Ich habe mir vor grob sieben Jahren ein iPad gekauft und der Grund dafür war simpel: Stellt euch das klischeehafte Bild einer Garnele vor, die mit gekrümmtem Rücken vor ihrem PC sitzt. Genau dieses Meme habe ich täglich gelebt, weil ich nicht nur zum Arbeiten und Spielen vor meinem Desktop kauerte, wie Gollum vor seinem geliebten Ring, sondern auch, wenn ich zeichnen wollte.
Neben dem Schreiben und Spielen gehört nämlich auch die digitale Illustration zu meinen großen privaten und professionellen Leidenschaften. Mein großes Wacom-Tablet inklusive Bildschirm ist ein fantastisches Gerät, um wunderschöne Illustrationen zu zaubern. Aber selbst bei gesunder Körperhaltung schützt es mich nicht davor, viele Stunden täglich vorm Computer zu verbringen.
Irgendwann reichte es mir und der Entschluss war schnell gefasst: Ein iPad muss her, konkret als digitales Zeichengerät - die Qualität als Allrounder-Tablet war mir da erstmal egal. Das führte allerdings auch dazu, dass ich damals inklusive Stift und Hülle über 2.000 Euro ausgab, um zukünftig unterwegs oder auf dem Sofa malen zu können. Ein stolzer Preis für etwas mehr Bequemlichkeit.
Umso neugieriger machte mich jetzt aber das Huion Kamvas Pad 12 mit seinem simplen Versprechen: ein erschwingliches mobiles Zeichengerät ohne Schnickschnack oder hohen Aufpreis, aber dafür mit allem, was mir als Künstlerin wichtig ist.
Nachdem ich das Tablet etwa eine Woche lang täglich benutzt habe, bin ich begeistert. Nicht, weil es mit dem iPad mithalten kann oder weil die Qualität mich umhaut, sondern weil es eben wirklich ein Gerät ist, das primär für digitale Künstler gemacht wurde - und das zu einem fairen Preis.
Ein Komplettpaket für Künstler
Das geht schon bei der Ausstattung los. Das Kamvas Pad 12 kommt mit vielen Gadgets und Features im Paket, von denen gerade Künstler profitieren. So fällt etwa die Oberfläche rau aus und ist an Papier angelehnt, was für ein angenehmes und natürliches Zeichengefühl sorgt.
Apropos Stift: Der ist standardmäßig inklusive Ersatzspitzen mit dabei, genauso wie ein Stoffhandschuh. Der verhindert, dass ich beim digitalen Malen Flecken mit meiner Hand erzeuge, weil der Bildschirm ja auch allgemein auf Touch reagiert. Auch eine passende dunkelgraue Hülle und ein USB-C-Ladekabel (ohne Adapter) sind Teil des Sets für 499 Euro.
Zum Vergleich: Bei meinem iPad musste ich damals noch eine Paperlike-Folie für die glatte Bildschirmoberfläche besorgen, sowie eine Schutzhülle und den Apple Pencil. Das ergibt ja auch Sinn: Nicht jeder iPad-Nutzer will damit malen. Gerade als Künstlerin ist deshalb aber trotzdem das Rundum-Sorglos-Paket von Huion attraktiv - ich kann sofort loslegen, ohne mir zusätzliche Ausrüstung besorgen zu müssen, auch als digitaler Neuling.
Auch das günstigste iPad kann ich aktuell für etwa 499 Euro kaufen - das kommt dann aber ohne die oben erwähnten physischen Extras und bietet darüber hinaus noch weniger Speicher. Während das Kamvas Pad 12 standardmäßig auf 256 GB (und einen SD-Karten-Slot zum erweitern) setzt, kostet die Apple-Variante schon mit 128 GB an Speicherplatz genauso viel.
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Komfortables digitales Malen
Mir geht es aber nicht nur darum, ein Schnäppchen zu machen. Ich will vor allem eine entspannte Zeichenerfahrung, die mich technisch und haptisch überzeugt. Beim Huion Kamvas Pad 12 fällt mir beim Ausprobieren zunächst auf, dass es sich um ein klassisches Android-Tablet (Android 16 vorinstalliert) handelt, nicht um ein reines Zeichengerät.
Das heißt, ich kann meinen Google-Account verknüpfen und für das Betriebssystem verfügbare Zeichenapps wie Clip Studio Paint, ibisPaint oder MediBang Paint nutzen, die bereits vorinstalliert sind. Weil ich auf dem iPad regulär mit Procreate arbeite - sprich eine Anwendung, die es exklusiv nur im App Store gibt - entscheide ich mich letztlich für HiPaint. Das ist ebenfalls bereits installiert und erinnert in Design und Bedienung sehr stark an Procreate.
Abseits der Unterschiede bei den Zeichenapps, die nur minimal ausfallen, überrascht mich dabei das Zeichengefühl tatsächlich positiv. Der Stift liegt gut in der Hand und erlaubt es mir, schnell flüssige Linien zu ziehen oder große Flächen mit groben Pinselstrichen zu füllen. Der Stift reagiert dabei sehr fein darauf, wie viel Druck ich ausübe und passt sich komfortabel auch an den Winkel an, in dem ich ihn halte. Schnell fühle ich mich so wie zuhause und werkle fleißig an meiner ersten Illustration.
Praktisch ist auch, dass ich über den gedrückten Seitenknopf am Stift zum Radiergummi wechseln kann. Das Drücken kann anfangs etwas ungewohnt sein, verhindert aber, dass ich aus Versehen wechsle. Dadurch, dass es sich um ein Android-Tablet handelt, kann ich außerdem einfach meinen Bildschirm teilen und etwa eine Referenz von Google direkt neben meine Zeichnung legen, während ich arbeite. So spare ich mir das Handy oder einen weiteren Bildschirm für Vorlagen.
Wo die Technik ins Straucheln kommt
Bei der Performance werden die Unterschiede dann aber doch spürbar. Das Kamvas Pad 12 ist ein solides Gerät mit einem schnellen Prozessor, mit dem ich zwischendurch auch mal ein YouTube-Video schauen oder eine andere App nutzen kann. Allerdings fällt das iPad (gerade in der Air/Pro-Variante) merkbar leistungsfähiger aus. Zeichne ich hier lange und arbeite mit einem großen Dokument mit zahlreichen Ebenen, bekomme ich das kaum zu spüren.
Beim Kamvas Pad merke ich mit der Zeit trotz 8 GB an RAM aber mehr und mehr, wie meine Pinselstriche hin und wieder ins Stottern kommen, wenn ich mit vielen Ebenen arbeite. Das Zeichenprogramm wird spürbar langsamer und weniger responsiv. Die Probleme fallen nicht so stark ins Gewicht, dass ich nicht weiterzeichnen könnte, aber wer aufwendige Illustrationen mit zahlreichen Ebenen, Modi und Effekten anfertigen will, sollte das im Hinterkopf behalten.
Auch die äußere Verarbeitung wirkt etwas weniger hochwertig. Nicht beim großen 12,2-Zoll-Display des Kamvas Pad, das Farben wie angepriesen sehr satt und lebendig darstellt. Aber das Tablet selbst fühlt sich deutlich leichter und weniger stabil an, gerade, wenn man es etwa in der Hülle zum Zeichnen aufstellt. Der Stift verliert zudem gerne den Kontakt zur angedachten Magnethalterung, gerade wenn man das Gerät transportiert.
Dafür hält der Akku, gerade wenn ich das Tablet im Standby-Modus lasse, vergleichbar lang wie beim iPad. Was bedeutet das also für das Huion Kamvas Pad 12? Für mich steht nach der Testwoche fest: Es ist keine Konkurrenz für das iPad auf ganzer Linie, sondern kann sich nur in einem Bereich mit ihm messen. Aber das ist absolut kein Problem, weil es eben bewusst für eine bestimmte Zielgruppe gedacht ist.
Perfekt für Anfänger - und alle, die es einfach mögen
Wollt ihr wie ich abseits vom PC vor allem Illustrieren und Zeichnen - gerade stilisierter, ist das Kamvas Pad eine extrem spannende Wahl. Das liegt zum einen am günstigen Preis und dem flexiblen Android-System mit vielen hochwertigen Zeichen-Applikationen. Zum anderen aber auch daran, dass ihr eben viel inklusive bekommt und gleich mit einem sehr natürlichen Zeichengefühl loslegen könnt, das viel mehr an echtes Papier erinnert, als beim iPad ohne Extrafolie.
Wollt ihr einfach mal mit digitaler Illustration anfangen und bringt weder Erfahrung noch Ausrüstung mit, ist das Kamvas Pad 12 für mich der optimale Einstieg. Gerade, wenn ihr eben primär ein Zeichengerät sucht, mit dem ihr gleich loslegen könnt und kein Allrounder-Tablet, das ihr als Computer-Ersatz verwenden wollt.
Das iPad bleibt definitiv die vielseitigere Wahl, die euch zusätzlich zig kreative mobile Tätigkeiten eröffnet, wie etwa Bild- oder Videobearbeitung. Wollt ihr generell ein leistungsfähiges Gerät für unterwegs, das wie ein mobiler PC funktioniert, lohnt sich die Apple-Alternative mehr.
Ob ihr dem Kamvas Pad 12 eine Chance geben solltet, hängt also sehr von euren individuellen Bedürfnissen ab. Ich werde das Gerät auf jeden Fall weiterhin fleißig für euch testen, gerade wenn ich mich einfach nur hinsetzen und zeichnen will - ganz ähnlich wie ein schnörkelloses digitales Skizzenbuch, das keinerlei Schnickschnack braucht.
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