Ich will keine noch dünneren Laptops und das hat gute Gründe!

Dünner, leichter, besser? Ich glaube das nicht und nenne euch meine Gründe.

Ich möchte lieber wieder gute Notebooks statt möglichst dünner Geräte. (Quelle: Acer) Ich möchte lieber wieder gute Notebooks statt möglichst dünner Geräte. (Quelle: Acer)

Es ist ein bizarres Wettrüsten, das wir seit über einem Jahrzehnt beobachten: Hardware-Hersteller präsentieren ihre neuesten Notebooks, als wären es keine Arbeitsgeräte, sondern Diät-Erfolge. Nochmals einen Millimeter dünner!, jubeln die CEOs auf den Bühnen von Cupertino bis Taipeh.

Doch während die Marketingabteilungen die Schlankheit feiern, zahlen wir Nutzer einen hohen Preis in Form von Frust, Hitze und technischer Kastration. Mir gefällt dieser andauernde Trend zu immer dünneren Notebooks nicht und ich verrate euch auch gerne die Gründe.

1. Das physikalische Gesetz der Hitze

Man muss keine tiefgehenden Kenntnisse in Thermodynamik haben, um das Problem zu verstehen: Leistung erzeugt Wärme. Wer einen leistungsstarken Prozessor in ein Gehäuse presst, das kaum dicker ist als ein Stapel Briefpapier, schafft einen technologischen Schnellkochtopf.

Die Folge ist das sogenannte Thermal Throttling. Da der Lüfter die Hitze nicht abtransportieren kann, drosselt das System künstlich die Leistung. Am Ende zahlt man 2.000 Euro für einen High-End-Chip, der nach zehn Minuten Videobearbeitung nur noch mit der Geschwindigkeit eines Taschenrechners läuft, damit er nicht wegschmilzt.

Das Acer Swift 7 ist nur noch 0,89 Millimeter dick: Welchen Vorteil das haben soll, erschließt sich mir nicht. (Quelle: Acer) Das Acer Swift 7 ist nur noch 0,89 Millimeter dick: Welchen Vorteil das haben soll, erschließt sich mir nicht. (Quelle: Acer)

Viele Hersteller haben mittlerweile die Vapor Chamber als ein Allheilmittel bei der Kühlung für sich entdeckt. Die ist zwar tatsächlich auch effektiver als konventionelle Heatpipes, aber die Kühlkörper, die am Ende die Wärme an die Umgebung abgeben müssen, fallen bei besonders dünnen Rechnern sehr klein aus. 

Um das zu kompensieren, müssen die Lüfter schneller drehen, was wieder zu einer höheren Lautstärke führt. Ein dickerer Laptop ist unter diesen Gesichtspunkten nicht klobig, er ist schlicht effizient.

2. Mobil, aber nicht ohne Adapter nutzbar

Der Schlankheitswahn hat uns die Anschlüsse geraubt. Für die Ästhetik opfern die Designer den USB-A-Port, den HDMI-Ausgang und oft auch gleich noch den SD-Kartenslot.

Das Ergebnis: Wir kaufen ein ultraportables Gerät, nur um dann irgendwelche Adapter mitzuschleppen, um es im Alltag überhaupt benutzen zu können. Wenn ich ein Dock brauche, um eine einfache kabelgebundene Maus oder einen Monitor anzuschließen, hat das Designteam des Herstellers beim Thema Mobilität für mich schlicht versagt.

Ich schätze die Notebooks von Apple sehr, aber der Hersteller ist leider auch Vorreiter darin, alle möglichen Komponenten auf dem Mainboard zu verlöten. (Quelle: Apple) Ich schätze die Notebooks von Apple sehr, aber der Hersteller ist leider auch Vorreiter darin, alle möglichen Komponenten auf dem Mainboard zu verlöten. (Quelle: Apple)

3. Tippen

Ein Laptop ist in erster Linie ein Eingabegerät. Doch für ein extrem dünnes Gehäuse braucht man extrem flache Tastaturen. Wir erinnern uns alle an das Desaster der Butterfly-Keyboards bei den MacBooks: Tasten mit dem Hubweg eines Blatt Papiers, die beim kleinsten Staubkorn den Geist aufgaben.

Gutes Tippen braucht haptisches Feedback. Wer acht Stunden am Tag schreibt, will keine Tasten, die sich anfühlen, als würde man auf einer Tischplatte herumtrommeln. Ergonomie und Millimeter-Jagd sind die natürlichen Feinde aller Vielschreiber!

4. Reparaturfähigkeit? Ein schlechter Scherz

Je dünner das Gerät, desto mehr muss geklebt und gelötet werden. In der Welt der ultradünnen Laptops ist nichts mehr modular. Der Arbeitsspeicher ist verlötet, der Akku mit dem Gehäuse verklebt, mittlerweile werden sogar SSD und WLAN-Modul direkt auf die Hauptplatine gepackt. 

Geht eine Kleinigkeit kaputt, wird das gesamte Mainboard zum Elektroschrott. Das ist nicht nur teuer für den Kunden, sondern in Zeiten der geforderten Nachhaltigkeit schlichtweg unverantwortlich. Ein Gerät, das man nicht reparieren kann, ist kein Werkzeug, sondern ein Wegwerfartikel mit Luxus-Preisschild.

Dieses Notebook ist zwar weder dünn noch leicht, dafür kann man es aufrüsten und es hat eine tolle Tastatur: Lenovo Legion 9i 18 im Test: Das 3D-Display begeistert mich, hat aber auch eine gravierende Schwäche

Form folgt Funktion – eigentlich

Wir haben einen Punkt erreicht, an dem die Verringerung der Dicke keinen echten Mehrwert mehr bietet. Ob ein Laptop 9 oder 14 Millimeter dick ist, entscheidet nicht darüber, ob er in meinen Rucksack passt.

Es entscheidet aber darüber, ob er zumindest halbwegs leise bleibt, ob meine Finger beim Tippen schmerzen oder ob ich einen SD-Kartenslot für meine Fotos habe. Es gibt für mich viele Kriterien, auf die ich achte, wenn ich einen Laptop kaufe, ein möglichst dünnes Gehäuse gehört aber definitiv nicht dazu.

zu den Kommentaren (2)

Kommentare(4)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.