Manche Geschichten funktionieren ganz wunderbar auf dem Papier, aber nicht auf der Leinwand. Deshalb unterscheiden sich fast alle Filmumsetzungen von der Buchvorlage, mal mehr und mal weniger.
Die Filmtrilogie von Herr der Ringe fällt irgendwo ins Mittelfeld. Regisseur Peter Jackson folgte in vielen Bereichen der Story, aber manches wurde geändert – oder ersatzlos gestrichen. Meistens aus guten Gründen, über die er etwa im Zusatzmaterial der Extended Edition sprach.
Wir listen die wichtigsten Geschichten aus J.R.R. Tolkiens Romanen auf, die es nicht ins Kino geschafft haben, und erklären, warum sie nicht 1:1 umgesetzt wurden.
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Die Hügelgräberhöhen
Noch bevor die Hobbits überhaupt in Bree ankamen, hatten sie im ersten Buch eine Begegnung mit den Grabunholden – eine Art böswilliger Geister, die in den Hügelgräberhöhen von Eriador lebt. Sie verschleppten die Hobbits in eine Grabkammer, aus der sie nur entkamen, weil Frodo den mächtigen Beistand von Tom Bombadil herbeirufen konnte. Mehr dazu im nächsten Punkt!
Das Ganze hatte aber auch sein Gutes, denn Merry fand dort eine mächtige alte Klinge, die er später verwendete, um den Hexenkönig von Angmar zu verwunden.
So ist es in den Filmen: Die ganze Episode wurde weggelassen – sicherlich, weil man mit den Ringgeistern ja schon gruselige Verfolgungsszenen zur Genüge hatte. Merry bekommt sein Schwert von Aragorn auf der Wetterspitze, dabei wird nicht thematisiert, dass es sich um eine besondere Waffe handelt.
Tom Bombadil und Goldbeere
Für viele Tolkien-Fans die wohl wichtigste Geschichte, die nicht in den Filmen vorkam: Im ersten Buch begegnen die Hobbits Tom Bombadil, einem rätselhaften Wesen in Gestalt eines netten, dicklichen Mannes mit Federhut und bunter Kleidung. Über Bombadil und seine Rolle im Tolkien-Universum lassen sich ganze Abhandlungen schreiben – aus Platzgründen belassen wir es hier bei der Kurzfassung.
Er ist eine der mächtigsten Personen der Welt, so mächtig, dass wohl nicht mal Sauron Macht über ihn hat. Gleichzeitig beschäftigt sich Bombadil nicht wirklich mit den Ereignissen der Welt, weil er lieber im Wald tanzt und singt. Er hilft den Hobbits, rettet sie etwa vor einem bösartigen Baum und den Grabunholden, nimmt aber am Ringkrieg nicht teil.
Seine wunderschöne und ebenso freundliche Frau Goldbeere bleibt ebenfalls mysteriös. Sie ist wohl die Tochter eines Flusses (oder eines Flussgeistes).
So war es in den Filmen: Bombadil und Goldbeere wurden komplett gestrichen. Der märchenhafte Ton der Begegnung hätte auch nicht wirklich in die epische und düstere Stimmung der Filme gepasst. In Die Zwei Türme ist es der Ent Baumbart, der Merry und Pippin vor einem tückischen Baum bewahrt und dabei fast die gleichen Worte benutzt wie Bombadil im Buch.
Glorfindel
Wo wir schon bei fehlenden Figuren sind: Auch der Elb Glorfindel hat es nicht in die Filme geschafft. Zumindest nicht als benannter Charakter. Im Buch ist er es, der den verletzten Frodo gerade noch nach Bruchtal retten kann. Außerdem stammt von ihm die Prophezeiung, dass der Hexenkönig »von keines Mannes Hand erschlagen werden kann«.
Glorfindel wurde schon im Ersten Zeitalter geboren, verteidigte die Stadt Gondolin und fiel im Kampf gegen einen Balrog. Elben werden in Tolkiens Universum ja üblicherweise wiedergeboren, also kehrte auch Glorfindel im Dritten Zeitalter zurück.
So lief es in den Filmen: Glorfindel kommt tatsächlich zweimal vor, wird aber nie benannt. Er ist der blonde Elb ohne Helm im Intro, der im Bündnis von Elben und Menschen gegen Sauron kämpft. Und am Ende von Die Rückkehr des Königs steht er neben Elrond. Seine Rolle wurde stattdessen Arwen zugesprochen – um den Cast übersichtlicher zu halten und höchstwahrscheinlich auch, um eine der wenigen weiblichen Rollen etwas zu vergrößern.
Gollum und Lothlorien
Die durch den Ring geschundene Kreatur Gollum verfolgt die Gefährten heimlich eine ganze Weile. Eigentlich sollte er sich in der sicheren Obhut der Elben von Lothlorien befinden – da hatten Aragorn und Gandalf ihn noch vor dem Aufbruch der Hobbits abgeliefert. Als die Gefährten nach der Durchquerung von Moria in Lothlorien landen, erfahren sie aber, dass Gollum entkommen ist, weil die Elben Mitleid mit ihm hatten und er einen unaufmerksamen Moment zur Flucht nutzte.
So lief es im Film: Dass Gollum überhaupt in Lothlorien war, wird in den Filmen nie angesprochen. Er taucht in den Minen von Moria zum ersten Mal auf und Gandalf erklärt in ein paar Sätzen, was es mit ihm auf sich hat. Die Episode im Elbenwald ist für die Handlung nicht wichtig und würde den Zuschauern abverlangen, sich noch mehr Details einzuprägen. Kein Wunder also, dass hier gekürzt wurde.
Wir werden aber wohl in nicht allzu weiter Ferne die ganze Geschichte erfahren, denn Peter Jackson und Andy Serkis drehen gemeinsam den Film The Hunt for Gollum, der 2027 erscheinen soll. Darin wird genau der Zeitraum zwischen Bilbos 111. Geburtstag und Frodos Reise nach Bruchtal beleuchtet.
Faramir als standhafter Held
Bei der Begegnung zwischen Faramir, Frodo und Sam stellt sich der junge Heermeister Gondors schnell als standhafter Mensch heraus, der mit dem Ring am liebsten nichts zu tun haben will. Er wird von ihm auch nicht in Versuchung geführt – ganz im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Boromir.
So lief es in den Filmen: Hier wirkt Faramir erstmal skrupellos und gefährlich, lässt den hilflosen Gollum foltern und droht alle Hoffnung der freien Völker zu zerstören, indem er den Ring nach Gondor bringt. Egal, was Frodo und Sam versuchen, er lässt sich davon erst am Ende des zweiten Filmes abbringen.
Dadurch wird Faramir von einem der edelsten Menschen fast schon zum Anti-Helden in den Filmen. Seine Beziehung zu seinem Vater und Bruder ist komplexer, so wie auch er selbst. Das bringt einen spannenden Konflikt in den Frodo-Sam-Teil des zweiten Films, aber es schreibt den Charakter eben auch ziemlich um. Ob das gefällt, muss jeder selbst entscheiden.
Saruman, Grima und das Auenland
Wer Herr der Ringe gelesen hat, weiß: Das Ende sieht in den Büchern ganz anders aus. Als die Hobbits nach der Vernichtung des Ringes und der Krönung von Aragorn ins Auenland zurückkehren, herrscht dort keineswegs Ruhe und Frieden. Stattdessen ist der inzwischen größtenteils machtlose Saruman zusammen mit Grima Schlangenzunge und brutalen Söldnern einmarschiert, hat Bäume und alte Gebäude zerstört und unterdrückt die Bevölkerung.
Die Hobbits des Auenlands haben sich zum Widerstand zusammengeschlossen, aber können erst mit der Hilfe der vier Gefährten den Sieg erringen. Saruman versucht dabei, Frodo zu erstechen, scheitert aber am Mithril-Hemd.
Das Auenland wird zwar wieder aufgebaut, aber das Kapitel hinterlässt dennoch einen bitteren Beigeschmack. Nach der epischen Reise dann nochmal Schlachten und Drama einzubauen, hätte für den letzten Film nicht wirklich funktioniert – zumal die Enden von Die Rückkehr des Königs ja jetzt schon sehr, sehr lang sind.
So war es in den Filmen: Sarumans Ende wurde zeitlich und örtlich versetzt, er stirbt nun früh im dritten Teil in Isengard. Allerdings recht ähnlich wie im Buch, durch die Hand Grimas, nachdem er ihn einmal zu oft beleidigt hat. Während Grima im Buch von Hobbits erschossen wird, übernimmt Legolas im Film diese Rolle.
Das Auenland bleibt verschont. Nur im Spiegel von Galadriel im ersten Film erhascht Frodo einen kurzen Blick auf brennende Häuser und versklavte Hobbits.
Habt ihr die Bücher gelesen und die Filme gesehen - oder nur eins von beidem? Wenn ihr sowohl Vorlage als auch Film-Umsetzung kennt: Welche der Änderungen gefallen euch? Hättet ihr manche der aufgelisteten Momente doch gerne im Kino gesehen oder findet ihr die Kürzungen von Peter Jackson sinnvoll? Lasst es uns gern in den Kommentaren wissen.
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