Vor zwei Jahren habe ich drei Ventilatoren auf Temu bestellt – mit erwartbarem Ergebnis: Alle drei Modelle waren nicht der Burner (und eines davon sogar gefährlich). Immerhin: Das rosa Exemplar auf dem Teaserbild des damaligen Artikels nutzt meine Frau auch noch heute.
Vorblende nach 2025: Der Hersteller JisuLife wurde durch diesen Artikel auf mich aufmerksam und bot mir an, den Fan Ultra2 aus ihrem Hause auszuprobieren. Der kostet im hauseigenen Shop immerhin satte 79 Euro und damit mehr als zehnmal so viel wie das rosa Pusteblümchen.
Ein Ferrari unter den Handventilatoren, gewissermaßen.
»Warum eigentlich nicht?«, dachte ich mir und habe zugesagt, nicht wissend, was für eine Wundertüte mich erwarten würde.
JisuLife Fan Ultra2: Was ist das?
Der chinesische Hersteller betitelt sein Handferrari selbst als Handventilator – das Understatement des Jahres.
Säße ich in der Marketingabteilung, würde ich den Namen »elektrisches Multitool« vorschlagen, denn sich mit dem Ultra2 Luft ins Gesicht pusten ist nur die Schneeflocke auf der Spitze des Eisbergs.
Zunächst ein paar technische Daten:
- Batteriekapazität: 9.000mAh
- Akku: Li-Ionen-Batterie
- Ladezeit: 2,5 bis 3,5 Stunden (18W Schnellladeeingang)
- Betriebszeit: 1,5 bis 25 Stunden (abhängig von verschiedenen Stufen/Nutzungsszenarien)
- Windgeschwindigkeit: 4,5 bis 16,5 m/s
- Lautstärke: 67 bis 102 db
- Gewicht: 295 g
- Produktgröße (HxBxT): 74,4 x 39,9 x 134,9 mm
Im Grunde ist das Gerät als Outdoor-Gadget gedacht. Folgendes kann man damit alles anstellen:
- sich abkühlen
- das Handy laden
- Licht machen
- ein SOS-Signal senden
- Luftmatratzen aufpumpen
- Equipment entstauben
- sich die Haare föhnen
Stellt sich bloß die Frage: Wie gut macht der Ultra2 das?
JisuLife Fan Ultra2: Das hat mir gefallen
Sehr performant
Als ich las, dass das Gerät 100 Windstufen bieten soll, dachte ich mir: »Yeah, right«. An diesen Worten sollte ich mich verschlucken.
Man kann den Ultra2 granular in 100 Stufen einstellen, wobei ich argumentieren würde, dass die niedrigste Stufe – also 1 – allein ausreicht, um sich abzukühlen. Eingestellt wird das über ein Rädchen an der Vorderseite.
Das macht auch sofort klar, dass der Hersteller hier nicht nur kleckert, sondern klotzt. Damit verkommen die anderen Einsatzszenarien nicht zu Lippenbekenntnissen.
Hochwertig verarbeitet
Wer 80 Euro für einen Handventilator zahlt, darf Qualität erwarten – und die wird geliefert.
- robustes Metallchassis
- Windkammer mit Wabendesign (dadurch verfangen sich keine Haare darin)
- helles LC-Display
- Taschenlampe mit 3 Stufen
In Ermangelung eines besseren Wortes würde ich sagen, dass der Ultra2 einfach sexy ist (das ist auch kein Satz, von dem ich je dachte, dass ich ihn mal schreibe).
Optisch wie haptisch kommt der Preis auf jeden Fall rüber. Ach ja: Aufschrauben darf ich ihn übrigens auch, um die Lüfterblätter und den Windkanal zu reinigen. Nice.
Kleiner als man glaubt
Jetzt spreche ich hier von einem digitalen Multitool. Mit 300 Gramm ist es auch kein Leichtgewicht und zudem für den Outdoor-Einsatz entwickelt. Das Gerät muss doch recht groß sein, oder?
Tatsächlich ist es kleiner, als man glaubt.
Ich habe recht große Hände, kann aber den Haltegriff bequem umfassen (seht ihr auf den Bildern weiter oben). Der ist übrigens wegen des dicken Akkus so breit. Dafür kann man den Ultra2 einfach abstellen, was in der Verbindung mit der Taschenlampe von Vorteil ist.
Für Kinder oder Menschen mit zierlichen Händen könnte der Griff jedoch zu groß sein.
Für alle Funktionen tatsächlich zu gebrauchen
In meiner Laufbahn als Tech-Redakteur habe ich mittlerweile hunderte Geräte getestet. Daher weiß ich auch: So manches Versprechen, das ein Hersteller gibt, wird nicht immer gehalten, gerade bei Multifunktionsgeräten.
Ich muss ehrlicherweise gestehen: Hier trifft das nicht zu. Die von JisuLife angepriesenen Features werden tatsächlich alle erfüllt, ohne, dass man große Kompromisse eingehen muss.
Abkühlen
Ja, auf Stufe 100 ist der Handventilator extrem laut (dazu gleich mehr). Doch durch den Windkanal wälzt das Gerät nicht nur warme Luft, sie bleibt kühl.
Powerbank
Weil 9.000 mAh für Luftpusten doch ein bisschen drüber wäre, kann man am Ultra2 auch sein Handy laden. Handys mit großen Akkus fassen im Schnitt 5.000 mAh, also kommt ihr (je nach Nutzung) auf eine bis anderthalb Ladungen (und könnt damit auch andere Geräte mit Saft versorgen.
Taschenlampe
Die ist in drei Stufen einstellbar. Zur Helligkeit macht der Hersteller keine leider Angaben, ich kann euch aber verraten, dass sie heller wird als mein Handy. Wie bereits erwähnt, lässt sich der Handventilator durch den breiten Griff gut abstellen.
Die SOS-Funktion braucht man hoffentlich nie, an Bord ist sie trotzdem.
Pumpe
Im Lieferumfang sind zwei magnetische Aufsätze dabei; einer davon verjüngt sich zur Spitze. Handelsübliche Luftmatratzen lassen sich damit aufpumpen. Das dauert allerdings etwas länger, da hier keine Druckluft wie bei einer Pumpe geliefert wird, sondern »Wind«.
Equipment entstauben
Das funktioniert wenig überraschend ziemlich gut. Im Paket findet sich auch ein kleine Bürste, die sich magnetisch an einen der Aufsätze klippen lässt, falls ihr etwas Filigranes entstauben wollt.
Haare föhnen
Das ist vermutlich die verrückteste Funktion, aber ja: Mithilfe von einer der beiden Aufsätze und Stufe 100 könnt ihr euch tatsächlich die Frisur trocknen.
- Die Luft bleibt kalt und wird nicht warm.
- Bei langen Haaren könnte das je nachdem sehr lang dauern.
Bei meiner Kurzhaarfrisur geht das tatsächlich ruckzuck. Ich sehe das Feature mehr als Dreingabe, aber sich beim Zelten die Haare föhnen zu können, oder etwas von Feuchtigkeit zu befreien, ist potenziell nützlich.
JisuLife Fan Ultra2: Das hat mir nicht gefallen
Sehr laut
Das ist vermutlich der Grund, wieso meine Frau am Ende doch bei ihrem rosa Pusteblümchen bleiben wird.
Der Ultra2 wird sehr laut. Auf der niedrigen Stufe ist das noch okay, aber allerspätestens ab Stufe 30 bekommt man von der Umgebung eigentlich nichts mehr mit und das ist bei einem Gespräch am Tisch beim Grillen dann doch eher suboptimal.
Ich habe versucht, das mal auf Video zu bannen, aber ihr werdet recht schnell merken, dass das Mikro meines Handys ziemlich bald rauscht – was für die Windstärke, aber auch die hohe Lautstärke spricht.
0:20
JisuLife Fan Ultra2: Der Handventilator wird fast so laut wie ein Düsenjet
Der Hersteller gibt eine Maximallautstärke von 102 Dezibel an. Das entspricht etwa:
- einer Bohrmaschine
- einem Konzert
- einem startenden Flugzeug aus 100 Meter Entfernung
Zum Vergleich: Staubsauger kommen auf etwa 70 bis 75 Dezibel, Rasenmäher auf ungefähr 90 bis 100 Dezibel.
Keine Wasserdichtigkeit
Wenn euch das Handy ins Wasser fällt, ist das bei den meisten modernen Smartphones kein Problem. Die besitzen oft ein IP-Zertifizierung, die sie mindestens vor Spritzwasser schützt.
Beim Ultra2 ist das nicht der Fall. Als Dealbreaker möchte ich das freilich nicht bezeichnen, aber gerade im Outdoor-Einsatz, wo es gerne mal feucht wird, könnte es für den Handventilator happig werden.
Ob das mit der Bauweise eines Handventilators überhaupt vereinbar ist, kann ich euch nicht sicher sagen.
Für den Alltag zu performant
Ich habe den Handferrari bisher über den grünen Klee gelobt und das verdient das Gerät auch. Doch es gibt eine schmerzhafte Wahrheit.
Im Grunde ist der Ultra2 für den Alltag zu performant.
Das liegt zum einen daran, dass er für »simples Abkühlen« zu teuer ist. Zum anderen braucht man die meisten Funktionen selten, wenn man nicht draußen unterwegs ist.
Es sei fairerweise erwähnt, dass das Gerät auch für Outdoor-Enthusiasten gedacht ist. Und für die könnte ich es als unverzichtbaren Sidekick sehen.
Im Alltag allerdings dürfte der Ultra2 für die meisten zu einer Powerbank mit Ventilator verkommen und das würde dem Handferrari nun wirklich nicht gerecht werden.
Alternativen
Wenn ihr »nur« nach einem Handventilator sucht, der kein reiner Plastikbomber ist, ihr aber auch keine 79 Euro in die Hand nehmen wollt, gibt es Alternativen.
- JisuLife Life10S: Für 27 Euro bekommt ihr aus demselben Haus eine gedimmte Variante des Handventilators. Aus 100 Stufen werden fünf und der Akku fasst 5.000 mAh. Auf weitere Funktionen müsst ihr aber verzichten.
- Handventilatoren auf Amazon: Anstatt euch ein Modell zu empfehlen, verlinke ich an der Stelle einfach auf die Suche auf Amazon. Handventilatoren gibt es wie Sand am Meer, da ist für jedes Budget etwas dabei.
Fazit
Es kommt nicht so oft vor, dass das Gerät eines Herstellers wirklich alle Versprechen hält. Beim JisuLife Fan Ultra2 ist das der Fall.
Ja, man kann sich damit nicht nur Luft ins Gesicht pusten, sondern auch sein Handy laden, Luftmatratzen aufpumpen und sich die Haare föhnen.
Die Wahrheit ist aber auch: Für den Alltagsgebrauch ist der Handferrari einfach zu krass und der Preis zu teuer. Zudem würde man die Funktionsbandbreite gar nicht ausnutzen, das wäre schade.
Der Ultra2 ist vor allem für Outdoor-Fans geeignet, die oft zelten gehen oder sich viel in der Natur aufhalten. Egal, ob Lagerfeueranzünden, Matratze aufpumpen oder als Leselicht im Zelt: Wenn ihr zu dieser Zielgruppe gehört, dann wird’s vermutlich nicht besser werden als mit diesem elektrischen Multitool.
Und nun entschuldigt mich. Ich muss mit meinem Handferrari noch meine Figurensammlung entstauben, denn das funktioniert damit 1A.

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