Neue Grafikkarten von Intel – Erster Test-Leak macht Spielern wenig Hoffnung

Neben Nvidia und AMD bringt jetzt auch Intel eigene Desktop-Grafikkarten. Es gibt zwar noch große Einschränkungen, Intels Pläne sind aber ambitioniert.

von Nils Raettig,
01.02.2021 12:54 Uhr

Ein erster Test von Intels Desktop-Grafikkarte Iris Xe beziehungsweise DG1 zeigt noch große Treiberprobleme, die das Spielen weitgehend verhindern. Ein erster Test von Intels Desktop-Grafikkarte Iris Xe beziehungsweise DG1 zeigt noch große Treiberprobleme, die das Spielen weitgehend verhindern.

Update, 01.02.2021: Intels frisch vorgestellte Iris-Xe-Grafikkarte für Desktop-PCs zeigt sich in einem ersten Test bei Igorslab. Es handelt sich um ein geleaktes Software Development Vehicle (SDV). Das ist Hardware, die Entwicklern zur Verfügung gestellt wird, um damit Erfahrung beim Programmieren von Software sammeln zu können.

Den Bildern der getesteten Hardware nach zu urteilen kennen wir sie bereits von der ersten Vorstellung auf der CES 2020. Intel scheint aber bei der grundlegenden Software in Form der Grafiktreiber etwa ein Jahr später noch großen Nachholbedarf zu haben.

Der Plan von Igorslab, Benchmarks zu der Leistung im 3DMark oder auch Spielendurchzuführen, ist an fehlender Treiberunterstützung und wiederholten Abstürzen und Fehlermeldungen gescheitert. Außerdem ließen sich die Videoanschlüsse der Grafikkarte selbst kaum nutzen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Situation bei den neu angekündigten Desktop-PCs mit Iris-Xe-Grafikkarte (siehe die ursprüngliche Meldung unten) für den Handel anders ausfällt. Da Software-Entwickler allerdings die ersten sein sollten, die vernünftige Treiber bekommen, macht der Test von Igorslab diesbezüglich nicht unbedingt viel Hoffnung.

Urspüngliche Meldung, 27.01.2021: Das Wichtigste vorab: Nein, Intels neue »Iris Xe« Desktop-Grafikkarten sind keine Alternative, wenn ihr erfolglos versucht habt, eines der aktuellen Modelle von AMD (RX 6000) oder Nvidia (RTX 3000) zu einem fairen Preis zu bekommen. Eines zeigen sie allerdings: Intel scheint es ernst zu meinen, wenn es darum geht, in Zukunft auf dem Markt für dedizierte GPUs mitzumischen.

Worum geht es? Intel hat offiziell bekannt gegeben, dass die erste Desktop-Grafikkarte auf Basis der eigenen Xe-Architektur in Zusammenarbeit mit Partnern wie Asus veröffentlicht wurde. Es handelt sich um einen Ableger der bereits Ende 2020 für Notebooks erschienenen Grafikeinheit Iris Xe Max.

Während wir dedizierte Grafikkarten seit langer Zeit nur von AMD (beziehungsweise ATI, die vor 15 Jahren von AMD gekauft wurden) und von Nvidia kennen, betritt somit ein neuer Konkurrent diesen Markt. Wie das High-End-Duell zwischen AMD und Nvidia aktuell ausgeht, erfahrt ihr in diesem Video:

AMD gegen Nvidia - So stark ist die Radeon RX 6800 XT im Vergleich mit der RTX 3080 12:40 AMD gegen Nvidia - So stark ist die Radeon RX 6800 XT im Vergleich mit der RTX 3080

Wie schnell ist die Intel Iris Xe? Von Leistungsregionen wie den im Video gezeigten ist Intels neue Desktop-GPU meilenweit entfernt. Genaue Werte können zwar nur passende Benchmarks liefern, aufgrund der bekannten technischen Daten wie 80 Recheneinheiten (gepaart mit 4,0 GByte VRAM) und der engen Verwandtschaft zu dem Xe-Max-Chip ist aber von einer Leistung leicht oberhalb der Geforce GT 1030 von Nvidia auszugehen.

Bei der GT 1030 handelt es sich um eine Einsteiger-Desktop-Grafikkarte aus dem Jahr 2017 mit Pascal-Architektur (GTX 1000). Die Iris Xe eignet sich also maximal für Spieler, die sehr anspruchslose Titel wie League of Legends spielen und nur ein geringes Budget zur Verfügung haben.

Iris Xe ist nur der erste Schritt

Das andere Ende der Leistungsfahnenstange mit Intel Xe hat kürzlich Raja Koduri in Form eines Tweets gezeigt. Der für die Entwicklung der Intel-GPUs verantwortliche ehemalige AMD-Mitarbeiter teilte darin ein Foto des Xe-HP-Chips, der laut Wccftech bis zu 2.048 Recheneinheiten bieten soll.

Link zum Twitter-Inhalt

Zu einer schnellen Spielergrafikkarte gehört aber weit mehr als nur eine hohe Zahl von Recheneinheiten. Allen voran sind das stabile Treiber und eine zuverlässige Umsetzung der theoretischen Leistung in entsprechend hohe FPS-Zahlen bei aktuellen Titeln.

Der Release von Iris Xe ändert für Spieler also vorerst nichts, zumal die Karte nicht separat verkauft und nur in Komplett-PCs mit speziell angepassten BIOS-Versionen funktionsfähig sein wird. Er stellt aber dennoch einen wichtigen Schritt dar.

Einerseits, weil die dedizierten Intel-Grafikkarten dadurch erstmals einem breiten Publikum zur Verfügung stehen. Andererseits, weil das Intel erlaubt, wichtige Erfahrungen in diesem Bereich zu machen.

Welche andere neue Hardware wir von AMD, Intel und Nvidia in diesem Jahr erwarten, erfahrt in den folgenden beiden Plus-Artikeln:

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Wann kommt echte Konkurrenz für AMD und Nvidia?

Sichere Aussagen dazu, wann Intel Desktop-Grafikkarten in höheren Leistungsregionen anbieten wird, sind aktuell nur schwer zu treffen. Mit Blick auf das Tempo, das Intel in diesem Bereich bislang vorgelegt hat, rechnen wir aber eher nicht damit, dass es 2021 noch soweit sein wird.

Bedenkt man, wie schlecht Spieler-Hardware momentan lieferbar ist, kann man das durchaus bedauern, zumal Intel durch eigene Fertigungsfabriken nicht auf aktuell stark beanspruchte Herstellungs-Nadelöhre wie TSMC angewiesen ist.

Andererseits hat Intel bei den Prozessoren eine große Baustelle, auch wegen der sehr starken Ryzen-Konkurrenz, die ebenfalls viele Ressourcen beanspruchen dürfte.

Wie schätzt ihr die Lage ein? Kann Intel mittel- oder langfristig ein ernster Konkurrent für AMD und Nvidia in höheren Leistungsregionen werden? Schreibt es gerne in die Kommentare!

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