Im Jahr 1969 war eine australische Insel völlig verwüstet: Ein halbes Jahrhundert später ist sie dank des unermüdlichen Einsatzes eines Piloten wieder ein Paradies

Ein halbes Jahrhundert nach seiner Ankunft ist dieses Stück nackter Koralle praktisch ein ganz anderer Ort geworden.

Eine beinahe tote Insel wurde von einem Mann wiederbelebt. (Bildquelle: Xataka | ABC) Eine beinahe tote Insel wurde von einem Mann wiederbelebt. (Bildquelle: Xataka | ABC)

Über Jahrhunderte hinweg hatten sich auf Lady Elliot Island riesige Mengen an Seevogelkot angesammelt – ein extrem nährstoffreiches Material, das im 19. Jahrhundert zu einem der wertvollsten Düngemittel (Guano) der Welt aufstieg.

Der systematische Abbau begann im Jahr 1863. In den darauffolgenden Jahren trugen die Arbeiter etwa einen Meter des nährstoffreichen Guano-Bodens ab und holzten fast alle Bäume ab. Als der Abbau 1874 endete, war ein Großteil des natürlichen Kreislaufs zerstört, der diese kleine Koralleninsel am Leben hielt.

Weniger Vegetation bedeutete weniger Vögel, dadurch weniger neuen Guano und folglich noch weniger Nährstoffe für nachwachsende Pflanzen.

Der Pilot, der beschloss, dass aus dem Ödland wieder eine Insel werden sollte

Don Adams war Pilot und erkannte in der degradierten Landschaft auch touristisches Potenzial. Im Jahr 1969 erhielt er eine Konzession der australischen Regierung, baute eine Landebahn auf den Korallensand und errichtete einfache Unterkünfte für erste Gäste. Gleichzeitig begann er mit dem Versuch, die Vegetation auf Lady Elliot wiederzubeleben.

Das Problem war fundamental: Es gab kaum fruchtbaren Boden und kein Süßwasser. Also belud Adams sein Flugzeug kurzerhand mit Kanistern von etwa 18 Litern Inhalt und flog sie auf die Insel, um die ersten Anpflanzungen persönlich zu bewässern.

Don Adams neben seinem Flugzeug. (Bildquelle: Xataka | Times of India) Don Adams neben seinem Flugzeug. (Bildquelle: Xataka | Times of India)

Pflanzen, um das gesamte Ökosystem wieder in Schwung zu bringen

Damit nicht genug: Adams und seine Familie pflanzten Tausende von Gewächsen und Bäumen an, darunter Kasuarinen, Pandanus-Palmen und andere Arten, die den extremen Bedingungen des Koralleneilands trotzen konnten. Der Prozess war langwierig, aber die Vegetation stabilisierte allmählich den Boden, und die Seevögel kehrten zurück, um in den Kronen zu nisten.

Mit den Vögeln kam auch der Guano zurück: Die Nährstoffe vermischten sich mit den organischen Pflanzenresten, drangen in den porösen Korallenboden ein und halfen dabei, genau den ökologischen Kreislauf wieder aufzubauen, den der Bergbau ein Jahrhundert zuvor unterbrochen hatte.

Die importierten Ziegen waren das Einzige, was nach dem Ende des Guano-Abbaus auf Lady Elliot Island übrig geblieben war. (Bildquelle: Xataka | ABC) Die importierten Ziegen waren das Einzige, was nach dem Ende des Guano-Abbaus auf Lady Elliot Island übrig geblieben war. (Bildquelle: Xataka | ABC)

Die Rettung endete nicht mit Adams

Adams verkaufte seine Nutzungslizenz im Jahr 1977. In der Folge ging Lady Elliot durch verschiedene Hände, bis Peter Gash (heutiger Geschäftsführer und Verwalter des Lady Elliot Island Eco Resort), seine Familie und mehrere Partner das Eiland im Jahr 2005 pachteten.

Sie bauten auf der jahrzehntelangen Vorarbeit auf, intensivierten die Renaturierung, beseitigten invasive Arten und pflanzten mehr als 10.000 einheimische Gewächse.

Don Adams bei der Eröffnung von Lady Elliot Island. (Bildquelle: Xataka | ABC) Don Adams bei der Eröffnung von Lady Elliot Island. (Bildquelle: Xataka | ABC)

Die Insel, die Gash noch Jahre zuvor als kahle Korallenwüste in Erinnerung hatte, war schließlich von dichten Bäumen und Sträuchern bedeckt, in denen Seevögel nisten. Pandanus-Pflanzen stabilisieren heute die Sandstrände, die von Suppen- und Unechten Karrettschildkröten zur Eiablage genutzt werden.

Fairphone 6
Fairphone 6
Nachhaltiges, leicht zu reparierendes Smartphone mit langem Update-Support, 50-MP-Kamera, erweiterbarem Speicher und 6,3 Zoll großem OLED-Display.
529 €

Und die Bäume halfen letztlich auch dem Riff

Die Erholung der Insel brachte einen Effekt mit sich, der anfangs gar nicht so absehbar war. Die von den neuen Bäumen angelockten Vögel hinterlassen stickstoff- und phosphorreichen Guano. Diese Nährstoffe sickern langsam durch den porösen Boden der Insel und gelangen in minimalen, perfekt dosierten Konzentrationen ins Meer, was den umliegenden Korallen zugutekommt.

Lady Elliot beherbergt heute eine außergewöhnliche Vielfalt an Vögeln. In ihren geschützten Gewässern tummeln sich Schildkröten, Riffhaie und Hunderte Fischarten sowie eine Manta-Population, die in den Wintermonaten bis zu 700 Tiere zählen kann.

Die Insel in ihrer heutigen Pracht. (Bildquelle: Xataka | ABC) Die Insel in ihrer heutigen Pracht. (Bildquelle: Xataka | ABC)

Ein halbes Jahrhundert später ist es ein völlig anderer Ort

Heute gilt Lady Elliot zudem als wegweisendes Modellprojekt für nachhaltigen Tourismus: Mehr als 900 Solarmodule versorgen das Resort mit Strom, eine Meerwasserentsalzungsanlage liefert Trinkwasser, Abwasser wird für die Bewässerung aufbereitet und Speisereste landen als wertvoller Kompost wieder in der Erde.


Übrigens: Im Jahr 2008 füllte Spanien eine 300 Meter tiefe Kohlemine mit Wasser – vier Jahre später wurde daraus der größte künstliche See des Landes


Im Jahr 2018 wurde die Insel zudem als erster Standort einer Initiative ausgewählt, die bestimmte Inseln des Großen Barriereriffs in Schutzräume gegen den Klimawandel verwandeln soll.

Don Adams hat dieses Ökosystem nicht im Alleingang gerettet, aber er war der Mann, der 1969 den Anstoß zu etwas Großartigem gab. Er landete auf einer verwüsteten Insel mit nichts als ein paar Bäumen und Wasserkanistern im Gepäck und stieß einen Prozess an, der dieses kahle Stück Koralle über 50 Jahre später völlig unerkennbar gemacht hat.


Kommentare(0)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.