Er ist der Star eines weltweit einzigartigen Ensembles: Die Erststufe B1067 einer Falcon 9 vom US-Konzern SpaceX landete am 9. Juli 2026 auf dem Drohnenschiff »A Shortfall of Gravitas« – das war aber keine Mission wie jede andere.
Denn B1067 stellte mit seinem 36. Flug einen neuen Wiederverwendungsrekord für eine einzelne orbitalfähige Rakete auf.
Wir ordnen euch die Bestmarke ein und erklären, wieso das vor allem Europa blamiert. Denn das US-amerikanische Unternehmen vollbringt mit einer Rakete, wofür alle europäischen Nationen gemeinsam fünf Jahre brauchen würden.
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Das sind unsere Botschafter für die Ewigkeit jenseits des Sonnensystems – mit an Bord Clyde Tombaugh
Rekord-Booster von SpaceX
Jeder Start einer Falcon 9 ist gelebtes Recycling, denn die Erststufe kehrt in den allermeisten Fällen zur Erde zurück – und fliegt erneut.
Die Zweitstufe verglüht in der Regel kontrolliert in der Atmosphäre. Aber nur wenige Booster – so nennt der US-Konzern SpaceX die Erststufe – schaffen so viel wie der B1067. Die meisten beenden ihre Laufbahn aufgrund von Mängeln spätestens nach 25 Flügen.
Mit seinem 36. Flug erreicht der Booster abseits vom Triumph für die Technologie von SpaceX aber obendrein etwas, von dem Europa nur träumen kann. Sie zeigt, wie abgeschlagen der Kontinent dasteht.
Denn diese einzelne Rakete flog seit ihrem Erstflug Mitte 2021 in etwa genauso oft wie alle europäischen seitdem zusammen. Europa hingegen wirft seine Raumfahrzeuge komplett weg, denn weder Modelle wie Vega C noch Ariane 6 sind wiederverwendbar.
Deutschland hat mit Rocket Factory Augsburg und Isar Aerospace inzwischen zwar zwei vielversprechende Unternehmen, die beide auf neue, günstigere Orbitalraketen hinarbeiten, doch weder die RFA One noch die Spectrum sind in ihrer jetzigen Version wiederverwendbar (via spaceflightnow und spacestatsonline).
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- Jungfernflug am 3. Juni 2021: Frachtmission zur ISS.
- Crew-3 am 11. November 2021: NASA-Astronauten zur ISS.
- Crew-4 am 27. April 2022: NASA- und ESA-Astronauten zur ISS.
- Zweite ISS-Frachtmission des Boosters am 14. Juli 2022. Das macht B1067 zum bislang einzigen Falcon-9-Booster mit vier ISS-Andockmissionen.
- Navigationssatelliten der EU am 17. September 2024.
- Der 24. Flug am 4. Dezember 2024 brach den ersten Rekord für Wiederverwendung, zuvor gehalten von Booster B1062. Hier brachte der neue Triumphator Starlink-Satelliten in den Orbit – von denen übrigens derzeit täglich mehrere verglühen.
- Am 27. August 2025 überschritt B1067 als erste Falcon-9-Stufe überhaupt die 30-Flug-Marke.
- Der neue Weltrekord am 9. Juli 2026: 36 Starts und 36 erfolgreiche Landungen – Landung Nr. 635 für SpaceX insgesamt. Ein Großteil aller Missionen von B1067 bestand wie auch bei der neuen Bestmarke darin, Starlink-Satelliten auf ihre Umlaufbahn zu bringen. B1067 hält nun als einzige Stufe die Flüge 24 bis 36.
Wird B1067 erneut fliegen?
Es bleibt indes abzuwarten, ob B1067 erneut abhebt. Stand Ende Juli 2026 hat SpaceX keinen weiteren Starttermin angekündigt. Möglich sollte das dennoch sein, denn konstruktionsbedingt hat Elon Musks Konzern jeden Booster für bis zu 40 Flüge ausgelegt. Mit bisher 36 Flügen liegt B1067 also noch innerhalb dieses technischen Rahmens.
Da SpaceX nach jedem Flug einen gelandeten Booster einem rigorosen Testprogramm unterzieht, könnte dennoch der Ruhestand bevorstehen. Sollten hierbei strukturelle Schäden oder sonstige Auffälligkeiten zutage treten, deren Behebung im Vergleich zum Neubau eines Boosters zu hoch ausfiele, bliebe die Erststufe dauerhaft am Boden.
Im Zuge seines Börsengangs legte der Raumfahrtkonzern ein für die Wiederverwendung relevantes Dokument vor. Darin ist von einer maximalen bilanziellen Nutzungsdauer von 25 Flügen als Schätzwert zu lesen, was eher bürokratisch und buchhalterisch begründet ist (via SpaceX-IPO).
Sollte B1067 das konstruktionsbedingte Limit tatsächlich erreichen, überträfe die Erststufe von SpaceX das Space Shuttle Discovery als meistgeflogener Orbiter der NASA. Das berühmte Shuttle startete zwischen 1984 und 2011 ganze 39-mal. Bei Raketen gehört die Bestmarke bereits SpaceX – nur über die Gesamtkategorie Raumfahrzeuge liegt sie derzeit noch bei der NASA.
Während die Falcon 9 als Rückgrat der SpaceX-Flotte den alltäglichen Erfolg von Elon Musks Unternehmen symbolisiert, steht derzeit öfter das Starship in seiner brandneuen Variante 3 m Fokus. Alles darüber erfahrt ihr in einem großen Special auch bei uns.
Verdienter Platz unter Legenden
Einschätzung der Redaktion (Gerald Weßel): Sputnik, Saturn V, Space Shuttle und Falcon 9 – vier Raumfahrzeuge, die der Menschheit das All eröffnen. Ihre Leistungen sind historisch, ja geradezu legendär:
- Der erste Satellit im Orbit
- 12 Menschen zum Mond
- Maßgeblich für die Entstehung der Internationalen Raumstation (ISS)
Dank ihres massenhaften Einsatzes als wiederverwendbares Raumfahrzeug garantiert die Falcon 9 von SpaceX eine Nutzbarkeit des Orbits, die noch vor 20 Jahren als illusorische Träumereien gegolten hätte. Für mich repräsentiert der Booster B1067 deshalb eine inzwischen alltägliche Errungenschaft, die stille Revolution, welche unser aller Leben auf Dauer verändert.
Denn er verkörpert eine neue Generation von Technologie, deren Einfluss wohl weit hinein ins 21. Jahrhundert spürbar bleiben wird. Etwa für die intensive Nutzung des Weltraums als Wissenschafts-, Wirtschafts- und Industrieraum – mit vielleicht dramatischen Folgen, aber auch großen Chancen.
Funfact: Wusstet ihr, dass SpaceX nur ein Kürzel ist? Der vollständige Name von Musks Unternehmen lautet: »Space Exploration Technologies Corp.«
Ich bin überzeugt, dass zukünftige Historiker von der Falcon 9 als wichtigste Rakete des frühen 21. Jahrhunderts sprechen werden.
Denn trotz ihrer brutalen Größe und Kraft hat sie mit ihren routinierten Landungen eine neue Art Raketenfamilie aus der Taufe gehoben: wiederverwendbare Raketen als Motoren von Massentransportmitteln für Fracht und Menschen.
Europa muss hier alsbald aufholen: Ich gehe so weit, zu fordern, dass wir vor dem Ende des Jahrzehnts mindestens den Prototypen einer mehrflugfähigen Rakete auf dem Starttisch stehen haben müssen. Sonst greift für unseren Heimatkontinent und seine Ambitionen hin zu einer wiedererstarkenden, globalen Wirtschaftsmacht die ewige Mahnung jeder Innovation: »Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit.«
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