellschaftlicher Sprengkraft.
Eine unbequeme Reihe
Die GTA-Reihe hat schon immer den Ruf von unbequemen Spielen gehabt - und das nicht nur, weil es darin ums Verbrecher-Dasein geht. Seitdem der Wechsel zur die 3D-Perspektive die Reihe deutlich realistischer machte, scheuten sich die Entwickler von Rockstar nicht, auch heikle gesellschaftspolitische Debatten in ihren Spielen satirisch aufs Korn zu nehmen - in Vice City die US-Politik der Reagan-Ära, in Teil 4 mit seinem osteuropäischen Hauptcharakter das Thema Migration; in Teil 5 den wachsenden Einfluss von Social Media. In einer Mission machen wir hier Jagd auf das fiktive GTA-Äquivalent von Mark Zuckerberg.
Zudem wurden die Spiele auch selbst mehrfach Gegenstand politischer Debatten. Das »Hot Coffee« Sex-Minispiel in GTA: San Andreas löste in den USA einen Skandal aus, der zu strengeren gesetzlichen Richtlinien für Videospiele führte. Die Verfahren, außergerichtliche Einigungen und Strafen der Handelskommission FTC kosteten Publisher Take-Two Millionen. GTA 5 hingegen wurde von Menschenrechtsgruppen wegen einer bestimmten Folter-Mission kritisiert. Wirklich ruhig ist es um neue GTA-Spiele also selten.
14:46
Wird GTA 6 zu realistisch - Oder geht da noch mehr?
Brisante Zeiten
In der gegenwärtigen, politisch extrem gespaltenen und aufgeheizten amerikanischen Öffentlichkeit wird auch GTA 6 zweifellos für Diskussionen sorgen. Dass Rockstar mit diesem Spiel jemandem vor den Kopf stößt, ist sicher - die Frage ist eher, wie stark und mit welchen Themen.
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