Eine legendäre Metal-Band hat uns 1992 vor der Zukunft gewarnt und wir hätten hören sollen – Das steckt hinter »Computer God«

Meinung: Haben Black Sabbath mit »Computer God« die Zukunft vorhergesehen? Dieser Artikel beleuchtet die erschreckenden Parallelen zur heutigen Tech-Welt und menschlichem Schicksal.

Das Black Sabbath Album Dehumanizer gilt als besonders dystopisch. Einer der Songs beschreibt ziemlich genau unsere Gegenwart. (Bildquelle: wikimedia) Das Black Sabbath Album Dehumanizer gilt als besonders dystopisch. Einer der Songs beschreibt ziemlich genau unsere Gegenwart. (Bildquelle: wikimedia)

Hat Ronnie James Dio kommen sehen, was heute Realität ist, als er 1992 den Text zum Song Computer God für Black Sabbath schrieb? Wohl eher nicht. Dennoch zeigt der Song einige frappierende Ähnlichkeiten zu unserem Leben heute.

Wie der Titel bereits zeigt, handelt das Lied von einem Computer, der von uns Menschen als Gottheit verehrt wird. Der Song basiert auf einer fünfseitigen Kurzgeschichte von Bandkollege Geezer Butler. Dio filterte die Kernessenz dieser Geschichte heraus, gab ihr das typische Dio-Flair und wandelte sie in die düsteren Lyrics des Liedes um.

Warum Computer God heute besser denn je passt

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Der Song spricht von Dingen, die auf uns zukommen, wenn sie nicht sogar schon da sind. — Ronnie James Dio über Computer God

Im Folgenden möchte ich mit euch den Text zu Computer God durchgehen und mögliche Interpretationen besprechen. Im Anschluss daran, gibt es noch ein paar allgemeine Infos zum Album, der Band und anderen Kontexten.

Es herrscht Krieg

Waiting for the revolution. Nuclear vision, genocide/Onward, all you crystal soldiers: 2026 toben mehrere Kriege auf der Welt. Immer beliebter wird dabei der Einsatz verschiedener Drohnen und anderer automatisierter Maschinen, die Angriffe unterstützen, schützen oder sogar ausführen (unter anderem nachzulesen in MIT Technology Review 01/2026 – Der neue Krieg).

Kriegstreiber lassen nicht nur Menschen für ihre Sache sterben, sondern schicken auch Maschinen ins Feld, die Menschen töten oder zu ihrer Tötung beitragen. Viele davon agieren vollautomatisiert via KI. Eine Vision, die zuvor bereits in verschiedenen Büchern und Filmen verarbeitet wurde.

Technologie als Religion

Computerize God, it's the new religion: Was macht eine Religion aus? Der Philosoph Walter Benjamin beschreibt in seinem Werk Kapitalismus als Religion, dass der Kapitalismus essenziell der Befriedigung derselben Sorgen, Qualen, Unruhen, dient, auf die ehemals die sogenannten Religionen Antwort gaben.

Diese Deutung lässt sich eins zu eins auf unser heutiges Verhältnis zu Technik übertragen. Benjamins Theorie greift hier doppelt, da Tech und Kapitalismus eng miteinander verbunden sind. Nach dieser Definition könnte man Tech also durchaus als Religion bezeichnen.

Logik vor Emotion

Program the brain, not the heartbeat: KI und Tech hält sich an logische Muster und Algorithmen. In dieser Metapher repräsentiert das Gehirn die reine Rechenleistung, die optimiert wird, während der Herzschlag, der für Empathie, Gefühl und Menschlichkeit steht, auf der Strecke bleibt.


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Touch tomorrow energize: Studien belegen, dass es Menschen im digitalen Zeitalter zunehmend schwerfällt, zu genießen, was sie haben und sind. Vieles dreht sich um Konsum, ohne echten Genuss, wie schon der Soziologe Hartmut Rosa in einer seiner Vorlesungen erörterte. Wir kaufen uns etwa eine teure Schallplatte, ohne dann dazuzukommen, sie zu anzuhören. Konsum ohne Genuss.

Gleiches machen wir im Internet, wenn wir etwa auf TikTok ein Influencer-Video nach dem anderen konsumieren, ohne die Inhalte überhaupt noch verarbeiten zu können. Es ist, wie sich ausschließlich von Fast Food zu ernähren: Gehaltlos und ungesund.

Wichtig sind Trends, Trends, Trends. Im Sekundentakt jagt eine Nachricht die nächste. Medien versuchen sich gegenseitig zu überbieten und immer einen Schritt voraus zu sein. Das Morgen wird berührt, noch bevor der aktuelle Tag vorüber ist. Kraft schöpfen muss schnell passieren, denn dafür ist keine Zeit.

Menschen sind ein Fehler, also fixen wir sie

Digital dreams and you're the next correction: Neben der offensichtlichen Interpretation, dass Tech davon träumt, uns zu korrigieren (also auszulöschen), wäre im Hinblick auf heute noch eine andere Deutung möglich:

Das Leben vieler dreht sich um digitale Inhalte. Doomscrolling und andere Mechanismen, die uns permanent online halten, ziehen uns schnell in einen Strudel. Studien belegen, dass das Letzte, was wir abends im Bett berühren, nicht etwa unser Partner oder unsere Partnerin ist, sondern unser Handy. Wer einmal in diesem Strudel ist, kommt daraus nur schwer wieder heraus und träumt vielleicht sogar irgendwann auch nur noch in digitalen Mustern.


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Man's a mistake, so we'll fix it: Das ist der wohl wichtigste Part des Songs. Menschen sind nicht perfekt. Wir leben in einer Welt, in der KIs teilweise vollautomatisch über Jobvergaben entscheiden. Der Schritt dahingehend, die Maschinen unsere Arbeit direkt selbst machen zu lassen, ist ein kurzer. Manche Unternehmen sind ihn bereits gegangen.

Zum einen, um Kosten zu sparen, zum anderen, weil sich der Mythos hält, Maschinen, die emotionslos agieren, seien unfehlbar. Manche sehen darin die Gefahr, dass wir irgendwann vollständig durch Maschinen ersetzt werden. Diese Prognose wird im letzten Teil des Songs noch einmal aufgegriffen.

Ronnie James Dio hat sich in einem Interview übrigens zu genau dieser Textstelle geäußert:

Einige der Zeilen in dem Song sagen alles: Der Computer meint, die Menschheit ist ein Fehler, also fixen wir ihn. Lasst uns hoffen, dass wir nicht da sind, wenn sie uns fixen wollen. Ich denke, der Song sagt genau das aus, was er aussagen muss.

Das Perfide: Durch den technologischen Fortschritt beginnt der Mensch, sich selbst als fehlerhaftes System zu betrachten. Toxische Trends wie Looksmaxxing hätten ohne Social Media niemals eine so enorme Weichreite erhalten. Wir machen uns im Selbstoptimierungswahn selbst kaputt und entziehen der Menschheit in vielen Bereichen die Lebensgrundlage.

Take a look at your own reflection. Right before your eyes, it turns to steel: Das passt zum Grundthema des Songs: dass Menschen fehlerhaft sind und verändert werden müssen. Der Transhumanismus beschäftigt sich genau damit, der Optimierung des Menschen durch Technologie. Dieser philosophischen Strömung sehen sich insbesondere milliardenschwere Tech-Unternehmer wie Elon Musk und Peter Thiel zugetan.

Auch die Enhanced Games, die unter anderem von Thiel und Donald Trump Jr. finanziert wurden, laufen unter diesem Aspekt.

Zudem werden wir immer bequemer und dadurch abhängiger von Technik. Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen schon seit Jahren Alarm, und das Thema wird auch in vielen Publikationen aufgegriffen. Was gerade passiert, passiert buchstäblich vor unseren Augen.

Tech-Milliardäre wie Elon Musk versuchen schon lange, Menschen durch Tech zu »optimieren« oder am liebsten direkt unsterblich zu machen. Dies soll aber vor allem ihresgleichen zugutekommen. (Bildquelle: wikimedia) Tech-Milliardäre wie Elon Musk versuchen schon lange, Menschen durch Tech zu »optimieren« oder am liebsten direkt unsterblich zu machen. Dies soll aber vor allem ihresgleichen zugutekommen. (Bildquelle: wikimedia)

Hinzu kommt erneut die Social-Media-Komponente: Der Online-Auftritt vieler Individuen hat kaum noch etwas mit dem zu tun, was sie offline, im echten Leben, sind. Würden diese Personen sich im metaphorischen oder im richtigen Spiegel betrachten, würden sie sich selbst vermutlich nicht mehr erkennen, je mehr Zeit sie ausschließlich mit ihrem Online-Ich verbringen.

In Aussicht auf diese Dystopie leben wir in einer digitalen Traumwelt, die uns dazu verleitet, uns selbst immer weiter wegzurationalisieren, zu korrigieren, bis unsere eigene Reflexion zu Stahl wird.

Die andere Seite des Himmels

There's another side of heaven. This way to technical paradise. Find it on the other side: Das dürfte den Träumen so mancher Tech-Milliardäre entsprechen. Das war zumindest mein erster Gedanke, als ich diesen Song zum ersten Mal bewusst gehört habe.

Elon Musk und Co. versuchen nicht nur, sich selbst unsterblich zu machen, sie haben auch einen Plan B. Ein erkauftes Exklusivplätzchen im Himmel. Denn wer sich bereits zu Lebzeiten als Tech-Genie feiern lässt, dem soll doch bitte auch über den Wolken der entsprechende Luxus bereitgestellt werden.


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In ihrem fantastischen New York Times-Bestseller Burn Book – A Tech Love Story beschreibt Tech-Journalistin Kara Swisher wiederholt, wie Tech-Milliardäre à la Elon Musk sich von kreativen Geeks zu verstörenden Zerrbildern ihrer Selbst entwickelten.

Sie glauben, eine Dystopie wie in Bladerunner sei eine erstrebenswerte Zukunft und kokettieren mit Weltuntergangsfantasien, anstatt uns genau davor zu bewahren. Als Jungunternehmer startete Musk demnach mit großen, hehren Zielen und Visionen. Dank und mit Tech wollte er die Welt zum Positiven verändern.

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Je (erfolg)reicher er wurde, desto mehr korrumpierte, laut Swisher, sein Charakter. Dass um ihn herum ein technisches Ökosystem, inklusiver eigener Social-Media-Plattform und KI, herumgebaut ist, beschleunigte diese Entwicklung.


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When the walls fall down: Das demonstriert, dass nicht mehr viel fehlt, und Tech-Milliardäre mit ihren KI-Modellen über sämtliche Inhalte in unseren Leben entscheiden. Bereits jetzt entscheiden Algorithmen über das, was wir uns im Internet ansehen. Moralische Grenzen darüber, was KI darf und was nicht, verschwimmen zusehnes. Wenn diese letzte Mauer fällt, gibt es keine Tabus mehr.

Am Ende des Songs wird aufgelöst, was passiert, wenn diese letzte Mauer fällt.

Verliebt in eine KI

Love is automatic pleasure. Virtual reality: Bei diesem Part muss ich an ein großartiges Trailer-Video zu Detroit: Become Human denken. Tech-Schöpfer Elijah Kamski wird zu seinen Androiden befragt. Es geht dabei auch darum, ob er es in Ordnung findet, wenn wir sexuelle und romantische Beziehungen zu Maschinen aufbauen. Spoiler: Er findet das offenbar unbedenklich.

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2026 gibt es Menschen, die bereits emotionale Bindungen zu KIs aufgebaut haben und Beziehungen zu ihnen pflegen. Beziehungen steht hier in Anführungsstrichen, weil es eine Dualität und Gegenseitigkeit voraussetzt, die eine emotionslose KI nicht bieten kann.

Lebensgroße Puppen, die eine menschliche Körpertemperatur und sogar einen Puls haben, gibt es schon länger. Wenn man das mit modernen Robotern und KI kombiniert, hat man im Prinzip auch schon in vereinfachter Version das, was im Spiel in Aussicht gestellt wird.

Detroit: Become Human ist übrigens im Jahr 2038 angesiedelt. Als es zur Beantwortung der Frage nach Beziehungen zu Androiden kommt, wird die Hintergrundmusik dunkler.

In Bezug auf Computer God kommen wir an diesem Punkt erneut zu When the walls fall down. Auch hier wird signalisiert, dass eine Grenze überschritten wird, wenn Menschen lieber mit Maschinen als mit Menschen zusammen sind.

In Detroit: Become Human können Menschen verschiedene Androiden kaufen, um diverse Aufgaben zu erfüllen und Bedürfnisse zu stillen. Sex gehört mitunter ebenfalls dazu sowie der generelle Ersatz für einen menschlichen Partner. (Bildquelle: Quantic Dream) In Detroit: Become Human können Menschen verschiedene Androiden kaufen, um diverse Aufgaben zu erfüllen und Bedürfnisse zu stillen. Sex gehört mitunter ebenfalls dazu sowie der generelle Ersatz für einen menschlichen Partner. (Bildquelle: Quantic Dream)

Wenn wir den Großteil unserer wachen Zeit vor dem PC verbringen, machen wir im Grunde genau das, selbst, wenn es online gleichzeitig zu Interaktionen mit Menschen kommt.

Bei dem Song-Part mit Virtual Reality steht erneut die Frage im Raum, was echt ist und was nicht. Die Gefühle, die Menschen zu emotionslosen Maschinen und KI aufbauen können, sind es jedenfalls.

Hass für Klicks

Terminal hate, it's a calculation. Send in the child for connection: Es lässt sich schwer abschätzen, wie Terminal hier gemeint ist. Je nach Kontext kann Terminal Verschiedenes bedeuten:

  • Endpunkt oder Grenzstation
  • Computergerät oder Programm zur Eingabe und Anzeige von Daten
  • Server, der mehreren Benutzern gleichzeitig Zugriff auf Anwendungen ermöglicht

Im übertragenen Sinn könnte in Computer God alles zutreffen. Endstation Hass oder auch Hass eines Computers oder Servers. Ich persönlich denke, diese Überschneidungen sind mit Absicht vieldeutig anwendbar.

Rage Bait ist ein kalkulierter Klickgarant. Negative Emotionen lassen uns eher online bleiben als positive. Empörung lässt uns zudem eher aktiv werden. Wir kommentieren in Rage einen Artikel eher, als wenn wir ihn loben würden. Das füttert Algorithmen, die lernen, dass Wut gut ist. Endstation Hass.

Politiker und Politikerinnen setzen Rage Bait bewusst ein, aber auch (andere) Content Creators. Häufig werden zudem Kinder benutzt, um Meinungen und vor allem Wahrnehmungen zu beeinflussen sowie Ziele zu erreichen.

Sie lassen uns weniger misstrauisch sein, denn sie sind unschuldig und können dadurch eine schnellere Verbindung zu uns aufbauen. Außerdem sind sie für Erwachsene nicht bedrohlich. Dadurch fassen wir Vertrauen und verknüpfen diesen Vertrauensvorschuss mit den Inhalten, die um das Kind herum ausgespielt werden.

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Take a look at the toys around you. Right before your eyes, the toys are real: Zunächst könnte man meinen, hier ginge es noch immer um die Kinder, die vor dem YouTube-Stream vielleicht die tatsächlich greifbaren Spielzeuge um sich herum vergessen. Ich denke aber, hier wird mit einer geschickten Überleitung wieder ein Sprung zum Krieg gemacht.

Für Kriegstreiber und Diktatoren sind Menschenleben oft nichts anderes als Spielsachen. Nur, dass hinter jedem Leben, das im Krieg genommen wird, ein echter Mensch mit einem eigenen Leben, Angehörigen und Freunden steht.

Die Schrecken des Krieges passieren vor unseren Augen. Kriegstreibern kann das in der Regel egal sein. Sie sehen sich in einer erhöhten Position lediglich als Spieler, der selbst nicht direkt involviert ist. Wenn ein Spielzeug kaputtgeht (ein Mensch stirbt), wird Ersatz angefordert.

Düstere Aussichten

Die letzten Zeilen des Textes geben eine klare Warnung aus:

Midnight confessions. Never heal the soul. What you believe is fantasy. Your past is your future. Left behind, lost in time. Will you surrender? Deliver us to evil, deny us of our faith. Robotic hearts bleed poison on the world we populate. Virtual existence with a superhuman mind. The ultimate creation, destroyer of mankind. Termination of our youth. For we do not compute. No!

Könnte dies das bittere Ende der totalen Technokratie zeigen? Stirbt der organische, fehlerhafte Mensch in der perfekten, mathematischen KI-Welt schlicht aus, weil er nicht so funktioniert, wie eine Maschine oder sich nicht unterwerfen möchte? Was wird passieren, wenn wir uns gegen die technische Revolution wehren? Wird unsere Gesellschaft durch Maschinen noch weiter vergiftet?

Ich musste hier irgendwie an dem Film Wall-E denken, in dem Menschen vergessen haben, dass sie auch Dinge selbst machen können und nicht alles von Maschinen übernehmen lassen müssen.

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Jeder einzelne Satz des Songs lässt sich vielfältig interpretieren. Nur Ronnie James Dio könnte uns sagen, was er sich bei welchen Zeilen gedacht hat.

Selbst wenn er noch am Leben wäre, würde er genau das aber vermutlich nicht machen. Wie er in seiner Autobiografie Rainbow in the Dark schreibt, war ihm bei seinen Texten immer wichtig, dass seine Fans sie für sich selbst interpretieren und etwas für sich persönlich daraus ziehen.

Um noch einmal auf Wall-E zurückzukommen (mit kleinem Spoiler zum Ende des Films): Im Film schaffen die Menschen es, sich selbst wieder zu neuem Leben zu erwecken und von ihren Maschinen zu lösen. Wie es für uns ausgeht, entscheiden wir selbst und zwar jeden Tag.

Albumkontext zu Computer God

Das Lied erschien auf dem wohl techlastigsten, inhaltsschwersten und derbsten Album von Black Sabbath Dehumanizer. Ronnie James Dio, der Black Sabbath 1982 nach diversen Differenzen verlassen hatte, unterbrach sein Soloprojekt Dio, um der britischen Heavy-Metal-Band 1991 erneut zur Seite zu springen.

Was genau damals zwischen Ronnie James Dio und dem Rest der Band vorgefallen war, schildert der Musiker übrigens unter anderem in seiner Autobiografie Rainbow in the Dark in Kapitel 14 West of Wonder.

Black Sabbath – Dehumanizer
Album
Black Sabbath – Dehumanizer
CD oder Vinyl
ab 35 €
Rainbow in the Dark
Die Autobiografie
Rainbow in the Dark
Ronnie James Dio
Mit Mick Wall und Wendy Dio
21 €

Dehumanizer wurde damals von vielen Musikkritikern als eher schwache Platte gebrandmarkt und blieb hinter seinen Erwartungen zurück.

In einem Interview zum Album Dehumanizer erzählt Ronnie James Dio, dass diese Platte nichts war, was man von ihm erwartet habe. Es geht weder um Drachen noch um Mystik und Magie. Dio entschied sich ganz bewusst gegen die verträumten Fantasygeschichten, die als sein Steckenpferd galten. Er wollte sich mit etwas Echtem auseinandersetzen. Demnach hat er sich also durchaus mit der realen Zukunft der Menschheit beschäftigt.

Weiter resümiert er, dass es grundsätzlich in Ordnung sei, über Träume zu schreiben, denn sie können manchmal ja auch wahr werden. Heutzutage sei es aber sehr schwer geworden, einen Traum in Erfüllung gehen zu lassen.

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Zu Beginn von Computer God sind im Hintergrund Geräusche wie aus einer Fabrik zu hören. Dazu kommen immer wieder akustische Zoom-Effekte, als würde etwas näher kommen. Der musikalische Einstieg kommt via hart angespielter Snare Drum, von Laien auch manchmal Militärtrommel genannt.

Weitere Themen des Albums sind Isolation, Besessenheit von Technologie und eine zynische Darstellung der Realität. Das Cover sollten sich Interessierte auch unbedingt einmal genauer ansehen, denn auch dies zielt auf ähnliche Inhalte wie in Computer God ab.

Wohl auch aufgrund der ungewohnt harten Klänge und Inhalte floppte das Album zwar, doch der ausbleibende kommerzielle Erfolg sagt wie so oft nur wenig über die Relevanz und Qualität der Komposition aus.

Dio –Dreamers Never Die
DVD/Blu-ray
Dio –Dreamers Never Die
ab 11 €
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Stream
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Nele Wobker
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Dehumanizer ist meiner Meinung nach nicht nur eines der besten, sondern auch eines der unterschätzesten Black-Sabbath-Alben. Ronnie James Dio war einer der besten Sänger aller Zeiten. Er hat nicht nur Computer God einen angemessenen, düstern und aggressiveren Ton verpasst, sondern auch anderen Songs auf Dehumanizer ihre Prägnanz verliehen.

In mehreren Interviews gestehen verschiedene Bandmitglieder, dass es zwischenmenschliche Schwierigkeiten während der Albumaufnahmen und der damit verbundenen Tour gab. Alle waren zwar froh, wieder zusammen auf der Bühne zu stehen, die Probleme, die beim ersten Mal zur Trennung führten, hingen aber noch immer in der Luft.

Insbesondere Dio zeigte sich in Interviews extrem unzufrieden und verärgert über die mangelhafte Kommunikation innerhalb der Band und dass Probleme nicht einfach angesprochen wurden. Seine Stimme klingt auf Dehumanizer deutlich wütender, unnachgibiger und derber als in den 80er-Jahren, was perfekt zum harten Riffing von Tony Iommi passt.

Ronnie James Dio tut in mehreren Medien kund, dass dies unter anderen Umständen das erfolgreichste Album und die beste Band überhaupt hätten werden können. Auch in seiner Autobiografie beklagt er, dass es vor allem wegen der aufgeblasenen Egos Einzelner und der Unfähigkeit zu kommunizieren, nicht dazu kam. Nach Dehumanizer verließ er die Band erneut. Dieses Mal endgültig.

Zum Nachteil der Band: Dehumanizer strotzt von einer Kraft, die kein anderer als Ronnie James Dio ihm hätte geben können. In manchen Rezensionen beschreiben Kritiker es sogar als die letzte klassische Black-Sabbath-Platte, obwohl diese nicht zum gewünschten Erfolg führte und auch bei Weitem nicht bei allen kritischen Stimmen wohlwollend davonkam.

Mit dem Album läutete Dio das ein, was manche Fans als Ronnie's dystopian period bezeichen. Er wollte nicht mehr bloß eindimensional als Mr. Wizard, Mr. Witch oder Mr. Sword and Sorcery auftreten. Auch das ist ihm unumstößlich gelungen. Sein musikalisches Vermächtnis, seine gütige und leidenschaftliche Art wird für immer im Gedächtnis seiner Fans und der Welt bleiben. Ruhe in Frieden, lieber Ronnie James Dio.

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