Neue Malware-Generation: Forscher zeigen selbstlernende Internet-Würmer, die ihre Angriffe eigenständig anpassen

Ein Forscherteam zeigt, wie frei verfügbare KI-Modelle einen Wurm antreiben, der sich selbst Rechenleistung stiehlt und Angriffe ohne menschliche Hilfe auf bekannte Schwachstellen anpasst.

Forscher der Universität Toronto haben einen KI-gesteuerten Internetwurm entwickelt, der Netzwerke eigenständig befällt – gebaut aus frei verfügbaren KI-Modellen. Forscher der Universität Toronto haben einen KI-gesteuerten Internetwurm entwickelt, der Netzwerke eigenständig befällt – gebaut aus frei verfügbaren KI-Modellen.

Ein Forschungssteam des CleverHans Lab an der Universität Toronto haben am 2. Juni 2026 einen Prototyp eines KI-gesteuerten Internetwurms vorgestellt, der Netzwerke ohne menschliche Eingriffe befällt und seine Angriffsstrategie von Gerät zu Gerät eigenständig anpasst.

Entwickelt wurde er ausschließlich mit Open-Weight-Modellen – also KI-Systemen, die kostenlos heruntergeladen und modifiziert werden können. Hochpreisige oder proprietäre Modelle waren dabei also nicht erforderlich.

Der Versuch fand in einer abgeschlossenen Laborumgebung statt, die keinerlei Verbindung zum öffentlichen Internet hatte. Das Team um Erstautor und Ingenieurprofessor Nicolas Papernot simulierte dabei ein Netzwerk aus Dutzenden vernetzter Geräte, darunter Laptops, Drucker und Kameras.

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Was den Prototyp von klassischen Würmern unterscheidet

Ein herkömmlicher Internetwurm – dabei handelt es sich um Schadsoftware, die sich selbst von Gerät zu Gerät kopiert, ohne dass Nutzer etwas anklicken müssen – folgt einem fest programmierten Skript. »WannaCry«, einer der bekanntesten Würmer der letzten Jahre, etwa war durch das Patchen einer einzigen Sicherheitslücke aufzuhalten.

Der KI-gesteuerte Prototyp des Toronto-Teams arbeitet grundlegend anders: Er analysiert jedes Zielgerät individuell, wählt passende Angriffsvektoren aus bekannten Schwachstellen aus und passt sein Vorgehen an unterschiedliche Betriebssysteme an.

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt, den das Forschungspapier als »destabilisierende ökonomische Asymmetrie zwischen Angreifern und Verteidigern« beschreibt.

  • Der Wurm zapft die Rechenleistung infizierter Maschinen an, um seine eigene KI-Verarbeitung zu betreiben und den nächsten Angriff vorzubereiten. Die Kosten für den Angreifer sinken so mit jeder infizierten Maschine.
  • Papernot stellte in der zugehörigen Pressemitteilung fest: »Hacker mussten bisher die lohnendsten Ziele priorisieren, weil Zeit und Rechenleistung knapp waren. Sobald ein solcher Wurm gestartet ist, würden die Kosten auf nahezu null sinken.«

Dabei sammelt der Wurm beim Vorankommen im Netzwerk Passwörter und deckt weitere Schwachstellen auf, die ihm den Zugriff auf weitere Maschinen ermöglichen. Wird eine Lücke auf einem Gerät gepatcht, kann er auf alternative bekannte Schwachstellen ausweichen, um dasselbe Gerät erneut anzugreifen.

Keine Zero-Days – aber ein offenes Fenster

Entscheidend ist aber auch, was der Prototyp nicht kann: Er findet keine bisher unbekannten Sicherheitslücken.

Das unterscheidet ihn von Anthropics Claude Mythos, das (via Engadget) bereits mehr als 10.000 Schwachstellen identifiziert haben soll – darunter solche, die zuvor niemandem bekannt waren.

Im freien Internet könnte ein solcher Wurm allerdings öffentliche Schwachstellen-Datenbanken und Sicherheitshinweise eigenständig auswerten und frisch gemeldete Lücken ausnutzen, bevor Patches verfügbar sind.


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Ebenfalls wichtig: Weil der Wurm keine kommerzielle KI-Plattform benötigt, sind zentrale Sicherheitsmaßnahmen wie »Rate Limiting« oder »Service Refusals« – also Mechanismen, mit denen KI-Anbieter Missbrauch einschränken – strukturell wirkungslos. Open-Weight-Modelle lassen sich lokal betreiben, ohne dass ein Anbieter eingreifen kann.

Vor der Veröffentlichung informierte das Team eigenen Angaben zufolge nationale Sicherheits- und Verteidigungsbehörden und ließ die Ergebnisse auf Informationen prüfen, die aktiven Angreifern nützen könnten.

Papernot begründet die frühe Veröffentlichung damit, dass Verteidigungsforschung nur dann wirksam ist, wenn die Bedrohung bekannt ist – und entsprechende Gegenmaßnahmen frühzeitig entwickelt werden können.

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