Hitze macht ungeduldig – Händler nutzen das bei Klimaanlagen gerade gnadenlos aus

Trotz Abkühlung: Die Erinnerungen an die letzte Hitzewelle ist noch da und der Kauf einer (mobilen) Klimaanlage ist gerade knifflig geworden.

Die erste Hitzewelle im Juni hat schnell dafür gesorgt, dass Klimageräte großflächig vergriffen sind. Und es könnte bald wieder so warm werden. (Fotohintergrund: Amazon) Die erste Hitzewelle im Juni hat schnell dafür gesorgt, dass Klimageräte großflächig vergriffen sind. Und es könnte bald wieder so warm werden. (Fotohintergrund: Amazon)

Die erste Hitzewelle des Jahres ist vorbei, ob es dabei bleiben wird? Wer nicht rechtzeitig vorgesorgt hat, dürfte spätestens bei einem Blick auf das bis zu 40 Grad anzeigende Thermometer ein wenig nervös geworden sein. Deutsche Wohnungen sind aus klimatischer Erfahrung gut gegen Kälte gedämmt, dauerhafte Hitze sorgt aber für Probleme – und Klimaanlagen sind hierzulande bislang kein großes Thema gewesen.

Schlechte Nachrichten: Wenn ihr jetzt versucht, schnell noch kühlende Unterstützung anzuschaffen, steht ihr höchstwahrscheinlich vor leeren Regalen. Und wenn das Regal nicht leer ist, sorgt oft das Preisschild für ein kurzes Schaudern. Der Preis für eine der beliebtesten mobilen Klimaanlagen beispielsweise hat sich seit Mitte Juni vervierfacht - doch dazu später mehr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klimaanlagen sind vielerorts ausverkauft oder nur noch zu deutlich höheren Preisen erhältlich.
  • Skalper und opportunistische Händler treiben die Preise beliebter Modelle teils auf das Zwei- bis Vierfache.
  • Lasst euch nicht von "Klimaanlagen ohne Abluftschlauch" täuschen. Echte Monoblock-Klimaanlagen brauchen einen Abluftschlauch.
  • Achtet auf ausreichend Kühlleistung (BTU). Zu schwach dimensionierte Geräte stoßen bei lang anhaltender Hitze schnell an ihre Grenzen.
  • Lieber etwas größer als zu klein kaufen. Mit Blick auf immer häufigere Hitzewellen lohnt sich etwas Leistungsreserve.
  • Prüft unbekannte Shops genau. Impressum, Zahlungsmethoden und unrealistische Preise sind wichtige Warnsignale.
  • Seid vorsichtig bei Amazon-Marktplatzangeboten. Übernommene Händlerkonten werden immer wieder für Betrugsmaschen missbraucht.
  • Nicht jeder hohe Preis ist ein gutes Angebot. Manchmal lohnt es sich eher zu warten oder in lokalen Baumärkten nach Restbeständen zu suchen.

Die Preise für (mobile) Klimaanlagen steigen gerade massiv

Die teils schon gesundheitsgefährdende Hitze nutzen einige Händler skrupellos aus. Scalper kennen wir ja aus Krisen wie der mit den GPUs vor ein paar Jahren und aktuell Speicherprodukten, von Spiele-Releases und Valve-Hardware. Wir versuchen euch daher ein paar Tipps an die Hand zu geben, wie ihr überhaupt noch Angebote findet, worauf ihr achten solltet und welche Produkte Abzocke sind.

KIimaanlagen, die von Fachpersonen montiert werden müssen, eignen sich eher schlecht für spontane Hitzebekämpfung. Wir konzentrieren uns hier daher auf Geräte, die keinen Handwerker benötigen. (Foto: stock.adobe.com - fotofabrika) KIimaanlagen, die von Fachpersonen montiert werden müssen, eignen sich eher schlecht für spontane Hitzebekämpfung. Wir konzentrieren uns hier daher auf Geräte, die keinen Handwerker benötigen. (Foto: stock.adobe.com - fotofabrika)

Während dieser Text entsteht, war die aktuell sehr beliebte Midea PortaSplit bei Bauhaus beispielsweise kurz für halbwegs vertretbare 749 Euro verfügbar. Aber nur für wenige Minuten, der Bestand war in Rekordzeit abverkauft. Was wetten wir, dass einige dieser Anlagen in den kommenden Tagen deutlich teurer bei eBay landen?

Da reicht es meist auch nicht mehr, schnell zu sein: KI-Agenten kaufen schneller als ihr. Und zu einem Agenten-Duell wollen wir dann doch nicht auffordern. Glück könnt ihr aber noch in abgelegenen (oder in kühleren Regionen gelegenen) Baumärkten haben.

Kurz zusammengefasst:

  • Hohe Nachfrage treibt die Preise massiv nach oben.
  • Beliebte Geräte sind oft innerhalb weniger Minuten ausverkauft.
  • Chancen gibt es am ehesten noch in weniger stark frequentierten Baumärkten.

Die letzte Hitzewelle hat die Ecoflow Wave 3 überfordert: Vergangenes Jahr kühlte sie noch ausreichend, der Juni 2026 war ihr zu heiß, die Kühlleistung zu gering. Die letzte Hitzewelle hat die Ecoflow Wave 3 überfordert: Vergangenes Jahr kühlte sie noch ausreichend, der Juni 2026 war ihr zu heiß, die Kühlleistung zu gering.

Einstiegsmodelle oft zu schwach für echte Hitze

Dabei sind viele halbwegs günstige Monoblock-Geräte kein guter Kauf. Ihre Kühlleistung wird in BTU angegeben, das steht für British Thermal Unit. Je höher diese Zahl, desto mehr Wärme kann das Gerät pro Stunde aus dem Raum entfernen. Die letzte Hitzewelle hat aber gezeigt: In Zeiten des Klimawandels reichen Erfahrungswerte für die richtige BTU-Zahl nicht mehr aus.

Zu schwache Anlagen waren mit der dauerhaften Hitze überfordert, sodass es trotz dauerhaft laufender Klimaanlage unangenehm heiß im Raum werden konnte. Die Erfahrung habe ich selbst mit einer in vorherigen Sommern knapp ausreichenden Anlage machen müssen – erträglich war es nur noch direkt im Luftstrom, der Raum selbst wurde kaum noch heruntergekühlt. Das kostet viel Strom und Schweiß und lässt sich vermeiden.

Ihr wollt wissen, wie heiß es bei euch in 60 Jahren ist? Bis dahin sind vielleicht ja auch wieder günstige Klimaanlagen erhältlich:

Dass kommende Hitzewellen sogar noch stärker als die im Juni ausfallen, ist zumindest nicht unwahrscheinlich. Dimensioniert bei der Anschaffung also besser etwas über, um vorbereitet zu sein.

Kurz zusammengefasst:

  • Die BTU-Zahl ist wichtiger denn je.
  • Zu schwache Geräte stoßen bei längeren Hitzewellen schnell an ihre Grenzen.
  • Lieber etwas größer dimensionieren als zu knapp kaufen.

Klimaanlage ohne Kühlung?

Onlineshops bieten bei der Suche nach Klimageräten immer noch einige lieferbare Produkte an. Ein paar davon allerdings klingen zu gut, um funktionieren zu können. Klimaanlagen ohne Schlauch beispielsweise. Das klingt total praktisch, schließlich ist der nervige Abluftschlauch immer entweder zu kurz, zu sperrig oder im Weg.

Dieses gar nicht ins Bild gephotoshoppte Gerät wird bei Amazon als Klimaanlage ohne Abluftschlauch verkauft. Es ist ein schnöder und recht teurer Ventilator. Dieses gar nicht ins Bild gephotoshoppte Gerät wird bei Amazon als Klimaanlage ohne Abluftschlauch verkauft. Es ist ein schnöder und recht teurer Ventilator.

Nun ist die Funktionsweise einer einfachen Monoblock-Klimaanlage aber eben die, dass vorne kalte Luft rauskommt und hinten irgendwie entsorgt werden muss. Ohne Abluft handelt es sich also entweder um einen simplen Ventilator, dessen Kühlwirkung aber auch ab gewissen Grenzen kaum noch spürbar ausfällt. Oder im schlimmsten Fall wirklich um ein Kompressorgerät, das die heiße Luft wieder im Raum verteilt. Prädikat: Das Geld nicht wert, Ventilatoren gibt es günstiger.

  • Eine echte Monoblock-Klimaanlage braucht einen Abluftschlauch.
  • Geräte ohne Abluft sind meist nur Ventilatoren oder funktionieren ineffektiv.

Unseriöse Angebote erkennen

Ebenfalls eine traurige Erkenntnis aus der Vergangenheit: Unseriöse Händler und Betrüger schlagen bevorzugt bei stark begehrten und kaum zu bekommenden Produkten zu. Seid also besonders vorsichtig, wenn ihr bei euch unbekannten Shops bestellt. Hat die Webseite ein Impressum und wirkt es seriös? Gibt es Steuernummern? Und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Von Vorkasse würden wir generell abraten.

Erinnert ihr euch noch an die PS5-Knappheit? Wir würden euch trotz aller Hitzeleiden abraten, bei offenkundigen Scammern zu kaufen und sie so zu belohnen. Erinnert ihr euch noch an die PS5-Knappheit? Wir würden euch trotz aller Hitzeleiden abraten, bei offenkundigen Scammern zu kaufen und sie so zu belohnen.

Auch Amazon-Marktplatzshops werden gerne übernommen. Bietet also ein bisher mit netter Handwerkskunst groß gewordener Shop plötzlich moderne Klimaanlagen an: riecht fischig. Gleiches gilt bei unvernünftig niedrigen Preisen – wobei einige Betrüger schon klüger geworden sind und nur halb-unvernünftig niedrige (und zu anderen Zeiten als normal geltende) Preise verlangen.

Die gerade stark gehypte Midea PortaSplit sorgt in der Redaktion für unterschiedliche Meinungen:

Natürlich ist auch ein unverhältnismäßig hoher Preis unseriös, im Kapitalismus aber vielleicht eher akzeptiert. Eine Midea PortaSplit C, die es im Lidl-Angebot und bei Baumärkten jüngst für 599 Euro gab, wird aktuell zu Preisen von über 1.000 und teils sogar für 2.499 Euro angeboten. Da lohnt es sich nur dann zuzugreifen, wenn tatsächlich Personen durch die Hitze gesundheitliche Gefahren drohen und es keine Alternative gibt. Zumal die C-Variante nur eher kleine Räume kühlen kann und bei 40+ Grad auch da irgendwann kapituliert.

  • Vorsicht bei unbekannten Shops und Vorkasse.
  • Auch übernommene Amazon-Marktplatzshops können betrügerisch sein.
  • Extrem niedrige, aber auch extrem hohe Preise sollten skeptisch machen.

Jetzt eine Klimaanlage kaufen? Schwieriger als günstigen RAM zu bekommen

Wir hätten gerne ein paar Geheimtipps für lieferbare Klimaanlagen zu fairen Preisen, die Lager sind nach der Junihitze aber leergefegt. Es kann sich aber lohnen, regelmäßig bei Onlineshops und Baumärkten zu schauen, ob nicht doch neue Produkte geliefert wurden. Am besten schaut ihr einfach regelmäßig bei den GameStar-Deals vorbei, wo wir euch die Sichtung bezahlbarer Klimageräte pünktlich mitteilen.

Sich auf das eine Wunschprodukt festzulegen, kann im Zweifel bei der nächsten Wärmewelle für unnötiges Schwitzen sorgen: Schaut bewusst nach Alternativen, wenn ihr es kühl haben wollt. So gibt es eine PortaSplit-Alternative in Form der Be Cool BCPSK12KW bei Obi immer wieder lieferbar für unter 800 Euro.

Be Cool Mobiles Klimagerät
Be Cool Mobiles Klimagerät
Alternative zur Midea PortaSplit
Es muss nicht immer der Platzhirsch sein: Auch Be Cool fertigt ein Split-Klimagerät mit guter Effizienz, die weit über der von Monoblock-Klimas liegt. Vorteil: Weniger Hype sorgt für bessere Verfügbarkeit.
799,99 €

Im Zweifel können auch Monoblockgeräte den Kreislauf retten, das kostet über den Tag nur sehr viel Strom. Idealerweise kombiniert ihr hier also (Balkon-)Solar mit der Klimaanlage. Leider gilt auch da: Je günstiger, desto schwerer zu bekommen. Ventilatoren hingegen können bei Außentemperaturen von über 35 Grad über mehrere Tage auch nicht mehr viel ausrichten, außer den Ofen, den ihr Wohnung nennt, mit Umluft auszustatten.


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