Die Möglichkeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) eröffnen viele neue Wege und das anscheinend auch in der Kirche.
In der St. Peterskapelle in Luzern hat man ein Experiment durchgeführt, das weltweit einzigartig sein dürfte: Ein KI-gestützter »Jesus« sollte Gläubigen bei der Beichte helfen.
Das Experiment wurde erfolgreich abgeschlossen und der Theologe hinter dem Projekt, Marco Schmid, zieht ein Fazit.
Gaming-PC im Beichtstuhl
Wie hat der digitale Jesus funktioniert? Wo normalerweise ein Priester sitzt, um die Beichte abzunehmen, war ein Monitor an einen Gaming-PC angeschlossen. Auf dem Bildschirm: Ein Gesicht, das wohl viele Menschen mit Jesus in Verbindung bringen.
Besucher der Kirche konnte über ein Terminal Fragen zu religiösen Themen stellen, die von der KI mit Bezug auf biblische Texte, kirchliche Traditionen und ethische Prinzipien beantwortet werden sollten. Laut den Entwicklern wurde die KI gezielt darauf trainiert, auf respektvolle und theologisch fundierte Weise zu kommunizieren.
Link zum Twitter-Inhalt
Das Projekt wurde vom künstlerischen Team um Philipp Haslbauer und Aljosa Smolic vom Immersive Realities Research Lab an der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit Marco Schmid, einem Theologen der St. Peterskapelle, entwickelt.
Die Installation mit dem Titel »Deus in Machina« sollte Besucher dazu anregen, über die Möglichkeiten und Grenzen von Technologie im Kontext von Religion nachzudenken. Marco Schmid erklärt:
»Der Titel der Installation – 'Deus in Machina' – suggeriert göttliche Allwissenheit und Weisheit. Es ist bewusst provokant gehalten.«
Besucher wurden von einem KI-gestützten Hologramm begrüßt, das die Worte »Friede sei mit dir, Bruder« sprach – egal, welches Geschlecht die Person in der Kabine hat. Die KI sollte die Menschen ermutigen, über das zu sprechen, was ihnen auf dem Herzen lag. Ziel war es, intime Momente der Reflexion zu schaffen, ohne dass es sich dabei um eine echte Beichte handelte.
44:19
»Künstliche Intelligenz ist die neue Elektrizität« - Wir busten mit einem Experten 5 Mythen zu KI
Das Fazit aus der Kirche
Das Experiment in Luzern war eines der Ersten seiner Art, könnte aber Vorbild für andere Gemeinden werden. Ob der KI-Jesus wirklich ein Teil der Zukunft des Glaubens ist, bleibt abzuwarten. Marco Schmid zeigte sich zu der Zeit optimistisch: »Wir wollen keine Antworten liefern, sondern einen Raum für Fragen schaffen.«
Mittlerweile hat Schmid in der Luzerner Zeitung ein Fazit gezogen. Er behauptet, dass mehr als 900 Dialoge mit der KI geführt wurden und diese auch entsprechenden Tiefgang hatten. Aus einer anonymen Umfrage ging wohl hervor, dass sich 90 Prozent der Befragten in ihrer Weltanschauung respektiert fühlten. Rund 60 Prozent hielten das Gespräch für spirituell.
»Diese Offenheit gegenüber einer Maschine lässt sich durch die Unpersönlichkeit der KI erklären. Viele Besucherinnen und Besucher empfanden dies als befreiend.«
Er stellt sich selbst die Frage, ob das Projekt denn nicht sogar Gott ersetzen würde, wie es manche Leute behauptet hatten:
»Die Antwort liegt in der Spannung zwischen Mensch und Maschine. Während die KI als Jesus eine Simulation eines Gesprächspartners war, die nach vorgegebenen Befehlen, beziehungslos und ohne Seele funktionierte, ist das Menschsein Gottes in Jesus Christus etwas vollkommen anderes.«
Ob es ein ähnliches Experiment noch einmal geben wird, erwähnt Schmid nicht.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.