Raytracing, 4K, Ultra-Einstellungen und Steam Deck können einfach nicht im selben Satz ohne das Wort »Nicht« gesagt werden – oder doch?
Der Schlüssel ist »Cloud-Gaming«. Auf der CES 2025 hat Nvidia angekündigt, dass eine native App für GeForce Now auf dem Steam Deck erscheinen wird. Mit genau dieser App spiele ich jetzt seit etwa einer Woche auf meinem Steam Deck Spiele, für die der Handheld eigentlich viel zu langsam ist. Beeindruckend!
Doch wie könnte es anders sein: Es gibt Haken. Haken, die vorhersehbar waren.
Transparenzhinweis: Nvidia hat mir eine Vorabversion der GeForce Now-App für Testzwecke kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen hat außerdem mein Benutzerkonto temporär auf das Abomodell »Ultimate« hochgestuft. Nvidia hatte keinen Einfluss auf diesen Artikel und es bestand keine Verpflichtung zur Veröffentlichung.
Verwendete Hardware:
- Steam Deck LCD-Modell
- Razer Handheld Dock Chroma
- Horipad Steam Controller
- Fritz!Box 6660 mit 1-GBit/s-Verbindung
Was ist GeForce Now überhaupt?
GeForce Now ist ein Cloud-Gaming-Dienst von Nvidia. Anders als bei herkömmlichen Gaming-Methoden, bei denen Spiele direkt auf eurem PC oder Konsole laufen, werden bei GeForce Now die Spiele auf leistungsstarken, externen Servern von Nvidia ausgeführt. Eure Tasten-, Maus- oder Controller-Eingaben werden an diese Server gesendet, die dann das Spiel ausführen und das Videobild in Echtzeit an euren Bildschirm zurückschicken.
Ein wichtiger Unterschied zu anderen Gaming-Abos ist, dass GeForce Now euch keinen Zugriff auf eine komplette Spielbibliothek gegen eine monatliche Gebühr bietet, wie es zum Beispiel beim Game Pass der Fall ist.
Stattdessen könnt ihr die Spiele, die ihr bereits auf Plattformen wie Steam oder dem Epic Games Store gekauft habt, über die Cloud spielen. Es sind jedoch mehr als 140 Free-to-Play-Titel verfügbar.
Beachtet aber, dass nicht alle gekauften Spiele mit GeForce Now kompatibel sind. Der Dienst unterstützt derzeit über 2.000 Spiele, aber ihr solltet vorher prüfen, ob eure Lieblingstitel dabei sind, bevor ihr euch anmeldet.
Ihr habt die Wahl zwischen drei Mitgliedschaften
| Preis | Streaming-Hardware | Features oder Einschränkungen | |
|---|---|---|---|
| Gratis | 0 Euro / Monat | »Basic Rig« | - Mit Werbung - Nicht alle Spiele verfügbar - Längste Wartezeiten - Nur eine Stunde pro Spielsitzung |
| Performance | 11 Euro / Monat | »GeForce RTX 8 vCPUs« | - Keine Werbung - 1440p-Auflösung - Raytracing - Kurze Wartezeiten - 6 Stunden pro Spielsitzung |
| Ultimate | 22 Euro / Monat | »GeForce RTX 4080 16 vCPUs« | - Keine Werbung - 4K-Auflösung - Raytracing - Bis zu 240 FPS - Kürzeste Warteschlangen - 8 Stunden pro Spielsitzung - Nvidia DLSS3, Reflex, Cloud Gsync |
Bei allen Mitgliedschaften gibt es eine maximale Spieldauer von 100 Stunden pro Monat. Das mag nach viel klingen, kann aber schnell knapp werden, wenn man große RPGs, wie Monster Hunter: Wilds oder Dragon Age: The Veilguard spielt. Wenn ihr weiterspielen möchtet, werden 7 Euro für je 15 weitere Stunden fällig.
GeForce Now auf dem Steam Deck
Die Benutzeroberfläche der App ist einfach und aufgeräumt. Beim ersten Start habe ich zuerst mein Steam-Konto mit dem Dienst verbunden. Anschließend finde ich alle meine GeForce Now-kompatiblen Steam-Spiele in der App und kann sie von dort aus starten.
Kommen wir jetzt zum wichtigsten Punkt: Wie spielt es sich denn nun damit?
GeForce Now im Handheld-Modus
Wie lange dauert das Starten der Spiele? In der Regel dauert es nur wenige Sekunden, bis ich vom Hauptmenü der GeForce Now-App in ein Spiel springe. Bedenkt jedoch, dass ich wegen der Ultimate-Mitgliedschaft von den kürzesten Wartezeiten profitiere.
Laut den Berichten von anderen Mitgliedern kann die Wartezeit mit dem Performance-Abo gerne mal ein bis zwei Minuten lang sein. Beim Gratis-Abo habe ich schon Berichte über stundenlange Warteschlangen gehört.
Was einem selbst bei der Ultimate-Mitgliedschaft nicht erspart bleibt: Einige Spiele müssen bei jedem Start die Shader neu laden. Das fügt noch einmal ein paar Sekunden hinzu.
Trotzdem ist es eine große Zeitersparnis, dass ich so viele Spiele aus meiner Steam-Bibliothek nicht herunterladen muss und einfach starten kann.
Eingabeverzögerung: Ich war überrascht darüber, wie gering die Eingabeverzögerung bei Cloud-Gaming inzwischen ist. Bei einigen Titeln habe ich glatt vergessen, dass das Spiel gerade nicht nativ auf dem Steam Deck läuft. In meinen Tests habe ich eine Eingabeverzögerung von etwa 100 bis 116 Millisekunden gemessen.
Wenn man aktiv darauf achtet, fällt die Latenz auf. Ansonsten lässt sie sich auch schnell vergessen. Ich habe schon auf Fernsehern gespielt, die keinen Gaming-Modus hatten, bei denen die Eingabeverzögerung deutlich schlimmer war.
Trotzdem würde ich nicht jedes Genre über Cloud-Gaming spielen wollen. In Fighting Games wie Street Fighter 6 oder Tekken 8 ist eine Latenz von 100 Millisekunden entscheidend für Sieg oder Niederlage. In diesen Spielen habe ich die Verzögerung sehr stark gespürt.
Für ernsthaftes kompetitives Spielen, bei dem schnelle Reaktionen erforderlich sind, kann ich euch GeForce Now oder andere Cloud-Gaming-Dienste nicht empfehlen.
Bildqualität: Mit dem Ultimate-Abo können bei den meisten Spielen die höchsten Grafikeinstellungen gewählt werden. Erst recht beim Steam Deck, das eine eher geringe native Auflösung besitzt. Die Bildqualität ist die meiste Zeit sehr hoch. Das macht auf dem Steam Deck richtig viel Spaß, weil solche Grafikeinstellungen bei Handhelds eher unüblich sind.
Energieverbrauch: Weil das Spiel nicht auf der nativen Hardware berechnet wird, ist die Akkulaufzeit deutlich länger. Allerdings ist die Reduktion des Energieverbrauchs um etwa 50 Prozent geringer als ich dachte. Ich schätze, das liegt an der Videodekodierung. Dennoch sind 150 bis 180 Minuten bei grafikintensiven Spielen durchaus positiv.
Der große Immersions-Brecher
Leider wurde ich beim Spielen mit dem Steam Deck rasch daran erinnert, dass ich gerade nicht auf nativer Hardware, sondern über eine Internetverbindung spiele.
Immer wieder kommt es zu kurzen Aussetzern, bei denen entweder der Ton kurz weg ist oder das Bild stehen bleibt. Dann synchronisiert sich der Videostream wieder und es sieht kurz aus, als würde das Spiel vorgespult werden. Im folgenden Video seht ihr, wie das ausschaut:
0:33
Monster Hunter Wilds – Steam Deck mit Geforce Now
Wenn die Verbindung instabil wird, wird außerdem die Bitrate des Streams verringert, wodurch die Bildqualität drastisch abnimmt.
Es gab natürlich auch lange Zeitperioden, die vollkommen reibungslos abliefen, aber vollkommen frei von Aussetzern konnte ich nicht spielen. Das fand ich kurios, da ich mit einer ziemlich schnellen 1-Gbit-pro-Sekunde-Verbindung spiele.
Ich vermutete, dass das Problem von der WLAN-Verbindung des Steam Decks herrühren könnte. Also schloss ich das Steam Deck an einen Handheld-Dock an, um über eine Ethernet-Verbindung zu spielen.
Das LAN-Kabel macht den Unterschied
Weil mein Handheld-Dock mit dem Fernseher verbunden ist, kann ich die GeForce-Now-Spiele in 4K-Auflösung spielen. Die Bildqualität hat mich vollends überzeugt. Kaum zu glauben, dass ich gerade auf einem Steam Deck spiele – mehr oder weniger.
Durch die hohe Auflösung ging ich davon aus, dass die Probleme mit der Instabilität noch häufiger auftreten werden, aber ich habe mich zum Glück geirrt.
Beim Spielen mit dem angeschlossenen Ethernet-Kabel kam es nie zu den oben erwähnten Aussetzern oder Instabilitätsproblemen. Zumindest nicht während meiner Testwoche. Die Spiele liefen einfach und sahen dabei grandios aus.
Wäre da nicht die Eingabeverzögerung von etwa 100 Millisekunden, könnte man flott vergessen, dass man gerade über die Cloud spielt.
Das war beeindruckend – aber auch schade. Schade, weil ich das Steam Deck zum Spielen lieber zwischen den Händen halte. Es ist allerdings möglich, dass eure Erfahrung mit einem Steam Deck OLED besser ist als meine, da das Steam Deck LCD nur Wi-Fi 5 unterstützt. Das OLED-Modell ist hingegen mit Wi-Fi 6E ausgestattet.
Mein Fazit: GeForce Now ist ein Game-Changer – aber nur bei optimalen Bedingungen
- Sehr hohe Bildqualität
- Geringe Eingabeverzögerung
- Ermöglicht High-End-Gaming auf dem Steam Deck
- Keine Installation von Spielen notwendig
- Lange Akkulaufzeit beim Spielen
- Nicht geeignet für kompetitive Spiele
- Wi-Fi-Verbindung kann zu Instabilität führen
- Monatliches 100-Stunden-Limit
Ob Cloud-Gaming auf dem Steam Deck sich für euch lohnt, lässt sich nicht leicht beantworten. Ihr benötigt für ein möglichst reibungsloses Spielerlebnis auf jeden Fall eine schnelle Internetverbindung. Nvidia empfiehlt mindestens 45 MBit pro Sekunde für 4K-Gaming mit 120 FPS.
Wenn euch die Leistung von eurem Steam Deck nicht ausreicht und ihr keine Konsole oder einen Gaming-PC besitzt, dann könnte GeForce Now eine geeignete Alternative für euch sein, um Spiele zu spielen, für die der Handheld zu langsam wäre. Überprüft, ob die Titel, die ihr spielen wollt, im GeForce Now Katalog enthalten sind und ob euch 100 Stunden im Monat genügen.
Bedenkt zudem, dass sich eure Spielerfahrung stark von meiner oder von anderen unterscheiden kann. Es ist etwa möglich, dass ihr mit Cloud-Gaming über Wi-Fi gar keine Probleme habt, weil es bei euch weniger Interferenzen gibt als bei mir.
Wenn euch GeForce Now auf dem Steam Deck interessiert, probiert es einfach für einen Monat aus und testet selbst, ob der Dienst bei euch gut funktioniert. Wenn möglich, empfehle ich euch die Nutzung eines Handheld-Docks, der mit einem Ethernet-Kabel mit eurem Router verbunden ist.
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