Der junge Mann, der ein Handy ohne SIM-Karte oder Kosten erfunden hat, galt als Genie, aber wurde vom System ignoriert

Für sein Handy ohne SIM-Karte oder Guthaben wurde ein junger Mann aus Namibia als aufstrebender Stern am Tech-Himmel bezeichnet. Fast 10 Jahre später ist seine Erfindung in Vergessenheit geraten.

Simon Petrus stellte seinen neusten Prototypen zuletzt 2016 auf dem NamPower-Entwickler-Wettbewerb vor. (Bildquelle: Ludorf Iyambo thevillager.com) Simon Petrus stellte seinen neusten Prototypen zuletzt 2016 auf dem NamPower-Entwickler-Wettbewerb vor. (Bildquelle: Ludorf Iyambo / thevillager.com)

Mittlerweile sind zehn Jahre vergangen, seit der junge Erfinder Simon Petrus aus Namibia seinen großen Durchbruch gefeiert hat. Doch ging dieser alles andere als gut aus.

Für einen nationalen Wettbewerb junger Innovatoren (NamPower National Science Fair) entwickelte Petrus eine Art Mobiltelefon, das komplett aus recycelten Teilen von Fernsehern und Handys besteht und ohne SIM-Karte oder Guthaben funktioniert.

Ursprünglich sollte der als aufstrebender Stern bezeichnete Petrus Investitionen und ein Stipendium erhalten. Über die Zeit traten jedoch immer mehr Hürden auf, sodass das Interesse an der Technologie verschwand. Obwohl sie als bahnbrechend galt.

Handy ohne SIM-Karte: Warum die Technik am Ende scheiterte

Das Prototyp-»Handy« von Petrus erinnert viel mehr an einen Fernseher aus einer 80er-Jahre-Sci-Fi-Serie als an ein modernes »Smartphone«. Der Grund dafür ist unter anderem die Geschichte, wie das Gerät entwickelt wurde.

Für die Bauteile nutzte der junge Erfinder vor allem Elektroschrott und bastelte aus Glühbirnen, Radios, einem Fernseher, Ventilatoren und zahlreichen Kabeln ein funktionierendes Mobiltelefon.

Der erste Prototyp erinnert mehr an ein Sci-Fi-Gerät als an ein Mobiltelefon. (Bildquelle: venturesafrica.com newera.com.na) Der erste Prototyp erinnert mehr an ein Sci-Fi-Gerät als an ein Mobiltelefon. (Bildquelle: venturesafrica.com / newera.com.na)

Dieses greift dafür auf die Funkfrequenzen zurück und ermöglicht, ähnlich wie ein Walkie-Talkie, eine unterbrechungsfreie Kommunikation. Nur eben vollkommen kostenfrei und ohne SIM-Karte.

Um für die Erfindung die notwendigen Werkzeuge wie Lötkolben zu bekommen, unterstützten ihn seine arbeitslosen Eltern mit rund 2000 namibischen Dollar (etwa 100 Euro) ihres Ersparten. Alles in der Hoffnung, dass ihr noch schulpflichtiger Sohn Erfolg hat.

Das gelang Petrus zunächst auch, und er landete bei dem Technikwettbewerb 2016 auf dem ersten Platz. Hinzu kam das Versprechen eines Stipendiums der Firma MTC, die von seinem Talent begeistert war und den Erfinder als »Genie« bezeichnete.

Als Petrus die zwölfte Klasse nicht bestand, wurde der Traum zerschlagen, da das Unternehmen laut Petrus sein Angebot zurückzog.

Der MTC-Sprecher John Ekongo behauptete später, dass er von keiner Vereinbarung mit dem Erfinder wusste und erst durch die Nachrichten von einem Stipendiums-Vertrag erfahren hätte.

Video starten 0:30 Der Clicks Communicator ist ein modernes Android-Smartphone, das nicht nur wegen der physischen Tastatur aus der Masse heraussticht

Der nächste Rückschlag folgte sogleich

Da das Gerät über Funksignale in der Nähe funktioniert, braucht es nach namibischem Recht eine gesonderte Betriebserlaubnis. Diese hat die Kommunikationsregulierungsbehörde (CRAN) jedoch nie erteilt.

In der Vergangenheit behauptete Petrus deshalb immer wieder, dass einige Branchen seine Erfindung als direkte Bedrohung ihrer Geschäftsmodelle sehen und er deshalb von der Behörde blockiert wird. Schließlich würden sie mit der Technologie keinen Cent mit Flatrates oder Telefonguthaben verdienen.

Auf Anfrage von »The Villager« erklärte die CRAN-CEO Emilia Nghikembua, dass sie nie einen Zulassungsantrag von Petrus erhalten habe. Stattdessen bat sie den Erfinder sogar darum, sich bei ihr zu melden, um eine mögliche Zulassung zu besprechen.

Missverstandenes Genie oder Opfer des Systems?

In verschiedenen Reden und Interviews erklärt Simon Petrus immer wieder, dass er sich vom System im Stich gelassen fühlt und in seiner Karriere aktuell stillsteht. Allgemein kritisiert er das namibische System und wirft der Regierung sowie den Unternehmen im Land vor, junge Erfinder nicht zu unterstützen.

»Ich bin nicht zufrieden damit, wie mein Prototyp von den Experten behandelt wurde. Ich hatte erwartet, dass dieses Projekt irgendwo auf der Welt umgesetzt werden würde. Was bringt es mir, der Nation Ideen vorzuschlagen, wenn davon nichts umgesetzt wird?«

Seitdem das Stipendium für den jungen Erfinder ins Wasser gefallen ist, gibt er an, »Versprechen« nicht mehr zu vertrauen. So erklärt er im Interview mit »The Villager«, dass er seine Projekte in Zukunft lieber illegal und ohne staatliche Genehmigung entwickeln will, da er sich sowieso keine Hilfe erhofft.



Unabhängig von seinem akademischen Misserfolg hat seine Erfindung eine funktionale Grundlage und galt für zahlreiche Tech-Unternehmen als ein vielversprechender Ansatz.

Auch wenn das kostenfreie Mobiltelefon womöglich eine Bedrohung für die Telekommunikationsbranche darstellte, waren viele von dem Erfindergeist Simon Petrus begeistert. Das zeigte schließlich auch die Auszeichnung des Erfinderwettbewerbs.

Heute lebt der Erfinder immer noch bei seinen Eltern und sucht nach einer Möglichkeit, seine Idee zu finanzieren und weiterzuentwickeln. Zudem sei er weiterhin auf der Suche nach Arbeit, aber trotz seiner Misserfolge nicht davon abgekommen, weiter nach den richtigen Investoren für sein Projekt zu suchen.


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