In den letzten Monaten sind die Preise beim Arbeitsspeicher regelrecht explodiert. 64 Gigabyte DDR5-RAM für Desktop-PCs kosten inzwischen mehr als eine PlayStation 5 und eine Besserung der Situation ist noch nicht in Sicht.
Diese Preissteigerungen wirken sich nicht nur auf Gaming-PCs aus, sondern auf die gesamte Tech-Industrie. RAM ist in extrem vielen Geräten verbaut und ein Markt, bei dem ich mir besonders viele Sorgen mache, ist der der Handhelds.
Meine Prognose: 2026 wird das wichtigste Jahr für die Geräte seit dem Release des Steam Decks – aus drei Gründen.
Grund Nr.1: Handhelds werden teurer
Die offensichtlichste Folge der aktuellen RAM-Knappheit ist simpel:
Handhelds werden 2026 spürbar teurer.
Schon heute sehen wir, wohin die Reise geht. Der Lenovo Legion Go 2 beginnt erst bei rund 1.000 Euro und kann je nach Ausstattung bis zu 1.400 Euro kosten. Und das ist nicht nur ein Ausreißer nach oben, sondern ein Hinweis darauf, wie sich die gesamte Branche entwickelt. Die RAM-Krise setzt dieser Entwicklung die Krone auf.
Handhelds brauchen mindestens 16 GByte RAM, oft lieber mehr. Das liegt daran, dass CPU und GPU sich den Arbeitsspeicher teilen. Weniger Speicher bedeutet in vielen Spielen sofort spürbare Einschränkungen, also ist das Sparen an dieser Stelle keine geeignete Option.
Hinzu kommt ein zweites Problem: LPDDR-RAM wird in Handhelds fest verlötet und muss ins Platinenlayout integriert werden, was die flexible Skalierung erschwert.
In Kombination mit der aktuell sprunghaft gestiegenen Nachfrage nach DRAM im Server- und KI-Bereich bedeutet das: die Hersteller bekommen RAM teurer, was sich unmittelbar in höheren Gerätepreisen niederschlägt.
Die Folge, die uns 2026 erwartet: Steigende RAM-Preise treffen Handhelds hart. Genau deshalb verschiebt sich der Preispunkt immer weiter nach oben und 2026 wird sich dieser Trend wohl fortsetzen.
Eine Besserung ist leider noch nicht in Sicht. In absehbarer Zeit werden die Hersteller von Arbeitsspeicher sicherlich die Produktion anheizen, aber DRAM für Heim-Computer, Handhelds und Laptops werden sich hinten anstellen müssen – KI-Server werden hier die oberste Priorität haben.
Grund Nr. 2: Der Start der »Handheld-Depression«?
2026 wird ein schwieriges Jahr für Gaming-Hardware und Gaming-Handhelds werden es erst recht nicht leicht haben. Obwohl das Steam Deck für Valve ein wichtiger Erfolg war, liegen die Verkaufszahlen im Vergleich zu klassischen Konsolen in einem ganz anderen Universum. Rund sechs Millionen Steam Decks stehen der über 150 Millionen verkauften Nintendo Switch gegenüber.
Trotzdem ist das Interesse an Handhelds ungebrochen. Das Steam Deck zählt zu Valves erfolgreichsten Hardwareprodukten überhaupt, Geräte wie die Asus ROG Ally oder die Legion Go haben eine treue Community gefunden und auch 2025 erscheinen mit AMD Strix Halo und Intel Panther Lake neue Plattformen, die Handhelds technisch auf ein völlig neues Level heben könnten.
An der Faszination liegt es also nicht. Der Markt ist lebendig, die Geräte werden schneller, vielseitiger und leistungsfähiger.
Dennoch ist genau deshalb die aktuelle Situation so paradox: Wir stehen nicht vor einer Handheld-Depression, weil die Leute Handhelds plötzlich unattraktiv finden würden, sondern weil äußere Faktoren den Herstellern die Luft abschnüren.
Einer der derzeit teuersten Einzelposten der Geräte, der RAM, ist kurzfristig so stark im Preis gestiegen, dass viele Modelle schlicht nicht mehr wirtschaftlich gebaut werden können.
Handhelds sind für viele Menschen außerdem eher ein Zweitgerät, auf das man notfalls verzichten kann. 90 Prozent aller Steam-Deck-Besitzer hatten vorher schon einen Steam-Account. Das macht den Markt empfindlich für Preissteigerungen.
Was 2026 auf uns zukommt
Durch die steigenden Kosten stehen die Hersteller vor einer unangenehmen Entscheidung:
- Produktion verringern oder pausieren
- die Preise entsprechend erhöhen
Beides kann die Sichtbarkeit und Attraktivität der gesamten Geräteklasse beeinträchtigen.
Ein erstes Beispiel dafür sehen wir schon. One-Netbook hat den OneXFly Apex, ein hochpreisiges Modell, überraschend »unlaunched« – der Verkaufsstart wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Als Grund nennt das Unternehmen explizit die massiv gestiegenen Preise für SSDs und RAM (Videocardz hat berichtet).
Auch im größeren Marktumfeld gibt es Warnsignale: Micron, der Hersteller hinter Crucial, zieht sich Anfang nächsten Jahres vollständig aus dem Consumer-Speichermarkt zurück, um sich auf KI-Produkte zu konzentrieren.
Warum eine Handheld-Depression langfristige Folgen haben wird
Als Optimist könnte man hoffen, dass wir die Speicherkrise aussitzen und alles wieder günstiger wird. Doch so einfach ist es nicht.
Weniger Konkurrenz bedeutet weniger Innovation. Gerade jetzt wirkt der Handheld-Markt wie die Smartphone-Wildwest-Phase vor über zehn Jahren: Jeder Hersteller versucht, sich mit neuen Ideen von anderen abzuheben. Es gibt modulare Controller, 3D-Displays, externe Akkupacks, extreme Performance und exotische Formfaktoren. Diese Vielfalt ist nur möglich, solange es sich lohnt, neue Geräte zu entwickeln.
Der Konkurrenzdruck sorgt für eine hohe Experimentierfreudigkeit der Hersteller. Links seht ihr den Abxylute 3D One, mit 3D-Bildschirm und abnehmbaren Controllern. Rechts den GPD Win 5 mit externem Akku-Pack. (Bildquellen: Abxylute, GPD Game Console/YouTube)
Wenn die Hardwarepreise weiter hoch bleiben, werden betroffene Hersteller Handheld-Projekte pausieren oder sich ganz zurückziehen. Acer hat etwa letztes Jahr drei Handhelds angekündigt und kein einziges davon wurde veröffentlicht. Heute wären die technisch bereits überholt und müssten zu Preisen erscheinen, die kaum konkurrenzfähig wären. Meiner Ansicht nach werden wir die nicht mehr zu Gesicht bekommen.
Das Risiko für 2026 lautet deshalb: weniger Geräte, weniger Wettbewerb, weniger Innovation.
Einmal teurer – immer teurer?
Aus früheren Hardware-Krisen wissen wir, dass hohe Preise selten vollständig zurückgehen. Die Grafikkartenpreise nach der Pandemie sind das beste Beispiel. Eine GPU, die früher als High-End für 600 Euro galt, gehört heute zur Mittelklasse. Die Nachfrage blieb hoch, also sahen die Hersteller keinen Grund, wieder nach unten zu korrigieren.
Eine ähnliche Entwicklung sehe ich für Handhelds. Ein Gerät, das 2025 vielleicht 600 Euro gekostet hätte, wird 2026 wahrscheinlich 800 Euro kosten und ich bezweifle, dass der Preis 2027 (oder wann auch immer die Hardwarekosten wieder sinken) wieder auf das alte Niveau fällt.
Die potenzielle Handheld-Depression wird also nicht durch fehlendes Interesse ausgelöst, sondern durch wirtschaftliche Zwänge und die Produktionsfähigkeit der Hersteller.
Technologisch könnte 2026 eigentlich ein Höhepunkt für Handhelds werden, aber ausgerechnet in diesem Moment werden die Geräte für viele unerschwinglich.
Grund Nr. 3: Eine zweite Chance am Horizont
Inmitten all der Hiobsbotschaften sehe ich trotzdem einen Lichtschimmer und sogar die Chance für ein Comeback einer Geräteklasse, die vor ein paar Jahren einfach zu früh dran war.
2026 könnte das perfekte Jahr für günstige ARM-Handhelds werden, die primär für Cloud-Gaming, Remote-Play oder leichte Spiele ausgelegt sind. Diese Geräte kommen mit deutlich weniger Arbeitsspeicher aus, brauchen keine große Kühllösung und könnten trotz der aktuellen Lage zu fairen Preisen angeboten werden.
Gerade ARM-Designs profitieren davon, dass sie energieeffizienter arbeiten und mit weniger Speicherbandbreite auskommen; sie sind also viel weniger abhängig von der aktuellen RAM-Krise als klassische x86-Handhelds.
Hinzu kommt: Cloud-Gaming und Remote-Play sind heute weiter als noch vor wenigen Jahren. AV1-Streaming, Nvidia-Reflex-Unterstützung, besseres Encoding und stabilere Plattformen wie GeForce Now oder Xbox Cloud Gaming sorgen dafür, dass Spiele über das Netzwerk inzwischen verblüffend gut funktionieren. Sehr bemerkenswert war für mich das große Cloud-Gaming-Update für die PS Portal. Sony hätte kein besseres Timing dafür aussuchen können.
Am spannendsten finde ich den Blick auf Valves kommende VR-Brille, den Steam Frame. Sie setzt auf SteamOS, aber nicht auf x86, sondern auf einen ARM-Prozessor, wie wir ihn aus modernen Smartphones kennen.
6:16
Valve stellt drei neue Hardware-Produkte vor, darunter die Steam-Machine – einen winzigen Gaming-PC
Diese Chips werden in riesigen Stückzahlen gefertigt und sind somit weit weniger von der DRAM-Knappheit betroffen als spezialisierte PC-APUs. Genau diese Hardware könnte problemlos auch in einen kleinen Handheld wandern. Ein mögliches Steam Deck Lite, das Spiele über die Cloud oder per In-Home-Streaming abruft, wäre plötzlich nicht nur realistisch, sondern fast schon logisch.
Selbst für native Anwendungen könnte es langfristig neue Möglichkeiten geben: Valve arbeitet mit FEX bereits an einer eigenen Kompatibilitätsschicht, die x86-Programme und sogar Spiele auf ARM lauffähig machen soll. Damit könnten ARM-Handhelds in Zukunft weit mehr sein als reine Streaming-Geräte.
Für preisbewusste Spielerinnen und Spieler könnte diese Geräteklasse zu einer echten Alternative werden; vor allem als leichtes Zweitgerät neben dem Gaming-PC oder einer Konsole. Handhelds wie die Logitech G Cloud, der Razer Edge oder die PS Portal könnten 2026 genau deshalb noch einmal durchstarten und hoffentlich neue Konkurrenz bekommen.
Vielleicht liegt gerade in dieser erzwungenen Umbruchphase die zweite Geburt einer Geräteklasse, die wir eigentlich schon zu früh abgeschrieben hatten.
Der Markt wandelt sich, die Faszination bleibt
Trotz aller düsteren Prognosen glaube ich fest daran, dass Handhelds bleiben werden. Vielleicht werden sie sich verändern, vielleicht werden sie eine Weile kleiner, aber sie werden nie bedeutungslos.
Wenn wir irgendwann auf 2026 zurückblicken, sehen wir das Jahr vielleicht nicht als Beginn einer Depression, sondern als Moment, in dem sich der Markt neu sortiert und Platz geschaffen hat für neue Ideen, die vorher keinen Raum hatten.
Ich bleibe jedenfalls gespannt und ich glaube: Das sollten wir alle.



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