»Das werden sie bereuen«: Kanada hat die Spannungen mit den USA weiter verschärft, indem es die Tür für chinesische Elektroautos geöffnet hat

Kanada öffnet seinen Markt für chinesische E-Autos und senkt die Zölle stark. Während das Land selbst gemischt reagiert, warnen die USA vor Konsequenzen.

Kanada öffnet die Grenzen: Bis zu 49.000 chinesische Elektroautos pro Jahr sollen künftig mit drastisch reduzierten Zöllen ins Land kommen. (© Xiaomi blazejosh via Pixabay) Kanada öffnet die Grenzen: Bis zu 49.000 chinesische Elektroautos pro Jahr sollen künftig mit drastisch reduzierten Zöllen ins Land kommen. (© Xiaomi / blazejosh via Pixabay)

Der kanadische Premierminister Mark Carney hat nach zweitägigen Gesprächen in Peking ein Handelsabkommen verkündet, das die Zölle auf chinesische Elektroautos von 100 auf 6,1 Prozent senkt.

  • Dieses Abkommen soll am 1. März 2026 in Kraft treten, wie die US-amerikanische New York Times, die britische BBC und weitere Medien übereinstimmend berichten.
  • Die Vereinbarung erlaubt demzufolge zunächst den Import von bis zu 49.000 E-Fahrzeugen pro Jahr – eine Quote, die innerhalb von fünf Jahren auf rund 70.000 Einheiten steigen kann.
  • Im Gegenzug reduziert China die Zölle auf kanadische Rapsprodukte von 84 auf etwa 15 Prozent und streicht Abgaben auf Erbsen, Hummer und Krabben komplett.

Video starten 57:51 E-Autos im Alltag: Überwiegen die Vorteile oder sind die Hürden zu groß?

Ontario fürchtet um Autoindustrie – Saskatchewan jubelt

Innerhalb Kanadas löste der Deal kontroverse Reaktionen aus. Carney erklärte das neue Abkommen im Rahmen der Ankündigung vergleichsweise lapidar:

Wir nehmen die Welt, wie sie ist, nicht, wie wir sie uns wünschen würden.

Ontario-Premier Doug Ford kritisierte die Vereinbarung hingegen scharf und bezeichnete chinesische E-Autos gar als »subventionierte Spionagefahrzeuge«.

Die kanadische Regierung lade eine Flut billiger Elektrofahrzeuge aus China ein, lasse aber Garantien für gleichwertige oder sofortige Investitionen in Kanadas Wirtschaft vermissen.

  • Fords Sorge gilt demzufolge den rund 500.000 Beschäftigten der Automobilindustrie in Ontario, wo sich das Herzstück der kanadischen Fahrzeugproduktion konzentriert.
  • Flavio Volpe, Präsident des Verbands der Automobilzulieferer, warnte, die 49.000 Fahrzeuge entsprächen etwa einer Produktionsschicht in einem Werk – was den Verlust von 1.000 direkten und 5.000 indirekten Arbeitsplätzen bedeuten könnte (via CBC).

Anders fiel die Reaktion in Saskatchewan aus. Der dortige Premier Scott Moe, der Carney auf der China-Reise begleitete, bezeichnete das Abkommen als »sehr gute Nachricht« (via CBC).

  • Die Raps-Industrie beschäftigt in Kanada über 200.000 Menschen und erwirtschaftet 44 Milliarden kanadische Dollar jährlich – etwa 55 Prozent der Produktion stammt laut Moe aus Saskatchewan.
  • China hatte im März 2025 100-Prozent-Zölle auf kanadische Rapsprodukte verhängt, was den Handel praktisch zum Erliegen brachte.

USA-Reaktion fällt gespalten aus

Während US-Präsident Donald Trump überraschend milde reagierte – »Wenn man ein Abkommen mit China bekommen kann, sollte man das tun« –, übten ranghohe Regierungsvertreter deutliche Kritik.

  • US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer bezeichnete die Vereinbarung als »problematisch« und warnte: »Ich denke, auf lange Sicht werden sie es bereuen, diesen Deal gemacht zu haben«.
  • Auch US-Verkehrsminister Sean Duffy schlug bei einem Auftritt in einem Ford-Werk in Ohio in eine ähnliche Kerbe und erklärte, Kanada werde die Entscheidung bereuen.

In diesem Kontext ist aktuell ohnehin zu sehen, dass sich chinesische E-Auto-Hersteller nur noch bedingt um den US-amerikanischen Markt kümmern (und umgekehrt). Das jüngste Beispiel ist die hinter uns liegende CES: E-Autos sind auf der Messe kein Thema mehr – und der Grund liegt in China.

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Tesla profitiert kurzfristig

Überraschender Hauptprofiteur der Zollsenkung könnte indes zunächst Tesla werden, wie Reuters berichtet.

  • Das Unternehmen hatte sein Shanghai-Werk, die größte und kosteneffizienteste Fabrik weltweit, bereits 2023 für die Produktion einer kanadaspezifischen Version des Model Y ausgerüstet.
  • Im selben Jahr exportierte Tesla über 44.000 Fahrzeuge aus China nach Kanada, was zu einem Anstieg der Autoimporte über Vancouver um 460 Prozent führte.

Für rein chinesische Hersteller wie BYD, Nio oder XPeng wird der Prozess indes etwas komplexer, da diese deutlich mehr Modelle als Tesla im Portfolio führen. Ein entsprechendes Verkaufsnetzwerk muss also noch aufgebaut werden.